#64 Was ist Geld?
Zusammenfassung
Was ist Geld? Das ist eine Frage, die oft eine eher negative Konnotation hat. Generell wird das Thema des Geldes oft als Tabuthema oder zumindest sehr speziell behandelt. Das liegt wahrscheinlich daran, dass große Teile des Diskurses über Geld im Kontext des Geldsystems stattfinden. Man denke an die vielen Seminare, die einem vermeintlich helfen sollen, schnell reich zu werden. „Philosophie des Geldes“ klingt an sich schon eher nach einem Ratgeber, der einem sagt, dass reich werden etwas mit der Persönlichkeit zu tun hat. Wir fragen uns aber nicht, was man mit Geld machen soll, sondern, was es eigentlich ist. Ganz grundsätzlich. Denn ihr werdet merken, viele der Fehler oder Schwierigkeiten im Umgang mit Geld, auch als Staat, kommen daher, dass man nicht richtig einordnet, was es eigentlich ist.
Hallo zusammen und
herzlich willkommen zurück zu einer weiteren Folge von „Philosophie für
zwischendurch“!
Einleitung
Heute möchte ich mit euch
über Geld reden. Was eine Begrüßung im neuen Jahr, oder? Normalerweise hat man
da irgendwelche Finanzleute vor Augen, die einem etwas verkaufen wollen. Wie
schafft man es, über Geld zu reden, ohne, dass dieser Diskurs direkt im Geld-system
stattfindet? Denn wenn man nur über Geld redet, um welches zu verdienen,
verliert diese Diskussion irgendwie ihren Zweck. Vielleicht ist das hier
dann ein guter Ort, an diesem kostenlosen Podcast. Überhaupt will ich mit euch
etwas anders über Geld reden, als das viele andere Leute vielleicht tun. Die
Frage heute ist nämlich: „Was ist Geld?“ und nicht, was man damit machen kann.
Das ist ein großer Unterschied. Wie die genauen Mechanismen funktionieren,
können euch dann die Wirtschaftswissenschaftler*innen erzählen. Aber ich glaube,
dass man erst einmal ein Gefühl dafür entwickeln muss, womit wir es hier
eigentlich zu tun haben. Es ist eigentlich krass, wenn man es sich einmal
vorstellt: Wir alle wissen kaum, wie die globalen Finanzen wirklich funktionieren
und brauchen Expert*innen, damit sie das für uns einschätzen. Aber selbst sie
können bei gewissen Themen nur Theorien oder Prognosen geben. Ist das nicht
verrückt? Geld ist doch eigentlich ein Gegenstand von Menschenhand. Und so
komplex dürfte es gar nicht sein: Wir benutzen es eben zum Tauschen. Und dann
ist es noch nicht einmal so abstrakt, sondern oft einfach in Form von Papier
oder Metall. Gut, wobei Vieles jetzt eher digital stattfindet. Und so ergeben
sich Fragen und Probleme. Zum Beispiel können wir vor allem am Geld ablesen,
wer arm und wer reich ist. Und auf der Oberfläche scheint es so zu sein, dass
diejenigen, die reich sind, es einfach nur sind, weil sie eben mehr Geld haben.
Dementsprechend war der Ausgangspunkt vieler Revolutionen, das Geld
gleichmäßiger zu verteilen. Wenn man davon ausgeht, ist das eigentlich ein
logischer Gedankengang: Wer würde nicht lieber wollen, dass alle Menschen
wohlhabend sind? Leider waren viele dieser Vorhaben nur von wenig Erfolg
gekrönt. Denn hier gehen wir den nächsten Schritt: Nicht nur ist der
Geldverkehr für die Einzelperson unübersichtlich und unverständlich geworden,
auch ist er nicht unter Kontrolle zu bringen. Ohne, dass ich jetzt politische
oder wirtschaftliche Statements setzen will. Aber im Allgemeinen hat es selten
funktioniert wie gedacht, wenn man den Geldstrom in eine ganz bestimmte
Richtung lenken wollte.
Das alles verleitet mich
dazu, zwei Sachen zu denken. Erstens: Wir müssen darüber reden, was Geld
eigentlich ist. Erinnert euch an Sokrates: Man kann nur urteilen, ob etwas gut
ist und wie damit verfahren werden muss, wenn man genau weiß, was es eigentlich
ist. Dementsprechend würde ich da gern mir selbst und euch einen Denkanstoß
geben. Zweitens: Ich denke, dass Geld mehr als einfach nur ein Werkzeug ist.
Ein Werkzeug ist etwas ganz Simples. Ein Hammer ist dafür da, Nägel in die Wand
zu hauen. Wenn es also viele Nägel gibt, braucht man viele Hammer. Aber wenn
Geld zu Reichtum führt, hilft es dann den Menschen, wenn es mehr Geld gibt?
Nun, wie viele Nationen - unter anderem diese hier - schon erfahren haben:
Nein. Die Leute werden alle gleichsam arm, wenn es zu viel Geld gibt. Es steckt
also mehr dahinter. Und dann denke ich, sollten wir uns mit der Frage
auseinandersetzen, ob Geld überhaupt etwas ist, was wir brauchen. Und wofür.
Also, wir haben viel vor heute, wie ihr merkt.
Geld als Symbol für
Tätigkeit
Wir fangen einmal sehr
grundlegend an. Als der Mensch sich von den restlichen Tieren abspaltete, fing
er an, mehr zu bedürfen, als ihm die Natur bereitstellen konnte. Er hat
irgendwann angefangen, sie immer mehr umzuformen, damit sie ihm genügt. Alle
Werkzeuge, die wir kennen, sind genau dazu da und kommen natürlich von
Menschenhand. Wir wollen inzwischen nicht mehr nur mehr, als die Natur hat,
sondern auch Dinge, die es dort gar nicht mehr gibt. Wir haben angefangen, mehr
Früchte zu wollen, als an den Bäumen wuchsen. Also pflanzten wir mehr Bäume,
ernteten sie regelmäßig ab und bewahrten alles auf. Inzwischen ist die
menschliche Gesellschaft aber so weit gekommen, dass wir an mehr und mehr
abstrakten Dingen Freude empfinden. Einem Film, zum Beispiel. Etwas, wo nicht
einmal mehr die Teile, woraus es besteht, aus der Natur kommen, sondern
ihrerseits bereits verarbeitet worden sind. Und ganz abstrakt natürlich die
Wissenschaft, wie auf diesem Podcast. Oder etwas einfacher: Gekochtes Essen.
Fleisch können wir mittlerweile nicht mehr roh essen, oder zumindest wird davon
abgeraten. Natürlich gebratenes Fleisch gibt es aber gerade mal, wenn einmal
ein Tier von einem Blitz getroffen wird oder so. Das ist also die notwendige
Bedingung unserer Ökonomie. Aber noch nicht hinreichend: Es gehört noch ein
anderer Faktor dazu.
Der zentrale Begriff nach
Schönheyder ist „Tätigkeit“. Sie ist es, die unsere kulturellen und künstlichen
Bedürfnisse erfüllt. Menschliche Tätigkeit ist planhaftes und strukturiertes
Verhalten, das auf die ewige Bedürfnisbefriedigung ausgerichtet ist. Und auch
sie ist mittlerweile weit mehr als einfach nur ein Mittel zum Zweck. Tätigkeit
ist für viele Menschen ein Selbstzweck. Denn wie viele von uns definieren sich
darüber, was sie machen? In einem Gespräch ist es das erste, was man erwähnt
und jeder Lebenstraum hat irgendwie damit zu tun. Denkt daran, dass „Tätigkeit“
nicht dasselbe wie „Job“ ist. Niemand träumt davon, nichts zu machen, denn seit
jenem Tage ist die Tätigkeit mit dem Menschen verschmolzen. Man könnte was
sagen: Wir sind unsere Tätigkeit. Und der Beruf ist natürlich sehr stark
verwandt damit: Viele Menschen haben einen Traumjob, den sie einmal machen
wollen. Das muss nicht der sein, der viel Geld einbringt, zu dem wir auch
gleich kommen. Aber es gibt eine Tätigkeit, die man in seinem Leben ausführen
will und die einen erfüllt. Muss nichtmal ein Beruf sein. Wir haben also unsere
ganze Kultur durch die Tätigkeit aufgebaut und uns von der Natur abgegrenzt.
Dabei sind wir so stark tätig geworden, dass wir die Tätigkeit in unsere Kultur
eingewoben haben.
Und deshalb ist das auch
wichtig für die Ökonomie. Schönheyder sagt, dass sich alle immer so sehr auf
das Produkt konzentrieren, den Verkauf oder Importe und Exporte. Aber
eigentlich ist das alles Tätigkeit. Alles von der Extraktion eines Rohstoffs
über seine Verwertung, der Produktion, des Exports, der Konsumption und Wiederverwertung
oder Entsorgung ist im Grunde dasselbe. Der Philosoph will hier nicht sagen,
dass es kompletter Unsinn wäre, dazwischen zu unterscheiden. Für viele
ökonomische Theorien ist das sehr wichtig. Aber wenn man sich die Frage stellt,
was Geld bedeutet, bringt das nichts. Es soll nicht die Illusion entstehen,
dass zwischen Produktion und Konsumption ein essentieller Unterschied bestehen
würde. Beides sind Prozesse menschlicher Handlung, die der
Bedürfnisbefriedigung entgegenarbeiten. Bei dem einen baut man etwas auf, um es
beim anderen dann in seinen Lebenskreislauf zu integrieren. Aber beides bringt
einen nicht ans Ziel: Die Produktion ist dafür da, zu konsumieren und der
Konsum geschieht in Relation dazu, was danach noch produziert werden muss. Es
ist nicht so, als würde man nach einer Mahlzeit nie mehr essen und genauso
wenig denkt man, dass man nur einmal ernten müsste. Die menschliche Tätigkeit
umfasst also alles und fügt sich innerhalb der Gesellschaft im Grunde zu einer
großen zusammen. Und das ist Wirtschaft. Wenn wir über Ökonomie reden, geht es
eigentlich darum und nicht um Geld.
Aber wie kommt dann das
Geld ins Spiel? Überlegt euch: Wir haben jetzt lang und breit darüber geredet, dass
menschliche Tätigkeit nicht natürlich ist. Sie kommt ja gerade aus der
Abspaltung des Menschen von der Natur. Geld ist jetzt quasi noch eine
Abstraktion weiter: Es wurde als Produkt einer Tätigkeit geschaffen. Und es ist
nicht einmal etwas, was dann zur Bedürfnisbefriedigung verwendet wird, sondern soll
die Tätigkeit beschreiben, ihr eine Zahl geben. Deswegen ist Geld auch so
komplex und schwer einzufangen. Es ist extrem abstrakt. Es hat keinen Wert an
sich, sondern ist nur ein Symbol. Auf eurem Geldschein könnte im Grunde auch
stehen: „Eine Stunde Arbeit auf einer Baustelle“ oder „Fünf in den Ofen
geschobene Teige“. All euer Geld ist also im Grunde dokumentierte Tätigkeit,
die ihr eintauschen könnt, um andere Tätigkeit in Anspruch zu nehmen.
Aber auf wie viel
Tätigkeit basiert der Geldschatz eines Landes tatsächlich? Wird mehr Tätigkeit
entlohnt, als geschehen ist? Und wie kann es sein, dass nicht mehr Reichtum
herrscht, wenn Maschinen einen guten Teil der Tätigkeit dem Menschen abnehmen
können? Das sind alles Fragen, die sich dann stellen. Und Schönheyder weiß
nicht auf alle davon eine Antwort, aber er mahnt uns zur Vorsicht. Wann immer
wir mit Wirtschaft zu tun haben, sollen wir unseren Blick nicht zu sehr auf dem
Geld haben, denn das ist nur ein Abstraktionswert. Das ist wie, als ob man ein
Foto von einem Foto machen würde: Das Ergebnis wird immer unschärfer. Das
eigentliche Motiv des Geldes war die Tätigkeit. Deshalb kann man auch nicht
einfach willkürlich Geld nach links und rechts schicken, zumindest nicht
einfach so. Denn es ist an sich wertlos und repräsentiert nur etwas. Wenn man
aber auf einmal lauter Symbole von Tätigkeit verteilt, wo bisher gar keine
geherrscht hat, kollabiert das System. Zu etwaigen Ideen der vorsichtigen
Verteilung von Geld äußert sich der Philosoph nicht. Die Theorie ist auch nicht
dazu da, auszusagen, dass nur die Leute Geld haben sollten, die auch arbeiten.
Aber sie soll uns darauf hinweisen, dass Geld nicht einfach ein
Wohlstandsmittel ist, das wir hinstecken können, wo wir wollen. Denn am Ende
ist es nicht sehr viel mehr als einfach nur: Papier.
Die Festlegung von
Preisen
Und an dieser Stelle
verfolgt Marcel Henaff den Gedanken ein Stück weiter: Wie legt man denn fest,
wie viel eine Tätigkeit wert ist? Eigentlich ist es merkwürdig, das Qualitative
zu quantifizieren. Das ist so, als würde man festlegen, welche Zahl der Farbe
„grün“ entspricht. Immerhin kann man sagen, dass mehr von einer qualitativen
Sache einen höheren Preis haben sollte als weniger. Zwei Äpfel kosten mehr als
einer. Aber ansonsten spiegelt ein Preis nie den tatsächlichen Wert einer Sache
wider, denn der ist subjektiv. Es gibt ja auch Preise für Arbeitskraft, was
sogar noch schwerer zu bestimmen ist. Wie viel ist eine Stunde Arbeit wert? Und
welche Arbeit ist wie viel wert? Wenn ein Preis gestiegen ist, was bedeutet das
dann für den Wert der Ware? Ist etwas plötzlich wertvoller geworden? Manchmal
ist das so. Aber natürlich wissen wir, dass Preise nach Angebot und Nachfrage
geregelt werden. Wert bedeutet also, dass etwas von sehr vielen Menschen
gewollt wird und in Relation dazu aber seltener da ist. Wenn etwas viel wert
ist, ist es also schwierig zu bekommen und sehr beliebt. Immerhin ist das eine
Annäherung.
Dennoch bleibt Bepreisung
künstlich. Besonders stark sieht man das beim Einsatz des sogenannten
„zeremoniellen“ Geldes, wie es Henaff nennt. Zeremonielles Geld ist im
Unterschied zum Handelsgeld eines, wo der genaue Gegenwert nicht so sehr im
Fokus steht. Zum Beispiel schenkt man jemandem vielleicht einen Gutschein zum
Geburtstag, aber für wie viel Geld? Eigentlich ist jede Festlegung komisch,
weil sie zugleich irgendwie bestimmt, wie viel einem die Person wert ist. Oder
wenn man tauscht: Helfen beim Garten gegen Helfen beim Putzen. Ist das ein
fairer Tausch? Vielleicht ist die Arbeit im Garten mühsamer oder es gibt mehr
zu putzen. Wie viel gibt man seinem Kind für gute Noten? Falls das etwas ist, das
man mit Geld belohnen will. Die Anstrengung, die ein Kind auf sich genommen
hat, die Stunden, die besucht wurden und vielleicht sogar die Nachhilfe, die in
Anspruch genommen wurde, um in Mathe eine eins zu bekommen, wie viel ist das
wert? Klarerweise geht es in diesen Fällen um kein Äquivalent an Wert. Es geht
darum, Beziehungen aufzubauen und darum, dass jede Seite das bekommt, womit sie
zufrieden ist. Die Grenze zwischen Handelsgeld und zeremoniellem Geld ist aber fließend.
Bei fast jedem Handel fließt ein bisschen an Persönlichkeit ein, selten bezahlt
man einen exakten Gegenwert dessen, was man bekommt. So kauft man vielleicht im
Biomarkt, weil man die Atmosphäre mag und aus ökologischen Gründen. Ist die
Atmosphäre des Marktes und der Schutz der Umwelt nun für jedes Lebensmittel
ungefähr um 3€ mehr wert? So genau lässt sich das gar nicht rechnen. Oder
schauen wir zum Restaurant: Die Speisen kosten mehr, weil sie für einen gekocht
werden und es eine schöne Atmosphäre gibt. Wie viel ist das alles monetär
gesehen wert? Man weiß es eigentlich nicht. Aber irgendeinen Preis gibt es, der
beide Seiten zufrieden macht und angenommen wird.
Wirtschaft müsste viel
mehr von diesem Standpunkt gedacht werden: Nicht, wie viel ist etwas wert,
sondern, was wollen beide Seiten? Mit welcher Tätigkeit soll die, die mir
zuteilgeworden ist, entlohnt werden? Klar ist das Einzige, was wirklich so viel
wert wie eine Mauer ist, noch eine Mauer. Aber der Maurer, der am Nachmittag da
war, braucht selbst keine Mauer. Mathematisch gibt es nun keine Antwort darauf,
welche Zahl dem Bauen einer Mauer entspricht. Was man tun kann, ist, es mit
anderen Tätigkeiten zu vergleichen und sagen, dass diese und jene Arbeit
ähnlich anstrengend sei. Aber auch das interessiert den Maurer wenig: Er will
eine Belohnung, nicht Anstrengung anderer Leute. Und wenn er eine gute Mauer
baut, ist auch da egal, wie mühsam das war. Und so ist Geld das Mittel, um
Tätigkeiten miteinander in Beziehung zu setzen. Es geht nicht so sehr darum,
ihren Wert abzubilden, sondern eher, sie vergleichbar zu machen. Nicht, weil
man das nachrechnen könnte, sondern weil man nach einem Weg sucht, dass alle
auf eine solche Weise tauschen können, dass sie damit zufrieden sind. Deshalb
sind Preise immer künstlich, denn sie richten sich nicht wirklich nach dem Wert
des Produkts. Es geht darum, was welche tätige Person brauchen könnte. Ein
Maurer sollte sich Essen, Trinken und ein Dach über dem Kopf leisten können.
Also muss seine Leistung in einer solchen Weise entlohnt werden, dass das
möglich ist. Geld ist damit ein Mittel, Beziehungen zwischen Menschen
aufzubauen. Sie können nur so in einen Handel treten und darauf eine
Gesellschaft aufbauen.
Der Wert von Geld
Jetzt haben wir gesehen,
warum der Preis von Dingen künstlich ist und vielleicht immer mal wieder
schwankt. Diese Tendenz, instabil und unübersichtlich zu sein, hat Geld schon
lange. Es ist so schwierig zu durchblicken, dass das Vertrauen in den Wert des
Geldes selbst Teil des Systems ist. Hier kommen die Banken ins Spiel. Die
frühen kapitalistischen Banken haben Geld nicht einfach aufbewahrt, sondern
darauf gesetzt, dass ihnen die Menschen ihres dalassen, damit sie damit handeln
und es eventuell sogar vermehren können. Früh hat man auch den Sinn von Zinsen
und Krediten erkannt. Geld, das geliehen wurde und von dem dann an einem
späteren Zeitpunkt mehr zurückkam. Das war sinnvoll, wenn man sich zum Beispiel
ein Haus kaufen wollte, aber nicht das ganze Geld auf einmal zahlen konnte.
Aber hier wird es wirklich verworren: Es wird ganz viel Geld auf einmal
gegeben, von dem dann geregelt wird, dass es langsam wieder zurückkommt, aber
in größeren Mengen. Wenn wir das in Schönheyders Worten sagen, wird hier so
getan, als sei bereits viel mehr Tätigkeit geschehen, als der Fall ist, damit
mehr davon geschehen kann und dann wieder zurückfließt. Kein Wunder, dass da
viele Menschen auf Dauer den Überblick verloren haben.
Gleich zweimal kam es in
den letzten hundert Jahren zu einer großen Krise, 1929 und 2008. Wie genau,
dröseln wir hier nicht auseinander, aber es hat sehr viel damit zu tun, dass
Geld als Wert an sich verkannt wurde. Und dann wurde zu wenig daran geglaubt. Das
ist nämlich eine andere Ebene des Geldes: Geld hat einen Wert, aber nur,
solange man daran glaubt. Denn an sich ist es nur Papier. Es bildet eine
Tätigkeit ab, aber wie wir ja gelernt haben, nicht in linearer Form. Es ist
kein Schein für eine gebaute Mauer, sondern einer mit einer Zahl. Und so gab es
in der Geschichte oft Banken, die dachten, dass dieser Wert immer weiter
steigerbar wäre, bis dann irgendwann einmal jemand überprüft hat, ob das alles
gedeckt wäre. Oder welche, die einfach nur pleite gegangen sind, weil die
Menschen ihren Glauben an sie verloren haben. Eine Bank nimmt Geld von
Menschen, verwahrt es und treibt Handel damit. Das System lebt davon, dass
immer etwas Geld zur Verfügung ist, damit es eine Person bekommen kann, wenn
sie es abheben will, aber auch genug, um es in Investitionen zu stecken. Oder
in andere Menschen, die wiederum Kredite aufnehmen. Also: Wenn A 1000€
einzahlt, B und C auch, dann liegen auf der Bank 3000€. Wenn jetzt eine Person
kommt und einen Kredit für 2500€ verlangt, den er durch gewisse Zinsen so
abbezahlt, dass in einem Jahr 6000€ auf der Bank wären, ist das ein guter Deal.
Aber das funktioniert natürlich nur, wenn A, B und C innerhalb des einen Jahres
nicht all ihr Geld gleichzeitig abheben. Nun kann es aber sein, dass Gerüchte
sich verbreiten. So geschah es bei Banken, von denen es hieß, dass sie
zahlungsunfähig wären, auch wenn das nicht stimmen muss. Jetzt rennt also
jemand in der Stadt herum und erzählt, A, B und C, dass gerade fast ihr ganzes
Geld weg ist und bei wem anders. Natürlich bekommen die Drei Panik und wollen
sich alles zurückholen. Und ungefähr so funktioniert es, wenn man den Glauben
in den Wert des Geldes verliert.
Andersherum kann es auch
sein, dass die Bank A, B und C erzählt, sie wären in einem Jahr um jeweils
1000€ reicher und müssten nur ihr Geld auf der Bank lassen. Aber was ist, wenn
der Kredit nicht zurückkommt, weil die entsprechende Person ihr Geld verspielt
hat? Nun, dann kann man neue Kredite vergeben, um das zu refinanzieren. Und A,
B und C sagt man, sie müssten nur ein weiteres Jahr warten und wären dann sogar
noch reicher als vorher. Und dann verwickelt man am besten die Krediterhaltende
Person in einen ähnlichen Kreislauf. Irgendwann wetten alle auf Geld, das gar
nicht da ist und träumen von Reichtum, den es gar nicht gibt. Nun, sehr simpel
gesagt.
Aber ihr versteht, was
ich sagen will: Geld ist irgendwie ein illusorisches Ding. Es gibt keine realen
Preise, keinen realen Wert und es braucht ein Vertrauen, damit es funktioniert.
Es bildet Tätigkeit in einer Proportion ab, die alle Menschen inzwischen aus
den Augen verloren haben. Es geht nicht um Gegenwert, sondern um ein
Verhältnis, mit dem alle zufrieden sind. Und das macht es sehr instabil und auf
der anderen Seite aber auch wieder stabil, weil es sich irgendwie nach den
Menschen richtet. Ich denke, wir brauchen einen weiteren Philosophen, um in
diese Sache mehr Licht zu bringen. Es sind jetzt mehr Fragen da als vorher,
habe ich das Gefühl.
Gerechtigkeitsgeld
Das, was wir bisher
gesagt haben, ist natürlich keineswegs falsch: Geld ist eine Darstellung von
Tätigkeit, ist daher merkwürdig bepreist, richtet sich nicht nach dem eigentlichen
Wert der Dinge und es ist auch in seinem eigenen Wert nicht konstant. Geld ist
deshalb ein so instabiles und abstraktes Ding, weil der Mensch instabil und
abstrakt ist. Aristoteles bezeichnet Geld in seiner Nikomachischen Ethik als
Mittel, das in einer menschlichen Gesellschaft für Gerechtigkeit sorgen soll.
Wir haben hier also gleich zwei wesentliche Merkmale, die neu sind. Beziehungsweise
fällt es für Aristoteles zusammen. Was Schönheyder am Anfang nicht gesagt hat,
ist, dass Geld ein gesellschaftliches Phänomen ist. Klar, es bildet Tätigkeit
ab. Aber man muss keine Tätigkeit abbilden, wenn man allein ist. Es gibt keinen
Handel allein und damit auch kein Geld. Selbst Reichtum: Was genau macht Leute
mit einer Million Euro so reich? Eigentlich nur, dass viele andere Menschen nur
einige tausend, hundert oder noch weniger haben. Aber für sich alleine gibt es
keinen Reichtum. Deshalb sind monetärer Reichtum und Armut mehr relativ als sie
absolut sind. Und deshalb ist der Geldverkehr oft auch so unübersichtlich.
Klar, die Philosophie hat Jahrhunderte darauf verwendet, den Menschen irgendwie
zu verstehen und ist immernoch nicht fertig. Das Geld steht mit dem, wer wir
sind, so sehr in Zusammenhang, dass das dann nicht auf einmal einfach sein
kann.
Geld hängt auch mit der
Gerechtigkeit zusammen, weil jede Gesellschaft ein Konzept von Gerechtigkeit
braucht, um zu funktionieren. Für Aristoteles sind das die Gesetze. Er redet
aber eher von idealen Regeln, nicht den aktuellen des alten Griechenlands zu
seiner Zeit. Der Punkt ist, dass es eine gewisse Weise gibt, gerecht zu
handeln. Darüber haben wir einmal in der Folge über das Glück geredet, das ist
Aristoteles´ Mesoteslehre. Die Lehre der Mitte, nach der man bei allen
Eigenschaften eine Balance treffen muss. Nicht feige oder übermutig soll man
sein, sondern mutig. Wir überspringen das aber an der Stelle ein bisschen, weil
es Aristoteles hier nicht um die Theorie geht. Gerechtigkeit, sagt er, muss zu
einem menschlichen Habitus werden: Sie muss praktiziert werden. Es ist schön,
wenn man die ganzen Theorien versteht, aber nur, wer regelmäßig nach den
Maßstäben der Gerechtigkeit handelt, integriert das auch richtig. Und wer
Gerechtigkeit liebt, der liebt auch Gleichheit. Grundsätzlich wollen wir, dass
alle Menschen glücklich sind und betrachten sie unter diesem Parameter als
gleich. Das hat Aristoteles fairerweise nicht mit allen Menschen getan,
aber es passt eher in seine Theorie, wenn wir es tun. Jedenfalls ist die
Ungerechtigkeit daher oft ungleich. In extremen Fällen haben einige Wenige sehr
viel und alle Anderen sehr wenig. Nun ist aber nicht alle Ungleichheit
ungerecht. Von Natur aus gibt es bestimmte Menschen, die ein größeres Bedürfnis
nach bestimmten Dingen haben. Einige sind hungriger als Andere. Dann ist es
aber auch gerecht, den Hungrigen mehr zu essen zu geben, auch wenn man sie
damit ungleich mit den Anderen behandelt. Gerechtigkeit drückt sich in der
Proportionalität aus.
Und hier kommt das Geld
ins Spiel. Es ist manchmal schwierig, eine genaue Proportionalität
festzustellen. Wie viel genau soll diese Person bekommen und wovon?
Dementsprechend gibt es das Geld als allgemeines Tauschmittel, das mit Zahlen
festgelegt werden kann. Ja, Bepreisung ist in absoluten Begriffen schwer
vorzunehmen: Wo würde man anfangen? Aber eine proportionale Bepreisung ist
weniger schwer. Wenn ein Apfel einen Euro kostet, kosten zwei Äpfel zwei. Und
wenn es ohnehin nicht um den inneren Wert der Dinge geht, ist das auch kein
Problem. So können wir also genau ausrechnen, wie viel einer Person zusteht
oder eine andere braucht. Man muss nicht die Zahl kennen, aber wenn wir uns
einen Preis für Essen und ein Zuhause überlegen, ist es genau diese Menge an
Geld, die die Person braucht. Geld ist kein Wundermittel, sondern das Werkzeug,
mit dem wir Gerechtigkeit praktizieren. Und auch hier sollen natürlich nicht
alle einfach dieselbe Menge bekommen, sondern je nach Notwendigkeit einen
gewissen Anteil.
Das ist deutlich
intuitiver, als man denken könnte. Die Gerechtigkeitsfunktion von Geld zeigt
sich in jedem Handel: Ein Tausch kommt nur dann zustande, wenn beide Parteien
der Meinung sind, dass er gerecht ist. Sonst wäre es Betrug oder Raub. Klar
mögen einem Preise im Supermarkt teuer vorkommen, aber man ist noch immer
bereit, dafür einen entsprechenden Preis zu zahlen. Geht es jedoch in die
Richtung, dass man eigentlich nicht will, aber keine Wahl hat, verfehlt das
Geld immer mehr seine Gerechtigkeitsfunktion.
Deswegen sagt Aristoteles
auch, dass Geld ein Funktionssystem der Gesellschaft ist, die sie zusammenhält
und für Ordnung sorgt. Es ist dafür da, gehandelt zu werden. Eigentlich ist in
diesem Kontext sogar der Begriff von „Besitz“ von Geld ironisch, weil Geld ein
gesellschaftliches Gut ist. Es ist ein zur Verfügung gestelltes Mittel wie das
freie W-LAN in der Bibliothek. Es hilft einem, Gerechtigkeit auszuüben, aber
man ist nicht auf einmal gerechter, wenn man alles davon angehäuft hat. Denkt
an Partys, wo ihr einen Euro Pfand für ein Getränk zahlt und dafür so eine
Plastikmarke bekommt. Diese Dinger sind dafür da, zu regeln, dass alle ihre
Becher wieder zurückgeben, damit sie bei der nächsten Party wieder
herausgegeben werden können. Niemand fände es besonders intuitiv, hier von
einem „Besitz“ an Pfandmarken zu sprechen, den man vermehren muss. Klar, sie
sind alle einen Euro wert. Aber niemand geht herum und tauscht allen Menschen
ihre Pfandmarken ab, um dann selbst alle zu haben und nie herzugeben. Dafür sind
sie nicht da, versteht ihr? Es ist ein gesellschaftliches Gut. Jetzt könnte man
sagen, dass Geld einem gehört, weil man dafür gearbeitet hat. Das ist nicht
unlogisch, zu denken. Aber denkt einmal genauer darüber nach: Geld ist auch ein
Symbol der Arbeit Anderer. Und auch die haben es ja nicht von irgendwo her.
Jedes Geld, das man bei sich hat, wurde einem einmal von einer anderen Person
gegeben. Was soll es also eigentlich genau heißen, „selbst“ Geld verdient zu
haben? Als Chef einer Firma hat man es, weil viele Menschen gearbeitet haben,
um dieser Firma Profit einzubringen. Und selbst, wenn man außerhalb der Firma
denkt, gibt es staatliche Infrastruktur, Busse, die einen zur Arbeit gefahren
haben oder Supermärkte, die einen ernährt haben. Und dann haben die Eltern
einen großgezogen und einem dabei 100% von dem Geld, das man damals zur
Verfügung hatte, gegeben. Wenn man also ganz gerecht sein wollen würde, müsste
man das Geld genau nach dem Grad aufteilen, den jede Person zur Anhäufung
dieses Reichtums beigetragen hat. Nur, dass man das bei Aristoteles eben nicht
tun würde, weil das Ziel ein Stand allgemeiner Zufriedenheit ist. Gerechtigkeit
ist keine Distribution nach Mühe und Anstrengung, denn das sind keine moralisch
relevanten Faktoren. Gerecht ist es, den Bedürftigen zu geben. Ich würde
Aristoteles nicht nachsagen, hier sozialistisch zu argumentieren. Auch wenn man
ihn sicher so lesen kann, aber das verengt nur den Sinn dieses Textes. Er hilft
uns, zu verstehen, was Geld ist: Ein gesellschaftliches Mittel, das für
Gerechtigkeit sorgen soll. Denn Tausch ist dafür da, beide Seiten glücklich zu
machen. Das ist die rein logische Form davon. Logisch ist es auch, dass einige
Menschen mehr brauchen als Andere. Geld ist ein gerechtes Tausch- und
Kommunikationsmittel, das genau diese Fälle betrachten soll. Aber ob die
Gesellschaft dann auch gerecht ist, hängt aber nicht vom Geld ab, sondern von
ihr. Deshalb haben wir wieder dasselbe wie bei der Tätigkeit: Nicht das Geld
anschauen, sondern dessen Hintergrund. Kein Foto vom Foto machen, sondern
selbst zum Motiv reisen.
Endstand
Fassen wir einmal
zusammen, was wir jetzt gehört haben. Die Frage dieser Folge ist weiterhin, was
Geld eigentlich ist. Nicht, wie es funktioniert, nicht, wie man es bewerten
soll, sondern, was es ist. Denn nur dann kann man irgendeinen weiteren Gedanken
dazu spinnen.
Von Schönheyder kam
hierzu eine relativ wesentliche Definition: Geld an sich ist eigentlich gar
nichts. Der grundlegende Pfeiler, der die Ökonomie bestimmt, ist menschliche
Tätigkeit. Vor diesem Hintergrund verschwinden auch Begriffe wie „Produkt“ oder
„Verbrauch“, weil alles am Ende auf dasselbe hinausläuft. Menschen versuchen,
sich die Natur durch Tätigkeit zu Eigen zu machen und sind damit so weit, dass
die Tätigkeit selbst ihnen schon einen Sinn zum Leben gibt. Sie gehört
mittlerweile fest zu unserem Sein. Geld brauchen wir aber trotzdem, weil wir
irgendwie abbilden wollen, wer wieviel geleistet hat.
Ich bin sicher, dass ihr
diese Theorie schon einmal in der ein oder anderen Form gehört habt. Und es
klingt auch plausibel, aber wenn man genauer hinschaut, noch etwas unfertig.
Denn wie soll diese Abbildung von Tätigkeit eigentlich aussehen? Henaff macht
uns darauf aufmerksam, dass man eigentlich für nichts auf der Welt einen
adäquaten Preis festlegen kann. Man muss ja immer qualitative Werte
quantifizieren. Wenn man sagt, dass ein Preis darstellt, wie viel etwas wert
ist, dann kann man auf gar kein Ergebnis kommen. Es wäre, als müsste man in
Zahlen darstellen, wie gut Brote sind. Und nicht in Skalen, sondern einfach
unter allen Zahlen, die es auf der Welt so gibt. Selbstverständlich geht das
nicht. Und dann kommt noch dazu, dass Geld inzwischen in traditionelle
gesellschaftliche Bereiche wie Geburtstagsgeschenke gelangt ist. Wie bemisst
man den monetären Gegenwert, wie viel einem eine Person wert ist? Unmöglich.
Wonach man sich eigentlich orientiert, ist, was man im Leben braucht. Jeder
Mensch will glücklich sein, das ist doch etwas. Dementsprechend muss der Preis
irgendwie danach gehen, dass jede Person für die Tätigkeit, die sie ausführt,
genug bekommt, um glücklich zu sein. Deshalb sind Preise auch so instabil und
verändern sich ständig. Sie stellen eben nicht einen festen Wert dar.
Und dann haben wir mit
Kenawi etwas über die Geschichte des Geldes geredet. Es wurde deutlich, dass
Geld nicht nur schwankende Preise macht, sondern nicht einmal einen stabilen
Wert hat. Genauer gesagt, eigentlich sogar gar keinen: Der Wert des Geldes kommt
von den Menschen, die daran glauben und ihm damit einen geben. Das wurde vor
allem in der Geschichte der frühen Banken offenbar. Als sie Geld nicht mehr
einfach aufbewahrten, sondern damit Handel betrieben: Es ausliehen und
tauschten. Ist euch einmal aufgefallen, dass jede Bankwerbung mit Vertrauen zu
tun hat? Das ist die neue Währung. Das Geld ist nur solange da, wie man daran
glaubt. Es gab schon viele Banken, die zahlungsunfähig geworden sind, weil man
dachte, sie hätten kein Geld. Dann haben alle versucht, ihres zu retten und das
Geschäft dadurch erst zerstört. Oder denken wir an Fälle, wo Kredite mit Zinsen
gegeben wurden, die nie zurückgezahlt wurden. Hier dachte man auch, dass man
Millionen mit ein paar Dokumenten machen würde, aber das alles ist am Ende nur
Papier.
An dieser Stelle wurden
wir also etwas dabei belassen, dass Geld irgendwie nur Papier ist, das keinen
inhärenten Wert hat und Tätigkeit nicht direkt abbildet, aber trotzdem so
wichtig für uns ist. Und da kommt Aristoteles und klärt uns auf. Er sagt, dass
Geld erst einmal primär ein Phänomen von Gesellschaften ist. Niemand ist an und
für sich selbst reich. Außerdem hat Geld viel mit Gerechtigkeit zu tun. Jede
Gesellschaft braucht gewisse Regeln, um funktionieren zu können. Ebenso braucht
es die für den Geldverkehr. Diese Regeln bestehen in dem, was die Menschen für
gerecht befinden: Denn ein Tausch funktioniert nur dann, wenn beide Seiten
übereinstimmen, dass er gerecht ist. Dementsprechend ist Geld das
gesellschaftliche Mittel der Gerechtigkeit. Gerechtigkeit sucht außerdem nach
der Gleichheit, indem sie ungleich handelt. Menschen sind nicht alle gleich
oder haben denselben Hintergrund. Deshalb muss Geld proportional angewandt
werden. Wer einen Bedarf nach mehr hat, bekommt mehr. Dementsprechend ist Gerechtigkeit
auch manchmal ungleich. Aber das ist nicht so schlimm, denn Geld wird nicht im
Sinne des Besitzes gedacht. Niemandem „gehört“ wirklich sein Geld, sondern es
wurde zur Verfügung gestellt. Und niemand hat alleine sein Geld gesammelt,
sondern hatte von allen Seiten Hilfe. Entweder, wir wenden also den strengen
Gerechtigkeitsbegriff des Verdienens an und verteilen das Geld am Ende so, wie
alle zu dessen Ansammeln beigetragen haben. Oder wir sehen ein, dass wir hier
eigentlich nur ein Mittel haben, das allen das beschaffen soll, was sie zu
einem guten Leben brauchen.
Konklusion
Was ist also Geld? Ich
denke, man kann sagen, dass Geld eine Art des Ausdrucks von uns Menschen ist.
Deshalb ist es so unstet, so wandelbar und unüberschaubar: Wir sind es auch.
Wenn wir uns besser verstehen würden, würden wir wahrscheinlich auch Geld besser
verstehen. Aber selbst wenn wir nicht alles über uns wissen, wissen wir einige
Dinge: Wir sind Wesen, die sich eines Tages von der Natur in der Hoffnung
abgewandt haben, für uns selbst etwas Besseres zu bauen. Wir wollen in einer
Gesellschaft leben, die nach gerechten Maßstäben vorgeht und diesen Standard
auch für uns selbst haben. Wir wollen die Möglichkeit haben, gut zu leben.
Dementsprechend liegt es ganz in unserer Hand. Nicht durch gezielte
Kontrollmaßnahmen, nicht in einer zentralen Verteilung von Geld. Oder
vielleicht auch doch, aber in diese Richtung möchte ich mich in dieser Folge
gar nicht so sehr äußern. Viel simpler. Durch gerechte Handlungen. Geld ist ein
Mittel der Gerechtigkeit, wie Aristoteles sagt. Wenn wir uns also richtig
verhalten, an unserem Habitus der Gerechtigkeit arbeiten und uns als Teil einer
Gesellschaft und nicht gierige Individuen sehen, dann passiert das ganz
automatisch. Das Geld muss gar nicht so sehr gesteuert werden, denn wir alle sind
das Geld. Und ich denke, das wird oft vergessen, wenn im Diskurs über Finanzen
gesprochen wird, als wären sie etwas, das uns kontrolliert oder irgendwie über
uns steht. Und da wir das Geld schon sind, sollten wir uns eigentlich gar nicht
so sehr auf dessen Besitz konzentrieren. Klar, um damit tauschen zu können.
Aber eigentlich sind wir bei Gesprächen über die Millionen der Weirdo, der auf
der Party die ganzen Pfandmarken klaut. Wir wollen doch eigentlich einfach ein
Dach über dem Kopf und Essen auf dem Tisch. Kein Papier. Aber wenn wir das
wollen, können wir das ruhig sein. Am Ende hat es der Mensch selbst in der
Hand.
So, das war´s für diese
Folge. Das war eine spannende Recherche! Ich muss zugeben, dass ich über das
Thema selbst noch einmal etwas länger nachdenken muss. Es ist wirklich sehr
abstrakt, damit hätte ich gar nicht gerechnet! W
Also,
das war alles! Einen schönen Tag euch noch!
Quellen
,,Die Tätigkeit als Grundbegriff der Ökonomie" - K. Schönheyder
,,Der Preis der Wahrheit. Gabe, Geld und Philosophie" - Marcel Henaff
,,Die Geschichte des Geldes" - Samirah Kenawi
,,Die Nikomachische Ethik" - Aristoteles
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