#48 Bushido: Was bedeutet Krieg?
Zusammenfassung
Kennt ihr den uralten Ehrenkodex der Samurai, den Bushido? Darin sind über die Jahrhunderte viele wichtige Werte wie Mut, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Selbstkontrolle überliefert worden. Historisch war das für Japan sehr wichtig, weil die Samurai als übermächtige und reiche Kriegerklasse irgendwie im Zaum gehalten werden mussten. Aber ist der Kodex wirklich so weise, wie er wirkt? Es ist auch viel von Kriegen die Rede und wie man sich in ihnen verhalten soll. Sind aber nicht Kriege an sich schon falsch? Was genau bedeutet es, gegen eine andere Seite zu kämpfen? Und kann man in einem ungerechten Rahmen selbst trotzdem gerecht sein? Hallo zusammen und herzlich willkommen zurück zu einer weiteren Folge von ,,Philosophie für zwischendurch"!
Einleitung
Ja liebe Freunde, da bin
ich wieder! Tut mir leid, dass es mit dieser Folge wieder so lange gedauert
hat, obwohl ich ja wieder etwas mehr produzieren wollte. Irgendwie nimmt einen
der Alltag doch mehr ein, als man denkt – und ich war auch leider eine Zeit
lang krank. Aber dafür dachte ich mir, dass ich einmal einen Folgenwunsch aus
der Community aufgreife. Ihr könnt mir gern schreiben, wenn ihr euch bestimmte
Folgen wünscht und ich schaue, was ich tun kann – die Folge zu den Drogen kam
auch aus euren Reihen. Ich kann nie versprechen, dass ich die Vorschläge auch
tatsächlich umsetze, manchmal habe ich irgendwelche anderen Projekte, das Thema
gibt nicht genug her oder ich habe so etwas Ähnliches schon gemacht, aber ich
behalte jedenfalls alle eure Ideen im Hinterkopf! Und jetzt ist es soweit,
diesen hier umzusetzen: „Bushido: Was bedeutet Krieg?“
Ok, was hat es mit dieser
Fragestellung auf sich? Wie ihr vielleicht wisst, habe ich doch schon einmal
eine Folge zum Krieg gemacht! Aber hier geht es nicht mehr um gerechte und
ungerechte Kriege, sondern darum, das Konzept eine:r Soldat:in zu verstehen.
Wie ihr vielleicht wisst: „Bushido“ ist ein Ehrenkodex für Krieger, der in
Japan eine sehr lange Tradition hat. Es handelt sich dabei um gewisse
Verhaltensregeln, die festlegen, dass man tapfer, loyal und respektvoll zu sein
hat. In dem Kontext bezog sich das natürlich nur auf die Krieger aus Japan, die
Samurai, aber die europäische „Ritterlichkeit“ ist tatsächlich ein sehr
ähnliches Konzept. Bushido ist aber deutlich mehr, als einfach nur ein
Regelbuch: Es ist ein kompletter Lebensstil! Es steckt auch schon im Namen,
denn der heißt übersetzt: „Weg des Kriegers“.
Loyal und höflich sein, schön und gut, aber irgendwie hat so ein Regelwerk oder
Lebensstil auf der anderen Seite schon auch etwas Zynisches, oder? Denn wir
alle wissen, dass Kriege oder Töten falsch sind. Klar, in der Folge 27 haben
wir ein paar Ausnahmen und gerechte Kriege besprochen, aber an sich ist Gewalt
natürlich abzulehnen. Wenn aber das Töten und Kriege so falsch sind, wie kann
man dann als Soldat:in selbst gut sein? Oder, sich zumindest auf eine ganz
besondere moralische Stufe stellen. Das sind die Fragen, die uns diese Folge
beschäftigen: Was heißt es eigentlich, dem Weg des Kriegers zu folgen? Und was
bedeutet es eigentlich, Krieg zu führen? Ganz abgesehen von der moralischen
Bewertung, die wir in der Folge 27 vorgenommen haben.
Bushido
Wie schon gesagt, ist
Bushido ein Verhaltenskodex für die Samurai. Er wurde schon immer mündlich
weitergetragen und ist daher nur selten aufgeschrieben. Gut, heutzutage gibt es
wahrscheinlich schon viele Bücher darüber, aber die betrachten das dann eher von
außen, wie diese Folge. Der Fakt, dass nie etwas zentral aufgeschrieben wurde,
hat dafür gesorgt, dass sich dieser Kodex sehr schnell entwickelt und immer
wieder an die Zeiten angepasst hat. Es ist schwierig zu sagen, wie alt er genau
ist, aber wahrscheinlich so sehr wie die Samurai selbst.
Das führt uns zu der
nächsten Frage: Wer sind eigentlich diese Samurai? Ungefähr seit der Feudalzeit
in Japan, wobei mich da die Geschichtswissenschaftler:innen gerne korrigieren
können, gab es eine Kriegerklasse in Japan, die sich „Samurai“ nannte. Sie wurden
von klein auf für den Kampf ausgebildet und waren für keinen anderen Beruf
zugelassen. Jetzt, wo ich so über sie rede, erinnern sie mich glatt an Platons
Wächter aus der Politeia – könnt ihr gern in Folge 17 nachschauen. Jedenfalls
waren sie nicht nur stärker als alle anderen Bewohner:innen Japans, sondern
wurden auch sehr geehrt und hatten meistens recht viel Geld durch ihre Herren.
Sie waren damit immer im Auftrag mächtiger Herrscher unterwegs und mit starker
Rüstung ausgestattet und damit für die normale Bevölkerung quasi unantastbar.
Wie ihr euch sicher vorstellen könnt, ist es nicht ganz ideal, solche mächtigen
Menschen die ganze Zeit im Land herumlaufen zu haben, die tun und lassen
können, was sie wollen. Dazu war Japan noch von extrem vielen Kriegen
durchzogen und ständig rannten gewaltbereite Samurai durch Dörfer und Städte.
Es hat Bushido schon seit
dem Beginn der Samurai unbedingt gebraucht, da sie sonst sicher ihre Macht missbraucht
hätten. Haben sie sicher auch so. Aber besonders in Zeiten des Friedens musste
irgendein Mittel her, diese wilden Krieger zu bändigen. Wie genau kann Bushido
helfen? Ich denke, ich kann euch am besten erklären, worum es da genau geht,
wenn ich euch von den philosophischen Inspirationen erzähle.
Wie ihr euch
wahrscheinlich vorstellen könnt, ist eine sehr große Quelle der Buddhismus.
Über den habe ich in Folge 25 schon ein paar Sachen gesagt, aber ich fasse
einmal zusammen, was für diese Folge relevant ist. Der Buddhismus ist eine
Religion ohne Gott und folgt Buddha, der vor vielen Jahrhunderten gelebt haben
soll und als Sohn einer reichen Familie erst spät gelernt hat, wie viel Leid es
auf der Welt gibt. Eines Tages beschloss er, zu meditieren, um herauszufinden,
was man dagegen tun könne. Und eine seiner Erkenntnisse war, dass wir uns
weniger an weltliche Dinge binden sollen und aufhören müssen, uns immer neue
Dinge zu wünschen, die uns sowieso nicht auf Dauer glücklich machen. Als
Buddhist:in sollte man im Einklang mit seiner Umwelt zufrieden leben und eine
Art innere Ruhe finden. Denn nach dem Tod erwartet einen, wenn man nicht mehr
durch Wünsche oder Begehren an diese Welt gebunden ist, das Nirwana. Ansonsten
wird man nur immer in einem anderen Körper wiedergeboren und muss den Kreislauf
noch einmal durchlaufen. Das eigentlich Wichtige ist deshalb auch nicht der
Körper, sondern die Seele und alles, was auf der Welt passiert, soll einen
nicht allzu sehr betreffen. Das einzige, was wirklich relevant ist, ist eben
der innere Frieden. So, in einer sehr verkürzten Fassung.
Was zieht Bushido daraus? Nun, zunächst einmal den Drang zum inneren Frieden
und die Akzeptanz äußerer Umstände. Ich habe es auch in der entsprechenden
Folge schon gesagt: Der Buddhismus hat interessanterweise recht starke
Ähnlichkeiten mit dem Stoizismus, den ich in Folge 39 vorstelle. Für die
Samurai ist es natürlich eine willkommene Weltsicht, dass die ganzen Kriege und
das Leid nicht alles im Leben sind. Ebenso die Idee, dass der eigene Körper
nicht für immer bestehen muss, sondern es nur um die Seele geht. Deshalb
vermittelt Bushido auch das Gefühl, dass Kriege im Grunde zum Leben dazugehören
und ebenso wie der Tod nicht vermeidbar sind. Es geht nicht darum, zu
versuchen, Dinge der Außenwelt zu verhindern, sondern man soll selbst innerlich
im Reinen mit sich sein und es dann durchstehen. Es ist auch nicht die Aufgabe
der Samurai, Kriege ethisch zu beurteilen, sondern es geht nur um sie selbst:
Was sie konkret tun und tun wollen. Auf der anderen Seite soll ein solcher
Krieger natürlich auch nicht gerne kämpfen und Menschen töten oder komplett
emotionslos sein. Es braucht eine friedliche Gelassenheit gegenüber jedem Glück
und Übel, das „Zen“. Und das soll vor allem durch Meditation erreicht werden.
Man muss zugeben, dass
der Buddhismus sich hier etwas zurechtgelegt wird: Es ist natürlich schon so,
dass die Seele am Ende zählt und man den weltlichen Geschehnissen nicht zu viel
Bedeutung einräumen sollte. Aber das heißt auch nicht, dass es egal oder
unvermeidbar wäre, dass Menschen sterben, vor allem durch den Krieg. Der
Buddhismus ist in seinem Kern ja auch eigentlich eine pazifistische Religion.
Deshalb ist der Buddhismus aber auch nicht die einzige Quelle des Bushido: Was
noch dazukommt, ist der sogenannte „Shintoismus“ oder einfach „Shinto“. Das ist
eine Denkrichtung, die ganz auf den Menschen zentriert ist und ihm etwas
Göttliches zuschreibt. Jeder Mensch, so heißt es, wäre in seinem Kern gut und
würde Respekt verdienen. Deshalb ist es besonders wichtig, loyal zu sein und
höflich, wie wir schon besprochen haben. Das Shinto ist aber auch eine sehr
konservative Ausrichtung, da vor allem ältere Menschen geehrt werden sollen:
Sie waren ja auch von den Lebenden bisher am „längsten“ Menschen, wenn man so will.
Das heißt also, dass traditionelle Werte und die Art, „wie es immer schon
gemacht wurde“, essentiell ist. Der Shintoismus ist im Grunde eine Religion
ohne Gott, wie der Buddhismus, verehrt aber jeden einzelnen Menschen. Man kann
den antiken Japaner:innen wahrscheinlich unterstellen, dass sie das eher nur
auf ihre Landsleute bezogen haben, aber das ist der Grundgedanke. Die Liebe zu
Japan gehört übrigens auch dazu: Denn man soll die Menschen lieben, damit die
Gemeinschaft und damit: Das Vaterland
Es gibt aber noch eine
dritte Quelle: Den Konfuzianismus, und auch zu dem hab ich schon einmal etwas
gesagt: Folge 34. Der Einfluss des Konfuzius bestärkt vor allem die Bedeutung
der Höflichkeit und des einfachen Lebens. Alle haben sich auf eine gewisse Weise
zu verhalten und einen bestimmten Platz in der Gesellschaft. Es soll vor
Älteren immer Respekt erwiesen werden, vor allem in Verhältnissen wie zwischen
Vater und Sohn, Lehrer und Schüler, Herrscher und Krieger.
Und damit haben wir
unsere drei Quellen: Buddhismus, Shintoismus und Konfuzianismus. Von da kommt
eine ganz einzigartige Kombination an Eigenschaften und Wertvorstellungen der
Samurai, die sich seit der Feudalzeit bis zu ihrem Niedergang nie besonders geändert
hat. Der Buddhismus lehrt, stoisch zu sein, der Außenwelt nicht zu viel
Bedeutung zuzumessen, nichts Materielles zu begehren und sich ganz auf das
Innere zu konzentrieren. Der Shintoismus predigt die Achtung vor dem Menschen
und den Respekt vor jedem lebenden Wesen. Und in Konfuzius steckt die Wurzel
des Konservativen, des Bildes der Gesellschaft, in der alle ihren Platz und
Aufgabe haben und die Einhaltung der Etikette.
Doch, könnte man sich jetzt fragen, was bedeutet das konkret? Was waren
Eigenschaften, die so ein Samurai jetzt tatsächlich hatte? Da gibt es
tatsächlich einen mehr oder weniger konkreten Katalog, den man anführen könnte.
An erster Stelle steht die Gerechtigkeit. Und diesen Punkt muss man gleich auch
relativieren, denn die Samurai waren da zwar sehr streng, aber nicht so, wie
wir es uns als Philosoph:innen vorstellen. Denn Krieger sind natürlich nicht
zum Philosophieren da: Es war nicht die Idee, wie Sokrates zu überlegen, was
die Essenz der Gerechtigkeit ist und dementsprechend alle Handlungen
zuzuordnen. Wenn ein Herrscher einen Befehl gab, hatte man ihn in aller Regel
direkt auszuführen. Aber trotzdem sollte man nicht einfach blind allen Befehlen
folgen. Im Bushido geht es sehr viel um Perfektion und das richtige Maß: Man
soll genau dann angreifen, wenn es richtig ist und sich genau zur richtigen
Zeit zurückhalten. Das klingt jetzt sehr trivial, der Sinn ist aber der Folgende:
Wenn einem der Herrscher befiehlt, eine Stadt bis zu seinem Tod zu verteidigen
und man erkennt, dass dieser Befehl gerecht ist, ist es nicht angebracht,
weiter zu zweifeln oder zögern. Wenn man sterben soll, ist das zu tun. Auf der
anderen Seite soll man aber auch keinen Wagemut entwickeln und sich in jeden
Kampf stürzen und Gelegenheiten abpassen, den Heldentod zu spielen. Alles muss
irgendwie in einer Balance sein. Ich habe in diesem Podcast ein paarmal die
Lehre der Mitte, die „Mesoteslehre“ des Aristoteles erwähnt: Da ist es im
Grunde genauso. Von jeder Eigenschaft gibt es eine exzessive und eine zu gering
ausgeprägte Variante – und die Wahrheit liegt am Ende immer in der Mitte. Moralische
Regeln dürfen nicht ignoriert werden, nur weil es vielleicht gerade günstig ist
und man muss immer selbst die Verantwortung für alle eigenen Taten tragen. Man
soll sich nicht später rechtfertigen, dass der Herrscher einem dies oder jenes
aufgetragen hätte, das wäre ungerecht und feige. Gerechtigkeit bedeutet, selbst
zu wissen, was man tut, wozu es gut ist und dann nicht zu zögern.
Auch wichtig ist der Mut, der sehr stark mit der Gerechtigkeit zusammenhängt.
Wir haben bereits besprochen, dass es nach Bushido sehr gut sein kann, dass es
in einer bestimmten Situation gerecht und richtig wäre, zu kämpfen oder
sterben. Der Mut besteht darin, dass dann auch wirklich zu tun und nicht
zögern. Man wäre also gleichzeitig gerecht und mutig, wenn man das Richtige
tut. Und das gilt nicht nur für den Tod: Es gehört auch Mut dazu, sich einem
Vorgesetzten zu widersetzen, wenn von diesem ein wahrhaft grausamer Befehl
kommt oder sich aus einer Schlacht herauszuhalten, wenn es das Richtige ist,
auch wenn einige Menschen das als feige auffassen könnten.
Und damit kommen wir zur Barmherzigkeit. Samurai sollen nicht nur kämpfen,
sondern auch Sympathie zeigen. Ihr erinnert euch vielleicht: Nach dem Shinto
sind Menschen göttlich und verdienen Respekt und Ehre. Ein wahrer Samurai hilft
den Bedürftigen und verschließt sich nicht. Und so ein Krieger war
normalerweise ziemlich reich, also gab es viele Gelegenheiten zum Helfen. Auch
hier natürlich wieder die Mitte: Ein Samurai soll auch nicht herumgehen und
jeder Person, die arm aussieht, Geld geben. Er war immernoch ein Krieger und
kein Heiliger, außerdem brauchte er das Geld auch für sich. Wenn aber eine
Person aus einem geplünderten Dorf einen anfleht und man selbst die Tasche
voller Gold hat, dann hat man etwas davon abzugeben. Und wenn ein Gegner um
sein Leben fleht und wegläuft, tötet man ihn nicht. Es sei denn natürlich, er
bittet darum – das war im kulturellen Kontext Japans auch nicht unüblich. Die
Barmherzigkeit gilt tatsächlich als die Kerneigenschaft eines Kriegers, weil
sie direkt mit der Seele verbunden ist.
Damit im Zusammenhang steht die Tugend der Höflichkeit. Auch hier zeigt sich
die Lehre, andere Menschen zu achten und das auch nach außen zu zeigen. Für den
Samurai ist die Höflichkeit im Grunde ein Akt der Liebe gegenüber der Umwelt.
Und dazu gehört auch viel Selbstkontrolle: Man hat die Menschen um sich herum
so sehr zu schätzen, dass man über subtile soziale Kommunikation herausfindet,
wie man ihnen so begegnen muss, dass sie sich wohlfühlen, um genau das dann zu
tun. Und da sagt man dann natürlich nicht alles, was einem in den Sinn kommt.
Diese Eigenschaft muss man aber ausbalancieren mit Nummer 5: Ehrlichkeit. Und
das ist sogar ein recht hohes Gebot im Bushido. Zunächst hat man natürlich
Versprechen zu halten, das ist recht universell. Aber auch sonst sind alle
Tugenden wertlos, wenn man nicht ehrlich zu anderen und sich selbst ist. Man
soll keine Werte vertreten oder Positionen einnehmen, von denen man selbst
weiß, dass sie ungerecht sind. Und wenn man später für eine Tat beschuldigt
wird, soll man, sofern die Anklage wahr ist, sich seine Schuld eingestehen und
sich nicht verteidigen, dass es einem so aufgetragen gewesen wäre. Denn das
zählt für den wahren Krieger nicht: Man ist für sich selbst verantwortlich.
Auch hier natürlich: Eine Mitte finden. Man soll auch nicht unhöflich werden
und Menschen beleidigen, weil man ja ehrlich sein will. Aber auf der anderen
Seite gehört es sich auch nicht, schlecht über seine Freunde zu sprechen, um
ein harmonisches Gespräch aufrechtzuerhalten.
So, diese Eigenschaft ist jetzt für die Samurai wahrscheinlich wesentlicher als
für uns: Der Stolz. Ihr habt ja wahrscheinlich schon von der Bedeutung der
Familie und der Ehre in Japan gehört: Es ist in der Kultur sehr stark
verankert, dass man keine Schande über das eigene Haus bringt. In weiten Teilen
Asiens ist das auch immernoch so und in Europa auch, nur könnte man vielleicht
sagen, dass wir mehr und mehr davon abrücken. Zum Beispiel in der deutschen
Bevölkerung hat dieser Aspekt im Vergleich zu früheren Jahrhunderten stark an
Bedeutung verloren. Aber es geht bei den Samurai nicht nur darum. Ein solcher
Krieger soll sich immer so verhalten, dass er und andere stolz auf ihn sein
können. Damit verbunden ist der Begriff des Selbstbewusstseins, was ziemlich
wichtig ist. Man soll, wenn man richtig handelt, auch von sich selbst überzeugt
sein und so anerkennen, dass die Werte des Bushido richtig sind und ehrbar.
Wenn man nicht von sich selbst überzeugt ist, wer soll es dann sein?
Dann gibt es die Loyalität, die wir schon besprochen haben. Klar richtet sich
ein Samurai nach dem Bushido, aber man muss auch seinen Platz kennen. Die
meisten Samurai haben ihren Reichtum und die Ehre von dem Herrscher, dem sie
dienen und deshalb zum Dank verpflichtet sind. Man soll deshalb schon auch tun,
was er sagt. Klar balanciert man das mit der Gerechtigkeit aus und befolgt
nicht blind jeden Befehl, aber normalerweise ist das, was der Herrscher sagt,
Gesetz.
Und zu guter Letzt: Selbstdisziplin. Das ist überhaupt die Essenz dafür, dass
man Bushido praktiziert: Man hat sich selbst im Griff, kennt sich selbst und
kann innerlich ruhen. Nur wenn man die vollständige Kontrolle über sich selbst
hat, kann man die Tugenden des Bushido auch ausführen.
Reflexion
Das war jetzt viel auf
einmal, nicht wahr? Tragen wir mal nochmal zusammen, was wir zum Bushido gesagt
haben: Es ist ein Ehrenkodex, dem alle Samurai zu folgen haben. Seine Wurzeln
liegen vor allem im Buddhismus, Shinto und den Lehren des Konfuzius. Daraus
folgen einige Grundsätze, nach denen die Samurai leben: Ihr Körper ist nur
einfach eine Hülle für die Seele, die gepflegt werden muss. Alles, was auf der
Welt passiert, mag schlimm oder gut sein, aber am Ende spielt nur der eigene
innere Frieden eine Rolle. Man hat alle Menschen zu achten und zu ehren, denn
obwohl die Körper nicht relevant sind, sind ihre Seelen sehr wertvoll. Außerdem
hat die Gesellschaft eine gewisse Struktur, die jedem seinen Platz, Sinn und
eine Aufgabe gibt. Wenn man innerhalb dieser Strukturen und der Etiketten der
Höflichkeit lebt, führt man ein simples, aber gutes Leben.
Es gibt außerdem recht spezifische Werte, die ein Samurai vertreten soll, von
denen wir eben einige genannt haben. Er soll gerecht sein, aber nicht
grüblerisch, mutig, aber nicht übermütig, barmherzig, aber nicht aufopfernd,
höflich, aber nicht verräterisch, ehrlich, aber nicht unfreundlich, stolz, aber
nicht selbstgerecht, loyal, aber nicht blind und er muss in dem allen sich
selbst im Griff und unter Kontrolle haben.
Was halten wir davon? Im
Grunde sind das sehr ähnliche Werte wie die, die wir in Europa als
erstrebenswert ansehen. Man könnte das Bushido sogar fast mit Aristoteles‘
Tugenden vergleichen. Nur war Aristoteles natürlich Philosoph, kein Krieger.
Ihm hätte nicht gefallen, dass beim Bushido so wenig hinterfragt wird. Klar,
Loyalität ist im Grunde philosophisch weniger relevant als die Gerechtigkeit,
denn wenn etwas ungerecht ist, soll man es eben nicht tun. Da hilft es auch
nicht, dass es vom Herrscher kommt. Und auch für die Stoiker wäre der
Ehrenkodex der Samurai wohl zu wenig selbstreflexiv. Bushido interessiert sich
nicht so sehr dafür, welcher Krieg wann ausbricht oder wer davon profitiert.
Ein Samurai ist immernoch ein Soldat und soll nicht für den Frieden sorgen,
sondern tun, was man ihm sagt. Dadurch wirkt es aber so, als wäre es gar kein
sonderlich großes Problem, dass viele Menschen im Krieg sterben, sondern sogar
eine Notwendigkeit!
Deshalb wirkt dieser Ehrenkodex etwas ironisch: Die Samurai sollen gerecht und
barmherzig sein, aber tausende von Menschen für ihren Herrscher umbringen. Der
Gedanke ist, dass das Töten eigentlich kein Problem ist, solange das Gegenüber
bewaffnet ist. Aber wir wissen alle, wie viele Konsequenzen und Leid Kriege mit
sich bringen können. Klar, wir haben in unserer Kriegsfolge besprochen, dass es
moralisch in Ordnung ist, sich zu verteidigen, wenn man angegriffen wird. Aber
auch dann führt man natürlich nicht gerne Krieg oder sieht von den Konsequenzen
ab, sondern man muss eben. Und weder Buddha noch Konfuzius waren große Freunde
von Kriegen. Aber vielleicht tun wir den Samurai auch Unrecht! Vielleicht ist
es von einer Gruppe Menschen zu viel verlangt, neben dem Kriegerdasein noch
Politik zu betreiben. Vielleicht sind Kriege auch nicht so einfach zu
verhindern, wie man denken mag.
Was ist Krieg?
Ich würde sagen, wir schauen uns erst einmal
an, was Kriege eigentlich sind. Vielleicht wirft das ein bisschen Licht auf die
Angelegenheit. So ganz pauschal gesagt: Ein Krieg ist immer ein Widerstreit.
Die eine Seite möchte etwas und die andere möchte dasselbe. Wenn der Wille der
einen scheinbar nur durch die Unterdrückung der anderen erreicht werden kann
und niemand aufgibt, kommt es zum Krieg.
So sieht es auch Heraklit, der aber den Krieg als natürlicher betrachtet, als
wir es heute tun würden. Das ist zum Teil auch historisch bedingt, da das alte
Griechenland in sehr vielen Kriegen verwickelt war. Aber hören wir uns trotzdem
einmal an, was er dazu zu sagen hat. Über Heraklit habe ich in diesem Podcast
schon viel erzählt: Vor allem über sein Bild des Flusses. An alle, die das noch
nicht gehört haben: Für Heraklit ist die Welt im Grunde wie ein riesiger Fluss,
in dem alles ständig seine Eigenschaften ändert. Deshalb heißt es auch „niemand
steigt jemals zweimal in denselben Fluss“, da die Person nicht mehr dieselbe
ist, wenn sie herausgeht und nicht mehr dieselbe, wenn sie zurückgeht. Auch das
Wasser hat sich bis dahin verändert und ist weitergeflossen. Dieses Bild ist
symbolisch für eine Welt, in der nichts jemals wirklich „ist“, sondern nur
„wird“ und in der nichts wirklich Neues entsteht, sondern nur das Alte neu
kombiniert wird. Ich weiß schon, dass es ein bisschen eine Kontroverse gibt, ob
Heraklit das wirklich genau so gesagt haben soll, aber ich bin mir sehr sicher,
dass er zumindest diese Position vertreten hat, weil sie genau zu seiner
Theorie zum Krieg passt.
Was hat es also damit auf sich? Für Heraklit ist der Krieg tatsächlich ein ganz
natürlicher Bestandteil dieses ständigen Vergehens. Wie in so vielen Werken aus
dem antiken Griechenland benutzt er das Wort des Krieges aber in einem sehr
viel weiteren Sinne als wir. Heraklit meint, dass etwas nur immer dann
entstehen kann, wenn dafür etwas anderes vergeht. Alles, was momentan
existiert, existiert also auf Kosten von dem, was da sein könnte. Zum Beispiel
existiere ich als Sohn meiner Eltern und verhindere damit, dass potenziell
jemand anders als ich hätte existieren können. Oder, etwas weniger abstrakt:
Ein Schiff kann nur dann existieren, wenn es Holzbretter gibt, für die ein Baum
sterben muss. Jeder Raum auf der Welt wird von Dingen eingenommen, die weichen
müssen, wenn etwas anderes kommen muss.
Deshalb ist jede Existenz auf der Welt mit Schuld aufgeladen, da sie
potenzielle Existenz verhindert. Heraklit redet hier nicht von einer
moralischen Schuld, sondern von einem biologischen Lauf der Dinge: Alles kann
nur für eine gewisse Zeit bestehen, bevor es vergehen muss. Selbst der älteste
Mensch muss irgendwann sterben und Raum für andere Menschen machen.
So erhält auch alles seine Identität: Alles nimmt gegenüber einem anderen Ding
Raum ein, also gibt es Differenzen und Abgrenzungen zwischen Ding A und Ding B.
Wir erkennen diese Differenzen auch in unserem Denken: „grün“ ist nicht einfach
nur „grün“, sondern auch „nicht-rot“. Wir können Farben nur deshalb so genau
identifizieren, da sie sich von einander unterscheiden. Die Welt besteht aus
Grenzen und Gegensätzen. Dadurch entsteht auch eine Spannung, da jedes Ding
genauso gut mehr Raum einnehmen könnte. Nur wird der eben durch Andere
begrenzt. Rot könnte auch die einzige Farbe sein, aber es gibt eben grün, blau
und so weiter. Es könnten auch überall Schiffe sein, aber es gibt eben auch
Bäume, die das Holz für sich behalten wollen. Und natürlich will nichts
freiwillig vergehen, um dem anderen Raum zu machen, warum auch. Vielmehr will
sich alles so lange behaupten, wie es nur geht und den anderen möglichst ihren
Raum strittig machen. Und das lässt sich auch auf die Menschen übertragen:
Kriege existieren, weil gewisse Länder mehr wollen und den anderen Existenz
abgraben. Aus dieser Sicht ist es immer egoistisch, Kriege anzufangen. Das
Ganze klingt jetzt auch wieder wie bei den Stoikern und auch beim Bushido: Als
wären Kriege eben eine Naturerscheinung und wir als Menschen könnten nichts
tun. Heraklit aber war kein Stoiker, sondern hat lange vor ihnen gelebt und die
Welt noch einmal etwas anders beschrieben.
Der λόγος
Im antiken Griechenland
gibt es ein Wort, das in vielen philosophischen Texten auftaucht: „λόγος”
(lat.: „logos“).
Dieses „λόγος“ hat viele verschiedene Übersetzungen, wie übrigens
sehr viele Wörter aus dem Altgriechischen. Es kann „Wort“ heißen, „Rede“,
„Überlegung“, „Argument“, „Meinung“, „Ordnung“ oder sogar „Wissenschaft“. Im
Grunde ist es ein Wort, dass die menschliche Rationalität beschreibt. Deswegen
hängt es auch so stark mit der Philosophie zusammen: Alle sinnvollen Gedanken,
die wir uns machen und auf eine bestimmte Weise angeordnet sind, ob in Schrift
oder Sprache, ist ein „λόγος”. Und es muss dafür nicht
von uns kommen: ein λόγος kann
auch eine Weltordnung sein, die auf eine gewisse Weise eine eigene Logik hat.
Unser Wort „Logik“ ist eigentlich gar nicht so schlecht, um zu beschreiben, was
es mit dem λόγος auf sich hat.
Jedenfalls ist das ein essentielles Wort für Heraklit, weil er es benutzt, um
seine Weltordnung zu beschreiben. Für ihn ist das Entstehen und Vergehen, über
das wir eben gesprochen haben, genau wie die Kriege und den Kampf um die
Existenz ein λόγος.
Die Welt funktioniert eben so. Aber jetzt setzt sich Heraklit von den späteren
Stoikern deutlich ab, indem er sagt: wir als Menschen haben einen Vorteil
gegenüber der restlichen Welt, denn wir können auf den λόγος zugreifen. Wir können logisch denken,
sinnhaft aufschreiben und intelligibel darüber reden, wie diese Welt
funktioniert. Und weil wir das können, können wir auch Einfluss darauf nehmen.
Es ist natürlich nicht so, als könnten wir das Entstehen, Verändern und Vergehen
grundlegend verändern. Auch, dass wir die Existenz vom Potenziellen durch das
Tatsächliche verhindern, ist eben so. Aber mit unserem λόγος können wir einen Weg finden, trotzdem
ein gutes Leben zu führen. Zum Beispiel sind wir eben nicht dazu gezwungen,
Kriege gegeneinander zu führen, um zu bekommen, was wir wollen. Es gibt auch
die Möglichkeit, auf diplomatische Weise einen Kompromiss zu finden. Es müssen
nicht alle Bäume gefällt werden, um Schiffen Platz zu machen, es darf aber
dennoch auch welche davon geben. Es mag potenzielle Kriege geben, aber wir
müssen sie weder anheizen, noch darin mitkämpfen. Den λόγος zu verstehen, heißt nicht, etwas an
ihm verändern zu können, aber mit ihm zu arbeiten und alle gegebenen
Möglichkeiten auszuschöpfen.
Ok, bevor wir zur
Konklusion übergehen: Was lernen wir hier von Heraklit? Zuerst haben wir uns
sein altbekanntes Bild der Weltordnung angeschaut. Laut dem Philosophen fließt
alles wie in einem Fluss dahin. Und wie es in einem Fluss so ist, verändert
sich alles ständig: Es gibt immer neues Wasser, verschiedene Fische schwimmen
darin und die Steine werden über die Jahre neu geformt. Heraklit schließt
daraus, dass es in unserer Welt gar kein festes Sein geben kann, sondern alles
im Werden begriffen ist. Dass wir etwas als identisch mit sich in der
Vergangenheit beschreiben, liegt nur daran, dass das für uns einfacher und
übersichtlicher ist – eigentlich ist es aber nicht logisch. Zu diesem ständigen
Wandel kommt eine Dynamik, in der einiges existiert und einiges nur potenziell
existiert. Alles, was es auf der Welt gibt, nimmt dem, was es geben könnte, die
Möglichkeit, zu existieren. Heraklit nennt das eine „Schuld“ haben. Aber nichts
daran ist moralisch zu bewerten, sondern einfach ganz natürlich: Es kann eben nur
dann Holzbretter geben, wenn ein Baum dafür gefällt wird. Und ebenso könnte es
sich mit Kriegen verhalten: auch sie haben mit Nationen zu tun, die sich
erweitern wollen und dafür die Existenz von anderen beenden müssen.
Hier kommen wir aber zum λόγος,
der für Heraklit das wichtigste Prinzip ist: Die Ordnung, die Logik. Die Welt funktioniert auf eine gewisse
Weise und die meisten Lebewesen fügen sich dem einfach oder sterben aus. Denn
sie verstehen die Weltordnung nicht – müssen sie auch nicht, denn sie haben
sich daran angepasst. Der Mensch ist auch angepasst, aber er verfügt eben
selbst auch über λόγος:
Kann also logisch denken. Dadurch können wir nicht die Logik dieser Welt
verändern, denn wir müssen trotzdem sterben und uns verändern. Was wir aber
können, ist, innerhalb dieser Regeln alle Möglichkeiten auszuschöpfen, die es
gibt. Bei Kriegen ist es zum Beispiel sehr wohl im Rahmen des Machbaren, sie zu
beenden, wenn nur genügend Menschen mitmachen. Sie sind schließlich kein
Naturgesetz. Es ist ein bisschen der Unterschied zwischen jemandem, der ein
Spiel mitspielt und grob weiß, was man machen muss und jemandem, der die Regeln
so gut kennt, dass er den perfekten Weg gefunden hat, zu spielen, in dem er
gerade so am Rande des Machbaren arbeitet.
Konklusion
So, aber jetzt zur
Konklusion: Was machen wir jetzt damit? Was hat das mit Bushido zu tun? Das
Bushido ist gut in dem, was es tut, deckt aber nicht alle Aspekte ab. Es ist an
sich ehrbar, Selbstkontrolle zu üben und gerecht zu sein, aber wenn man damit sehr
streng ist, dürften die Samurai gar nicht oder kaum kämpfen! Der gesamte Kodex
verliert an Gewicht, wenn man bedenkt, dass das Töten selbst bereits ein
schlimmes Vergehen ist. Wie Heraklit sagt, sind die meisten Dinge auf der Welt
durch uns veränderbar, denn wir verfügen über logisches Denken. Dazu gehören
selbstverständlich auch Kriege und die Menschen, die wir töten. Und im Kodex
taucht dieser Fakt nicht nur nicht auf, man bekommt sogar das Gefühl, dass es
verherrlicht wird, zu kämpfen. Vor allem, da so viel Augenmerk darauf gelegt
wird, im Kampf zu sterben oder mutig zu sein und in den Krieg zu ziehen.
Aber auf der anderen Seite muss man auch für Bushido eine Lanze brechen: Diese
ganzen Überlegungen gehen sehr weit über das hinaus, was der Kodex ist und sein
will. Es geht hier nicht darum, Politik zu betreiben, die Gesellschaft
umzuwälzen oder tiefe philosophische Gedanken zu bemühen. Bushido ist in einer
Zeit entstanden, als eine Kriegerkaste aus reichen, mächtigen Männern sich
bildete, die durch eine komplizierte soziale und politische Struktur in der
Pflicht waren, viele Kriege auszufechten. Der Kodex sollte diese geballten
Mächte bündeln und aus den Kriegern zumindest halbwegs angenehme Menschen
machen. Und mit Erfolg: Die Kriegerkaste wird in Japan noch bis heute verehrt.
Dennoch sollte man nie aus dem Auge verlieren, was tatsächliche Güte und
Gerechtigkeit bedeuten. Es gibt Ausnahmen, aber die eigentliche Gerechtigkeit
erreicht man nicht auf dem Schlachtfeld, sondern im konstruktiven Dialog. Ein
Gewinn für Bushido ist, dass es inzwischen von anderen Menschen übernommen
wurde. Die Samurai gibt es nicht mehr, aber die alten Werte sind noch immer
gute Richtlinien. Wir alle sollten wahrscheinlich etwas gerechter, mutiger,
reflektierter und selbstbestimmter sein.
So, und das war es mit der Folge! Das war vielleicht eine interessante Recherche, ich hätte nicht gedacht, dass ich zu so einem Thema tatsächlich so viel finden könnte!
Also dann bis zur
nächsten Folge!
Quellen
,,Bushido: The Soul of Japan" - Inazo Nitobe
,,Antike Philosophie" - Perfrancesco Basile
,,Die philosophische Hintertreppe" - Wilhelm Weischedel
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