#69 Macht Individualismus einsam?
Zusammenfassung
Ist euch auch aufgefallen, dass sich momentan irgendwie alles um das Individuum dreht? Es geht oft um Selbstperfektion, Selbstverwirklichung und andere Leute sind entweder in der Rolle, einen dabei zu unterstützen oder sind Hindernisse auf dem Weg, die man hinter sich lassen sollte. Auch so Dinge wie „Main-Character-Syndrom“ lassen es immer mehr so aussehen, als würde es der einzelnen Person immer mehr um sich selbst gehen. Aber tut uns dieser Individualismus gut? Denn eigentlich sind wir ja Gesellschaftswesen. Und wir können jetzt schon gut beobachten, dass Einsamkeit ein immer größeres Thema wird. Sind wir tatsächlich immer einsamer? Und auch noch selbst daran schuld?
Hallo
zusammen und herzlich willkommen zurück zu einer weiteren Folge von
„Philosophie für zwischendurch“!
Einleitung
Skript
69
Hallo
zusammen und herzlich willkommen zurück zu einer weiteren Folge von
„Philosophie für zwischendurch“!
Heute
möchte ich mit euch ein Thema besprechen, das ich schon lange zur Folge machen
wollte. Es geht um Individualität und Einsamkeit. Besonders in der heutigen
Zeit bekommt man oft das Gefühl, dass sich alles nur noch um das Individuum
dreht. Es geht um Selbstverwirklichung, es gibt den Ausdruck des
„Main-Character-Syndroms“ und gibt die Leute, die meinen, sie würden Dinge „für
den Plot“ tun. Darüber habe ich tatsächlich einmal einen Beitrag auf meinem
Instagram gemacht – der erscheint aber wahrscheinlich demnächst noch einmal auf
Youtube und TikTok. Aber auch außerhalb davon ist immer mehr im allgemeinen
Gespräch, dass man seinen eigenen Weg finden, sich nicht von den Wünschen
seiner Umgebung beeinflussten lassen und unabhängig sein soll. Und versteht
mich nicht falsch, das sind an sich alles gute Werte. Aber wenn man alles
einmal zusammennimmt, hat man immer irgendwann das Gefühl, dass hier die
Gesellschaft etwas zu kurz kommt. Warum versteht man denn ein soziales Umfeld
immer als etwas, was einen unten hält, Druck ausübt und gegenüber dem man
Verpflichtungen hat? Der Begriff „Kompromiss“ ist inzwischen sehr schlecht
angesehen, obwohl es doch eigentlich etwas Gutes ist. Wenn zwei Seiten einen
Kompromiss schließen, folgt daraus nicht gleich, dass eine davon ihre
Prinzipien aufgeben musste oder es nicht geschafft hat, sich durchzusetzen. Ein
Kompromiss ist zunächst einmal eine produktive Einigung von zwei Seiten, auf
deren Grundlage man arbeiten kann. Wir können ja nicht alle immer erwarten,
dass wir genau mit dem allen, was wir wollen, durchkommen. Beim Dating sind
solche Fragen auch immer besonders groß. Es gibt viele Leute, die vor lauter
Angst, dass sie von dem*der jeweiligen Partner*in ihren Willen nicht
durchbekommen, ganz vergessen, dass es in Beziehungen auch oft um Kompromisse
geht. Wenn wir mit anderen Menschen länger zusammenwohnen, kommen wir immer
irgendwann darauf, dass sie sich von uns unterscheiden. Und diese Unterschiede
können Ärgernisse kreieren, die man nicht bis in alle Ewigkeit ignorieren kann.
Anstatt also dann auszureißen und sich einen Ort auszusuchen, wo man wieder
allein sein Ding machen kann, bis man wieder einmal jemanden einlädt, kann man
versuchen, eine Lösung zu finden. Und die muss zwangsmäßig beinhalten, dass man
irgendetwas, was man tun will, nicht unbedingt tun kann, etwas Anderes aber
schon.
Und
dann haben wir das Thema der Selbstperfektion. Die sozialen Medien sind voll
mit Videos und Anleitungen, wie man den besten Körper bekommt, die beste
Mentalität gegenüber dem Leben und das meiste Wissen. Und diese ganzen
Wettbewerbe machen auch einsam. Denn es kann natürlich nur immer eine
Person das meiste Wissen oder die „beste“ Mentalität haben, wenn es so etwas
überhaupt gibt. Und es kapselt einen von Anderen ab, weil man sie immer mehr
entweder als Menschen sieht, die einem auf diesem Weg nicht helfen können, weil
sie da zu weit zurückstehen oder sogar als Rivalen. Und das entzweit, klar. Im
21. Jahrhundert wird das Individuum immer wichtiger und das ist auch gut so.
Aber es bringt eben neue Probleme und Fragen mit sich, auf die viele Leute
nicht vorbereitet sind. Vor allem in einer Welt, die so über-voll mit Menschen
ist, ist es anstrengend, die eigene Individualität zu erhalten, ohne von ihr
verschlungen zu werden. Denn es ist richtig, dass jeder Mensch wertvoll ist und
geachtet werden soll, Rechte verdient und nicht von den Wünschen Anderer unterdrückt
werden darf.
Aber
heute will ich einmal etwas provokant, vielleicht sogar polemisch, fragen, ob
der Individualismus an seine Grenzen stößt. Und ist das überhaupt der richtige
Ansatzpunkt? Kann und sollte man „weniger“ individualistisch werden? Und ist
der Individualismus überhaupt schuld an dieser ganzen Situation? Die
Gegenideologie, der Kollektivismus, erinnert oft an den Kommunismus. Ist das
vielleicht eine Lösung? Also, Teile des Kollektivismus natürlich nur. Inwiefern
tut dem Menschen der Individualismus gut und wo braucht es ein wenig
Kollektivismus?
Der
moralische Egoismus
Da
wir aber über Philosophie reden, wollen wir einmal kurz bei der Moral bleiben.
Vieles von dem, was wir tun und wie wir uns verhalten, kommt von da. Das ist
uns vielleicht nicht immer bewusst, aber unsere moralischen Regeln basieren
immer auf Werten, die wir tief in uns verankert haben. Deshalb ist es immer
wichtig, zu schauen, was denn der Gesellschaft momentan wichtig ist. Wenn wir
uns das Gesellschaftsbild anschauen, das ich gerade gezeichnet habe, führt uns
das zur Philosophin Ayn Rand und zu ihrem moralischen Egoismus.
Sie
sagt, dass es keinen logischen oder höheren Grund gibt, weshalb die
standardmäßigen moralischen Regeln richtig sein sollten. Wir sagen nur einfach,
dass sie es sind, weil wir sie uns ausgesucht haben. Oder zumindest die
Mehrheit. Aber die Mehrheit ist am Ende auch nur eine Ansammlung an Individuen:
Warum sollte ihr Leid oder Glück schwerer wiegen als das der Einzelperson? Und
je öfter wir uns diese berechtigten Fragen stellen, desto mehr verschwinden
diese Werte. Schwüre werden obsolet, das füreinander-Einstehen zu einem Witz.
In einer solchen Welt gibt es nur einen moralischen Hintergrund, der irgendwas
zählt: Das Leben selbst. Moral entsteht aus Zielen, die man verfolgt und das
ultimative Ziel aller Menschen ist das Überleben. Die Moral sollte also darin
bestehen, das zu tun, was einem beim Überleben hilft. Wenn wir uns im Kontrast
einen unsterblichen Roboter vorstellen, dann hat der wenig von einer Moral.
Denn er kann nichts gewinnen oder verlieren. Wenn man dieses ultimative Ziel
also nicht hat, dann ist auch alles Andere und die Moral selbst sinnlos. Ist
das nicht Beweis genug, dass die Moral nur daraus besteht? Auch merkt man das
daran, dass das Gute normalerweise mit Glück und Gesundheit verbunden war, das
Böse aber mit Leid und Schmerz.
Der
wahre Grund, weshalb wir überhaupt Werte haben, ist, um zu überleben. Der
Mensch ist ein vernunftbegabtes Wesen und kann nicht nur Gebrauch von
seinem Gehirn machen, sondern muss das auch. Wir brauchen Werte, um zu
kommunizieren, zusammenzuleben und Pläne zu machen. Damit ist das logische
Denken überaus wichtig. Und auch hier wieder: Das Moralische ist, was dem
Überleben des jeweiligen Individuums zuträglich ist. Wir alle können immer nur
mit unserem eigenen Kopf denken und den eigenen Augen sehen. Das bedeutet, dass
wirklich nur jede einzelne Person für das jeweils eigene Wohlergehen zuständig
ist und sein soll. Es gibt also auch keinen Grund, Anderen zu helfen, etwa
durch Spenden. Und wenn es das eigene Wohlergehen sogar noch gefährdet, wenn
auch nur leicht, sollte man davon absehen. Denn man hat eine Verantwortung
gegenüber sich selbst. Wenn man aber einen Grund dazu sucht, dann kann man ihn
zumindest darin finden, dass Gesellschaft Spaß macht. Solange man also den
anderen Menschen aus eigenem Nutzen hilft, ist da auch kein Problem dran.
Das
ist jetzt natürlich sehr ungewöhnlich zu hören, weil die meisten Ethiken
vertreten, dass man unbedingt anderen Menschen helfen soll, eben weil alle
Menschen wertvoll sind. Aber Ayn Rand sagt, dass diese Theorien alle dem Leben
abschwören und damit dem höchsten Wert. Es ist eine Ethik, die anti-Leben ist.
Das alles hängt jetzt natürlich nicht in direkter Weise mit dem überhöhten
Individualismus zusammen, aber hat viel damit zu tun. Indem Rand meint, es sei
moralisch gefordert, dass jeder Mensch sich nur um sein eigenes Wohl kümmere,
wird die Welt äußerst individualistisch. Das ist dann nämlich alles, was noch
zählt, während die Gesellschaft fast komplett de-moralisiert wird. Plötzlich
sollen wir einander nicht mehr helfen und uns gegenseitig berechnen. Der
individualistische Segen ist dann, dass man keine künstlichen Regeln mehr hätte
und wir unser bestes Leben leben, das größte Optimum erreichen könnten. Aber ab
dem Punkt muss man sich doch fragen: Wozu noch?
Das
Kollektiv
Wenn
man jetzt Karl Marx danach fragen würde, würde es ihn überhaupt nicht wundern,
dass ein solcher Text in diesem oder im letzten Jahrhundert von den USA
veröffentlicht wird. Der Kommunismus, von dem er und Friedrich Engels reden,
ist das Paradebeispiel für eine Ideologie des Kollektivismus. Im „Kapital“ geht
es sehr viel um Ökonomie und im kommunistischen Manifest vor allem um eine
politische Bewegung, aber, was man zwischen den Zeilen überall herauslesen
kann, ist, dass es um das Soziale geht. Klar, das sagt auch schon das Wort
„Sozialismus“, was nach Marx die Vorstufe zum Kommunismus sein sollte. Der
Punkt ist, dass Marx den Kapitalismus als eine Wirtschaftsform sieht, die uns
entzweit. Sie bringt alle Menschen gegeneinander auf, in einem ewigen Spiel um
Dominanz und Unterordnung. Das ist ganz klar schlecht für die
Gemeinschaftlichkeit. Die moralischen Werte, die Ayn Rand äußert – also,
natürlich hat er sie nie gekannt – sind im Grunde Versinnbildlichungen von dem,
was wir durch den Kapitalismus vorgelebt bekommen. Klar, es wirkt komisch, das
so direkt aufgedröselt zu bekommen, weil sich niemand gern egoistisch fühlt.
Aber ist es nicht so, dass es in unserer Kindheit immer darum geht, was wir
später arbeiten und wie viel Geld wir verdienen wollen? Haben wir nicht schon
seitdem eigentlich nur unser eigenes Ziel vor Augen, das weder Freunde noch
Familie involviert? Selbst, wenn man sagt, man würde später gerne eine Familie
„haben“, klingt das auch schon wieder so sehr nach Firmen-Sprech. Heute
paraphrasiere ich Marx schon sehr stark, das ist mir bewusst. Aber es muss klar
sein, dass die ganze Ideologie, die – zumindest angeblich – durch den
Kapitalismus genährt wird, das Eigentliche ist, gegen das der Kommunismus
vorgehen soll. Denn dadurch, dass wir so entzweit sind und nur nach dem Geld
schauen, ignorieren wir natürlich das Leid anderer Menschen. Kaum jemand von
uns hat jemals tausende von Euro in Spendengelder gesteckt und sich damit in
finanzielle Not gebracht. Kleine Spenden gibt es, aber auch nur so, dass es uns
finanziell dadurch an nichts fehlt. Es geht nicht um das Zusammenleben, sondern
die Befriedigung der eigenen, egoistischen Wünsche. Wie es Ayn Rand sagt. Und,
um das alles auf das Thema der Folge zu beziehen: Natürlich macht das einsam!
Wir sind in einer Gesellschaft großgeworden, in der es ja gerade darum geht,
einander gegenseitig auszubooten und nur immer sich selbst im Sinn zu haben.
Man kann natürlich trotzdem nach menschlichen Kontakten suchen und sie so
verstehen, dass sie ja auch eine gewisse Befriedigung darstellen. Aber diese
berechnende Haltung gegenüber Freunden und Familie ist ja gerade das Problem!
Und so wird sich auch Gesellschaft immer einsam anfühlen. Der Individualismus
kommt hier ins Spiel, weil der Kapitalismus das Individuum überhöht, sodass
scheinbar gar nichts mehr sonst eine Rolle spielt.
Und
was können wir dagegen tun? Nun, der Vorschlag von Marx und Engels wäre der
Kommunismus. Das ist jetzt in dieser Folge sehr schwer, noch komplett
aufzudröseln, und geht sonst wahrscheinlich auch am Punkt vorbei. Aber wichtig
ist, dass der Vorschlag beinhaltet, das Kollektiv, statt dem Individuum, in den
Mittelpunkt zu stellen. Menschen würden beginnen, in Gemeinschaften zu leben
und alles miteinander zu teilen. Somit wäre nie wieder jemand allein, so viel
wäre sicher. Und natürlich verschwindet auch der berechnende Faktor, weil man
gar nichts mehr davon hätte, die Mitmenschen auszunutzen. Ob durch staatliche
Regulierung oder auf natürliche Weise, wie Marx meint, würden die Menschen in
einer anderen Wirtschaftsform nicht mehr danach streben, für sich selbst die
größten Vorteile zu erreichen, sondern zusammenarbeiten. Niemand könnte reicher
werden als der Andere, also gäbe es gar keinen Grund mehr zur Rivalität. Und
das ist es eigentlich, was eint: Der Wegfall von internen Konflikten. Denn der
Mensch ist ja ein soziales Wesen, so viel wissen wir, und sonst würden wir uns
auch diese Frage nicht stellen.
Die
unmoralische Industrie
Ein
Jahrhundert später sehen wir diesen Gedanken durch Theodor Adorno und Max
Horkheimer weiterentwickelt. Denn sie meinen auch, dass die Einsamkeit des
Menschen, aber auch sein generelles Sein sehr stark mit kapitalistischen
Mechanismen zusammenhängt. Hieraus erwächst der Begriff der „Kulturindustrie“.
Die Kulturindustrie ist eine Dynamik, die sich in den modernen Gesellschaften
herausbildet. Ursprünglich war es immer so gewesen, dass der Mensch bestimmte
Waren gebraucht hat oder wollte, diese dann hergestellt und ihm verkauft
wurden. Aber das ist eine basale kapitalistische Dynamik, die nicht so
einträglich ist, wie sie sein könnte. Also sind viele Firmen dazu übergegangen,
die Interessen der Menschen durch Werbung und implizite Botschaften zu
manipulieren, um sie dazu zu bekommen, gewisse Dinge zu wollen. Wir
werden also im Sinne der Marktwirtschaft zu konsumierenden und zahlenden
Individuen verzerrt. Deshalb beklagen Adorno und Horkheimer auch, dass die
Künste und tatsächliche Kultur immer weiter aus dem Ruder laufen und zu
leichter und seichter Unterhaltung werden. Es wird der Menschheit ganz
unbemerkt von oben eine neue Art von Kultur aufgelegt, in der sich ganz
zufällig alles nur noch um Konsum dreht und derjenige besser ist, der mehr hat.
Da fallen euch sicher viele Beispiele aus dem Alltag ein. Und so wird man von
einem Subjekt zu einem Objekt auf dem Markt, das schon gar keine eigene
Mündigkeit mehr hat. Wir entscheiden schon längst nicht mehr, was wir wollen.
Allein das Phänomen der sogenannten „Massenmedien“ zeigt das. Es ist doch ein
Zufall, dass alle plötzlich genau dasselbe zu mögen scheinen, oder?
Um
diese Manipulation aber zu erreichen, müssen Firmen eine ganz persönliche
Bindung zu ihren Kund*innen aufbauen. Es kann einen niemand manipulieren, der
weit weg ist und keine Relevanz für das eigene Leben hat. Der erste Schritt
dabei ist, dass alle immer beteuern, dass ihnen das Wohl der Menschen am Herz
liegt. Das hört man aus fast jeder Werbung von Banken oder Versicherungen.
Meint ihr, dass das stimmt? Sie kennen euch ja gar nicht! Aber es ist natürlich
störend, wenn jemand so etwas sagt, weil Firmen es lieber haben, wenn man
darüber schweigt und die Dynamik ihren Lauf nehmen lässt. Denn die Aufklärung
ist in diesem Prozess sehr störend. Klar, wir haben ja schon immernoch alle
eine Schulbildung und können Dinge hinterfragen, wir befinden uns ja nicht in
einer Matrix. Aber denkt euch, dass eigentlich alle Firmen versprechen, dass
ihr durch deren Produkt in irgendeiner Weise unabhängiger von ihnen werdet: Ihr
habt es dann gekauft, könnt euer eigenes Ding damit machen und löst irgendein
Problem, das ihr habt. Aber in Realität seid ihr danach abhängiger von der
entsprechenden Firma als davor: Vielleicht müsst ihr euer Produkt reparieren
lassen, ihr kommt häufiger zu dem Laden zurück, weil ihr Vertrauen gefasst habt
oder ihr interessiert euch plötzlich für mehr, was die Marke produziert. Euer
Problem wird nur für kurze Zeit gelöst. Ein gutes Beispiel sind Smartphones:
Erstens gehen sie schnell kaputt und sind in der Regel nicht wirklich
reparierbar. Aber auch sollen sie eigentlich kommunikativer machen, die
Menschen verbinden. Aber die Dienste, die man dazu nutzt, versuchen mit aller
Macht, die Nutzer*innen festzuhalten. Das bedeutet, dass es für sie ziemlich
ungünstig wäre, wenn plötzlich alle aufhören würden, zu schreiben, und zueinander
fahren würden, um zu reden. Es ist also gar nicht das Ziel, den Menschen
Gemeinschaft zu geben, sondern, sie in dem Stand zu halten, miteinander zu
schreiben. Und der Mittelpunkt von dieser ganzen Industrie ist, ihr habt es
erraten, der Individualismus. Indem der Mensch allein und von seinen
Mitmenschen getrennt angesprochen wird, ist er verletzlicher und kann einfacher
ausgebeutet werden. Wenn niemand da ist, um einem zu sagen, dass man sich das
Unterschreiben eines Vertrages gut überlegen sollte, macht man es einfach.
Eigentlich ist es ironisch, dass es mittlerweile sogar die Möglichkeit gibt,
KI-Freunde zu haben, was im Grunde der Gipfel dieser ganzen Entwicklung ist.
Denn wisst ihr, wozu es eigentlich niemanden braucht und was auch kein Geld
kostet? Mit Freunden etwas zu unternehmen, sich gut zu unterhalten und mit dem
zufrieden zu sein, was man hat. Gut, ganz kostenlos sind Unternehmungen mit
Freunden auch nicht, aber ihr versteht, was ich meine. Es wird immer versucht
werden, diese tatsächlich vertraute und wichtige Person im Leben auszustechen
und durch eine Firmenbindung zu ersetzen. Also noch einmal: Natürlich sind wir
einsam! Das ist genauso gewollt.
Auch
betonen die Autoren, dass es sich bei der Kulturindustrie, auch wenn es sehr
stark so wirkt, um keinen Prozess handelt, der zentral von einer Person oder
Firma gelenkt wird. Ihr müsst bedenken, dass alle Teilnehmenden ja auch Teil
dieser Gesellschaft sind. Es werden also auch die Leute, die lenken, selbst
gelenkt. Wir reden hier also nicht über irgendeine Verschwörungstheorie. Der
Punkt ist nur, dass das die Art von Gesellschaft ist, die nach Horkheimer und
Adorno der Kapitalismus hervorbringt. Und wenn es darum geht, nicht mehr einsam
und allein zu sein, sollten wir uns wirklich überlegen, woran das liegt. So
viel kann ich verraten: Nicht daran, dass es eine entsprechende App noch nicht
gäbe.
Nun,
mittlerweile wissen wir, dass der Kommunismus zumindest einmal deutlich
schwieriger umzusetzen ist als gedacht. Man kann auch direkt sagen, dass
mehrere Staatsformen, die sich „sozialistisch“ genannt haben, gescheitert sind.
Aber das sind wirtschaftliche Geschichten, während wir uns heute nur für die
menschliche Ebene interessieren. Ist es also nicht vielleicht trotzdem gut
gewesen, dass die Menschen so „zusammengeschweißt“ worden sind? Ist der
Kollektivismus ein System, das ganz einfach Einsamkeit „löst“, auch wenn es
gewisse wirtschaftliche Probleme schafft? Und wenn das so wäre, wäre natürlich
die spannende Frage, was wir gewillt wären, zu opfern.
Individualismus
in der Gesellschaft
Der
Philosoph Lars Svendsen stellt auch fest, dass das Thema der Einsamkeit
momentan hoch im Kurs ist. Er ist aber gegen die häufig gestellte Diagnose,
dass das die Schuld des Individualismus wäre. Er meint, dass das nur ein
Narrativ der Sozialwissenschaft sei. Die Wahrheit ist aber, dass wir zuerst
einmal aufhören sollten, den Individualismus schlechtzureden. Wir sind alle
schon seit Jahrhunderten auf dem Weg, zu liberalen Individuen zu werden und
momentan auf einem neuen Hochpunkt angekommen. Man sieht das besonders daran,
dass es auf der Welt immer mehr Demokratien gibt. Klar, es gibt viel zu
kritisieren und es sind nicht alle gleich weit, aber wenn wir den aktuellen
Stand mit dem von vor mehreren Jahrhunderten vergleichen, sind wir schon sehr
viel weitergekommen. Ein liberales Individuum zeichnet sich dadurch aus, dass
es Rechte, Freiheit und eine Privatsphäre hat und darauf Wert legt. Vor allem
ist es eines, das Alternativen im Leben hat, wählen kann. Denn daraus
entwickeln sich dann Lebenswege und verschiedene Charaktere. Die
Selbstrealisierung setzt da ein, wo die Gesellschaft einen seinen eigenen Weg
finden lässt. Man wird größtenteils von Anderen nicht eingegrenzt und kann
seinen eigenen Lebenssinn verfolgen. Man ist trotzdem Teil der Gesellschaft und
sozialisiert, aber nach den eigenen Bedingungen. Der liberale Mensch ist
einzigartig, unabhängig und selbstbestimmt, wodurch sich der Charakter ergibt.
Aber
dadurch kommen wir natürlich immer mehr dazu, über uns selbst nachzudenken.
Klar, wenn man frei wählen kann, muss man sich auch gut überlegen, was man tun
will. Und niemand ist sicher vor den ständigen Selbstzweifeln, ob man den
richtigen Weg eingeschlagen hat. Man muss ja schließlich eine Identität
aufbauen, da gehört das dazu. Und völlig individualistisch ist man sowieso nie:
Keine Person baut sich komplett selbst, sondern es gibt immer Einflüsse von
außen. Die sind so stark, dass es sogar philosophische Positionen gibt, die
meinen, dass wir eigentlich nur aus äußeren Einflüssen bestehen und uns
die Entscheidungsfreiheit nur einbilden. Aber das ist ein anderes Thema. Man
ist ständig hin- und hergerissen: Der Mensch ist sozial und möchte dazugehören,
aber auch sein eigenes Ding machen. Das ist ein Widerstreit, den wir ständig
haben. Und irgendwie kommt man immer dabei heraus, dass man sich entweder von
seiner Gruppe entfernen muss oder seine Träume aufgeben: Eine unmögliche
Entscheidung. Oder man muss eben immer wieder hoffen, Leute zu finden, die
dasselbe wollen wie man selbst. Aber dann sind wir wieder zurück bei dem
Problem, Leute nur danach zu beurteilen, wie viel sie einem einbringen. Und das
führt uns wieder zurück zu unserer Einsamkeit.
Damit
schlagen wir den Bogen zurück: Genau deshalb heißt es immer öfter, dass
Menschen vereinsamen. An dieser Reflexivität haben wir einfach schwer zu
tragen. Aber nichts von dem, was ich euch jetzt erzählt habe, ist neu. Der
Mensch ist schon immer ein paradoxes Wesen gewesen, das schwer an der eigenen
Existenz zu tragen gehabt hat. Fragt nur Jean-Paul Sartre oder Friedrich
Nietzsche! Der Unterschied ist, dass früher ein Teil der Arbeit von der
Regierung übernommen wurde: Könige haben ihren Untertanen schnell sehr deutlich
gemacht, wer sie sein sollten und zu wem sie gehören. Aber es nicht so, als
hätte uns das glücklicher gemacht. Und Svendsen stellt außerdem fest, dass der
heutige Mensch eigentlich nicht spezifisch einsam ist. Inzwischen gibt es ja
sogar tausende Möglichkeiten mehr, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten.
Und Studien über die Einsamkeit sind sehr modern, da können wir wenige
Vergleiche darstellen. Die wenigen Ergebnisse, die es gibt, zeigen auch vor
allem eher eines: Eigentlich kann man es dem Menschen nie recht machen. Wir
verlangen alle ein unmöglich perfektes Verhältnis aus Freiheit und
Zugehörigkeit. Wir können beides haben, aber nicht in seinen Extremen. Und das
sollten wir auch gar nicht wollen – aber gut, wir kennen uns ja. Was die
liberale Zeit und der Individualismus geändert haben, ist die Weise, wie wir
die Welt anschauen. Jetzt, da wir fast vollständige Kontrolle über uns haben,
wollen wir genau dann Gesellschaft, wenn wir sie brauchen und dann allein sein,
wenn wir das müssen. Wir sind halt einfach ambitionierte Wesen. Aber den
Individualismus sollte man nie verteufeln, denn das ist, was wir sind. Und mit
einem Blick auf Ayn Rand muss man auch deutlich sagen, dass Individualismus
auch nicht dasselbe ist wie Egoismus. Wir sind, wer wir sind und eigentlich
sollten wir es begrüßen, dass jetzt Zeiten kommen, in denen wir uns für uns
selbst Gedanken machen können, wie wir am besten leben.
Die
Einsamkeit des Individuums
Die
Philosophin Barbara Schellhammer kommt zum selben Schluss wie Svendsen, aber
baut noch darauf auf: Wenn wir nicht wirklich einsamer sind als sonst und jetzt
alle Möglichkeiten nach mehr Gesellschaft haben, warum sind wir es dann noch?
Man könnte ja meinen, dass dieses Phänomen so langsam verschwinden würde. Das
Problem ist aber, dass wir dem gar nicht vollständig entkommen können: Die
Einsamkeit gehört nämlich zu unserem Sein. So, Freunde, jetzt kommen wir
nämlich zur philosophischen Bearbeitung dieses Problems. Einsamkeit ist nicht
einfach nur die Abwesenheit von Gesellschaft, denn das würde sich ja spätestens
dann lösen, wenn der Planet völlig überbevölkert wäre. Ihr kennt aber sicher
das Phänomen, dass man in einer Gruppe mit Leuten sitzt und sich sogar noch
einsamer fühlt, als wenn man alleine wäre. Das ist nicht einfach nur
dahingesagt, sondern ist ein logischer Vorgang. Es geht nämlich nicht darum,
wie viele Leute man trifft, sondern, wie selbstbezogen man ist und wie man auf
das Fremde reagiert. Also, nicht auf normative Weise: Es geht hier nicht darum,
ob man etwa rassistisch ist oder nicht, das ist ein anderes Thema.
Wenn
man die Einsamkeit bezwingen will, braucht man andere Menschen dafür. Aber sie
müssen nicht einfach anwesend sein, sondern man muss sich auf sie einlassen.
Ist man selbstbezogen und schaut nur nach innen, schafft man es nicht. Man muss
sich auf das Andere einlassen und sich damit konfrontieren. Das bedeutet, das
Externe weder zu absorbieren, um so wie es zu werden, noch, es zu versuchen, zu
bändigen, damit es so wird wie man selbst. Denn stellt euch vor: Wenn alle eure
Freunde so sind, wie ihr, dann seid ihr ja im Grunde auch nur wieder in deren
Gesellschaft mit euch allein. Und das passiert entweder, wenn ihr alle nötigt,
so zu sein, wie ihr, oder, wenn ihr so versucht, zu sein, wie sie. Das heißt
jetzt nicht, dass man nicht Gemeinsamkeiten haben könnte: Aber das Andere ist
einfach das Andere. Bei jeder Begegnung entsteht ein gewisser Spannungsraum
zwischen zwei oder mehr Personen, die sich zeigen, aber auch die andere Person
kennenlernen wollen, ohne, dass sich jemand ändern müsste. Wenn ihr euch das
einmal überlegt, ist es eigentlich recht komplex. Denn alle stellen sich
natürlich besonders gut dar und trotzdem muss man sich selbst erhalten, ohne
aber abweisend zu werden. Um es kurz zu sagen: Auf Leute zuzugehen und
Freundschaften führen, ist deutlich schwieriger, als viele Menschen denken. Wie
tief kann eine Freundschaft gehen, ohne zu viel zu sein? Wie oberflächlich darf
sie sein, um trotzdem noch als eine solche zu gelten?
Und
wir sind in dieser ganzen Angelegenheit ohnehin mit einem großen Handycap
ausgestattet, da wir alles immer nur aus unserer eigenen Perspektive sehen
können. Wir wissen nicht, was die Anderen denken, was sie wollen und ob sie uns
mögen. Es gibt keine Garantie, man muss ihnen einfach glauben. Und auch da muss
man aber schauen, dass man weder zu misstrauisch, noch zu gutgläubig ist: Man
ist nicht am ersten Tag direkt der*die beste Freund*in von einer Person. Und
selbst, wenn wir das alles richtig machen, sind wir am Ende trotzdem allein.
Wie gesagt, uns bleibt nur unser eigener Kopf und unsere Augen. Der
Individualismus erzeugt das Problem nicht, aber er macht es deutlicher: Wir
sind alle einzelne Menschen. Wenn man „allein sein“ sehr streng definiert, sind
wir immer allein, weil niemand Anderes in unseren Gedanken ist. Gut, außer wir
reden über psychische Erkrankungen, aber auch das würde nicht wirklich zählen.
Deshalb sagt man ja auch immer, dass man nicht zu viel grübeln sollte. Wenn man
Menschen kennenlernen will, muss man an einen Ort gehen: Der kann heutzutage
entweder draußen oder im Internet sein. Aber man muss nicht nur hingehen und
den Spannungsbereich betreten, sondern auch eine Persönlichkeit haben, die man
präsentieren kann. Man muss nicht schon alles erlebt haben, klar, aber es muss
ja eine Grundlage geben. Und das eröffnet eine zweite Ebene der Einsamkeit: Wer
Gesellschaft will, muss auch in der Lage sein, mit sich selbst alleine
zu sein. Das bedeutet, sich zu kennen und akzeptieren. Wie das wiederum
geht, würde eine andere Folge erfordern. Aber idealerweise sucht man
Gesellschaft aus Lust und Neugier auf, aber nicht, um der Einsamkeit zu
entkommen. Klar, das ist eine etwas harte Anforderung. Aber sonst läuft man nur
wieder Gefahr, mit anderen Menschen allein zu sein. Auch könnte es sein, dass
man süchtig nach Anerkennung und der Meinung von Anderen wird. Aber damit
entfremdet man sich nur selbst, weil die wichtigste Meinung über sich selbst
natürlich die eigene ist. Denn der kann man ohnehin nicht entkommen, sondern
trägt sie immer bei sich. Um es also etwas drastisch auszudrücken: Man muss mit
sich selbst leben können, um mit Anderen zu leben.
Aber
auch dieses Allein-Sein sollte man nicht fetischisieren. Es gibt keine Person,
die wirklich niemanden brauchen würde und keine*r ist wirklich gern einsam.
Denn einsam zu sein, ist nicht dasselbe, wie allein zu sein. Alleine zu sein
und es zu können, kann einen sehr motivieren, es ist ein Zeichen der Autonomie
und Souveränität, es macht einen einzigartig und für den Augenblick
unergründbar. Aber ihr könnt euch sicher denken, dass das auf Dauer nicht
funktioniert. Man tut gut daran, eine Mikrodosis von beidem zu nehmen und es
dynamisch zu halten. Alleine sein, um die Eindrücke einmal sacken zu lassen und
sich zu orientieren und Gesellschaft, um sich inspirieren zu lassen. Unter
anderem. Das ist eben das Wesen des Menschen: Wir werden immer zwischen Gesellschaft
und Einsamkeit, Passivität und Aktivität, Orientierung und Reflexion sein.
Überblick
So,
fassen wir einmal zusammen. Das Thema unserer Folge ist, ob uns der
Individualismus einsam macht. Das klingt zwar erst sehr plakativ, aber wenn man
sich anschaut, wie viele Trends zur Selbstverwirklichung und Selbstperfektion
es gibt und wie oft es um die Loslösung von Freunden und Familie geht, die
einem im Weg stehen, bekommt man diesen Eindruck. Es geht momentan wirklich
sehr viel um das Individuum und Dinge wie Kompromisse oder Einfügung in eine
Gesellschaft werden immer mehr als Unterdrückung angesehen. Macht so ein Denken
nicht einsam?
Dann
haben wir mit Ayn Rand gesehen, dass die moderne Philosophie sich sogar auch
schon dieser Denkweise anpasst: In ihrer Verteidigung des Egoismus meint sie,
es wäre schlecht, anderen Menschen zu helfen oder sich für sie zu opfern, weil
es das Ich verrät. Alle sind aber vor allem für sich selbst verantwortlich und
sollten ihr Leben nur so einordnen, wie es ihnen am meisten etwas bringt. Das
klingt auch nicht, als würde daraus gesellschaftlicher Zusammenhalt entstehen.
Aber
das tut er auch nicht, meint Karl Marx. Der Kapitalismus verhindert, dass man
an Andere denkt, weil man nur immer nach dem großen Geld und dem eigenen
Vorteil her ist. Der Kollektivismus sieht dagegen vor, dass der Mensch vor
allem in der Gemeinschaft mit Anderen aufgeht. Und um das zu erreichen, muss
man eben einige wirtschaftliche Stellschrauben umstellen: Denn ohne Geldgier
wäre das gar kein Problem.
Max
Horkheimer und Theodor Adorno setzen noch darauf, dass das Individualistische
durch die Kulturindustrie durchaus gewollt ist. Heißt: Firmen haben einen
Vorteil davon, uns zu entzweien und auszuschlachten, weil wir dann immer mehr
glauben, dass wir für unser Glück Geld bezahlen müssen. Dass ein Nachmittag mit
den Freunden nichts kostet, bleibt dabei ungesagt. Das ist zwar jetzt auch kein
zentral gesteuerter Prozess, aber eine Dynamik des Kapitalismus, die man
hinterfragen sollte.
Aber
hier ist dann Lars Svendsen eingeschritten und hat stark infrage gestellt, dass
wir wirklich alle inzwischen einsamer sein sollen als früher. Denn eigentlich
ist das gar nicht bewiesen, wir haben nur einfach mittlerweile das Recht und
die Zeit, uns darüber Gedanken zu machen. Eigentlich hatte der Mensch noch nie
mehr Gesellschaft wie jetzt: Denn es gibt ja die ganzen technischen
Möglichkeiten. Man muss sie nur richtig nutzen. Deshalb jetzt aber den
Individualismus, eine der größten menschlichen Errungenschaften,
herunterzumachen, ist ziemlich empörend.
Dem
pflichtet Barbara Schellhammer bei und fügt hinzu, dass die Einsamkeit nicht an
unseren Lebensumständen hängt, sondern an uns. Das menschliche Sein ist eines,
das dafür anfällig ist, einsam zu sein. Das liegt daran, dass wir schonmal nur
unsere eigenen Gedanken denken können und im Kopf immer allein sind. Und auch
wenn wir andere Menschen treffen, ist es anstrengend, sich auch mit denen nicht
allein zu fühlen. Wenn man sich von ihnen überrollen lässt und selbst nichts
mehr gilt, fühlt man sich fremd, wenn man sie zu sehr von der eigenen Art
beeinflusst, ist es wieder, als wäre man allein. Letzten Endes muss man einfach
gewillt sein, diesen Spannungsbogen zu betreten, in dem man die Balance
zwischen Beidem hält und die andere Person als anders akzeptiert. Und das war
schon immer schwierig, weil es an einer ganz komplizierten Konstruktion aus
Zugehörigkeit, Einsamkeit, Souveränität und Persönlichkeit hängt, die jeder
Mensch in sich trägt.
Konklusion
Was machen wir dann also jetzt damit? Ich denke, wir können Barabara Schellhammer ganz gut beipflichten. Lasst euch nicht entmutigen! Klar, Horkheimer, Adorno und Marx haben jetzt auch nicht unrecht: Es gibt sehr viele Firmen, die ein Interesse daran haben, dass wir allein sind und nur einfach ihr Zeug kaufen, anstatt so zufrieden zu sein. Aber das ist eben so oder braucht zumindest andere Lösungen. Die menschliche Einsamkeit ist aber ein Problem, vor dem alle stehen, ob individualistisch oder kollektivistisch veranlagt. Wir dürfen nicht unsere liberale Gesellschaft in einen Fluch verwandeln: Hier können wir zum ersten Mal wir selbst sein – das ist doch gut! Niemand hat gesagt, dass es einfach wäre, Mensch zu sein, aber jetzt können wir einmal damit anfangen. Deshalb traut euch gern, andere Leute anzusprechen, es ist deutlich mehr Interesse dafür da, als ihr denkt. Irgendjemand muss eben den Anfang machen, sich zu trauen, eine neue Person kennenzulernen. Aber es lohnt sich! Und dann könnt ihr vielleicht darauf achten, ob ihr gerade das Gefühl habt, dass ihr euch zu sehr zurückzieht oder zu sehr aufbauscht. Vorsicht in beiden Fällen – so fühlt man sich schnell allein. Traut euch, eine andere Person reden zu lassen und zu hören, was sie so zu erzählen hat. Aber dann scheut auch nicht zurück, ihr zu sagen, was ihr denkt. Und wenn ihr das macht, dann habt ihr schon einen bedeutenden Schritt getan, an dem die Menschen schon seit ihrer Entstehung arbeiten.
So,
und das war´s mit der Folge. Vielen Dank fürs Lesen!
Dann
vielen Dank und noch einen schönen Tag!
Quellen:
,,The Virtue of Selfishness. A new concept of egoism" - Ayn Rand
,,Das Kapital" - Karl Marx
,,Résumé ,,Dialektik der Aufklärung"" - Max Horkheimer, Theodor Adorno
,,Philosophie der Einsamkeit" - Lars Svendsen
,,Eine phänomenologische Annäherung an die Erfahrung der Einsamkeit" - Barbara Schellhammer
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