*Kurzbeiträge

Zusammenfassung

Hallo zusammen! 

Wie ihr vielleicht wisst, habe ich einen Instagram Account namens ,,philosophie_fuer_zwischendurch"! Auf dem lade ich oft Updates zu den aktuellen Folgen und Trailer hoch, aber eben auch kleinere Textbeiträge zu Themen, die zu klein für eine Folge sind, aber groß genug, um zu ihnen etwas zu sagen. Da ihr fleißigen Leser:innen dieses Blogs aber ohne Instagram keinen Zugriff darauf habt, dachte ich, ich sammle in diesem Post alle Kurzbeiträge für euch zusammen. Falls ihr doch vorbeischauen wollt, seht ihr die Inhalte auf Instagram, Youtube und TikTok!

Jedenfalls, viel Spaß!                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    




Was ist „selbstverständliches Wissen“?

Ich will euch heute einmal eine kleine Geschichte erzählen. Ich bin neulich in eine neue Stadt gezogen und habe mich hier mit jemandem über den Ort unterhalten. Einige lokale Geschichten, was hier so in der Nähe ist und sonstige Fakten. Und die Person war ziemlich überrascht darüber, wie viele Sachen ich noch nicht wusste! Und das hat mich etwas nachdenklich gemacht. Der Fakt, dass ich neu eingezogen bin, hat mich gegen einiges Unverständnis abgeschirmt, aber nicht alles. Gewisse Dinge werden offenbar als „selbstverständliches Wissen“ gesehen. Das hat mich dazu gebracht, vor allem über zwei Dinge nachzudenken.

Erstens zeigt das, dass der allgemeine Bildungsstand doch ziemlich gut ist, oder? Also, ohne jetzt zu technisch zu werden – es gibt natürlich immernoch recht viele Probleme an den Schulen und anderen Einrichtungen. Aber diese Aussage zeigt, dass wir intuitiv annehmen, dass eine Person, die wir treffen, ein bestimmtes, mehr oder weniger breites Wissen besitzt. Eigentlich ist das sehr gut!

Aber eigentlich finde ich eher interessant, was das über die persönliche Lebenswelt aussagt. Fakten, mit denen man täglich konfrontiert ist, verwandeln sich in Selbstverständlichkeiten. Soweit nichts Ungewöhnliches. Aber diese Selbstverständlichkeiten sind so sehr in unserem Kopf als solche eingespeichert, dass wir sie teilweise selbst auf Leute übertragen, von denen wir eigentlich wissen, dass sie es gar nicht haben können. Daran sieht man die starke Subjektivität des Menschen. Es ist manchmal gar nicht so einfach, zwischen universellem und bedingtem Wissen zu unterscheiden.

Und das führt zu der eigentlichen Hauptfrage: Welches Wissen ist eigentlich selbstverständlich? Oder welches sollte es sein? Was ist etwas, von dem man instinktiv denkt, dass es jede andere Person, die man trifft, unbedingt wissen muss? Oder differenziert sich das noch einmal aus, je nachdem, woher die Person in einem gröberen Rahmen kommt? Muss jemand aus Deutschland ein anderes Wissen haben als jemand aus Frankreich? Man kann sicher sehr grundlegende Sachen nennen. Aber wie spezifisch kann man dabei werden? Und das führt wieder auf meine letzte Folge zur Bildung zurück. Wir müssen primär Menschen bilden und nicht einfach nur informieren. Aber was sind harte Fakten und Infos, die auf jeden Fall genau so vermittelt und eingespeichert werden sollten? Das waren so ein paar Gedanken, die ich mir gemacht habe, auch wenn sie ehrlich gesagt schon gar nichts mehr mit meinem Erlebnis zu tun haben.


Breaking Bad - Die Bedeutsamkeit der Selbsthinterfragung

Das Erste, was ich mir bei „Breaking Bad“ gedacht habe, war, warum Walter White tut, was er tut. Oder sagen wir, ich habe mir diese Frage irgendwann angefangen, zu stellen.

In der Serie „Breaking Bad“ geht es um einen Chemielehrer namens Walter White, der eines Tages gesagt bekommt, dass er Krebs hat. Die Serie spielt in den USA, deshalb muss der Lehrer für seine Behandlung selbst zahlen, was er sich aber nicht leisten kann. Walter ist ein eher stiller Mensch, der gegenüber Anderen übermäßig schüchtern ist und allgemein kein Leben führt, mit dem er besonders zufrieden ist. Ein reicher Freund bietet ihm Geld an, aber Walter lehnt ab. Stattdessen beginnt er eines Tages im Geheimen, mit seinem Schüler Jesse Meth zu verkaufen. Erst noch recht laienhaft, aber es reicht, um die Behandlung zu bezahlen. Doch auch nachdem das getan ist, will Walter mehr. Er schlägt sich durch Organisationen, mordet und steht irgendwann an der Spitze seines eigenen Drogenrings. Jedoch nicht lange: Man kommt ihm auf die Schliche, er muss das Land verlassen und stirbt, als er eines Tages zurückkehrt, um an einer bestimmten Gang Rache zu nehmen. Sehr stark simplifiziert.

Jetzt noch einmal zu meiner Frage. Wieso hat er das getan? Warum nicht einfach das Geld des Freundes annehmen? Oder zumindest hätte er mit dem Verkauf aufhören können, sobald er genug Geld hatte. Was Walter White passiert ist, ist, dass sich seine Handlungsgründe geändert haben und sein Mittel zum Zweck ein Selbstzweck geworden ist. Er hat den Verkauf erst als ein Mittel zum Zweck seiner Heilung gesehen, aber eines Tages hat er gemerkt, dass er in diesem Leben erfolgreich ist und respektiert wird. Damit wurde der alte Zweck verdrängt und die Drogen zu einem Selbstzweck. Ich glaube nicht, dass das Walter schon immer klar war. Bestimmt hat er selbst lange geglaubt, dass er das Geld eben braucht. Deshalb ist es wichtig, manchmal in sich zu gehen und zu verstehen, warum genau man was macht und was man will. Das ist der Wert davon, sich selbst zu hinterfragen, wie man es in der Philosophie mit Allem tut. Walter White macht diese Erkenntnis erst ganz am Ende, als er das seiner Frau gesteht.


Die wahrscheinlich bekannteste nicht-Frage der Philosophie: Ist das Glas halbvoll oder halbleer?

„Ist das Glas halbvoll oder halbleer?“ Diese Frage habt ihr bestimmt alle schon einmal im Zusammenhang mit der Philosophie gehört. Grundsätzlich hat sie nicht extrem viel mit dem zu tun, mit welchen Fragen wir uns so eigentlich beschäftigen, aber trotzdem gibt es einen Grund, wieso sie immer mit dieser Wissenschaft in Verbindung gebracht wird und den möchte ich einmal versuchen, zu erklären.

In der Philosophie stellt man sich oft Fragen, zu denen es keine eindeutigen Antworten gibt. Ob das Glas halbvoll oder halbleer ist, kann man nicht eindeutig beantworten: Es ist irgendwie beides wahr, aber es können nicht beide Aussagen gleichzeitig nebeneinander stehen. Deshalb werden solche Fragen oft verworfen. Wenn man sich ein Glas Wasser anschaut, kann man da naturwissenschaftlich viel erfragen, z.B. die Dichte des Wassers. Die Frage ist aber von ihrer Kategorie her anders gestellt als die des halbvollen Glases. Hier sind wir auch schon wieder einen Schritt weg von der naturwissenschaftlichen Praxis, denn sie sind eher ergebnis- als fragenorientiert. Die Frage, in welcher Kategorie ihre Fragen stehen, ist eine philosophische.

Trotzdem ist die thematisierte Frage keine Quatschfrage. Es ist nicht einfach nur Meinung gefragt und das Ergebnis willkürlich. Bei der Antwort geht es auch gar nicht mehr so sehr um das Glas, sondern positive oder negative Wahrnehmung: Hat man die Erwartung, dass es von Dingen zuerst mehr gab und es weniger geworden ist, oder ist der Blick darauf, dass im Kontrast zum Nichts noch immer mehr da ist? Und das eröffnet eine weitere Reihe an erkenntnistheoretischen Fragen. Das Glas steht hier ja im Grunde nur symbolisch für eine viel größere Thematik! Das ist übrigens in der Philosophie öfter so: Wir betrachten Gegenstände nicht einfach so an sich, sondern versuchen sie, auf Höheres zu beziehen.

Ich habe hier eine einfache Frage genommen und den Faden zu weiteren Themen gesponnen: „In welcher Kategorie stehen welche wissenschaftlichen Fragen?“, „Wie nimmt der Mensch die Welt wahr?“ Das Einzige, was ich nicht getan habe: Die Frage direkt beantworten. Aber ihr seht jetzt vielleicht, wo der Wert davon ist, statt nach Antworten nach Fragen zu suchen.


Don Quijote de la Mancha: Braucht man Realität für Glückseligkeit?

Also, zunächst kann ich dieses Buch echt sehr empfehlen! Ich habe es neulich durchgelesen und hatte echt sehr viel Spaß damit :D

Es geht um einen Mann namens Alonso Quijano (rechts im Bild), der für sein Leben gern Fantasieromane über Abenteuer wandelnde Ritter liest. Er vertieft sich so sehr in die Lektüre, dass er irgendwann fest glaubt, selbst für den Pfad eines wandelnden Ritters bestimmt zu sein, sich den Namen ,,Don Quijote" gibt und fortan mit seinem Gehilfen Sancho Panza (links) die Welt bereist, um auch Abenteuer zu erleben.

Die Absurdität der Geschichte kommt vor allem von dem festen Glauben Don Quijotes, dass nicht nur die ganzen Geschichten über wandelnde Ritter, die er gelesen hat, wahr sind, sondern er auch selbst einer ist und gegen Drachen, Riesen etc. kämpfen muss. Das führt zu allerhand absurden Situationen, in denen er zum Beispiel eine Barbierschale aufhebt und meint, es sei ein seltener Helm oder gegen Windmühlen kämpft, die er für Riesen hält. Seine Verrücktheit wird irgendwann sogar im ganzen Land bekannt.

Was uns der Roman zeigt, ist, dass es für die Glückseligkeit einer Person gar nicht so wichtig ist, ob ihre Meinung mit der Realität übereinstimmt oder nicht. Niemand schafft es, Don Quijote von seinen Irrtümern zu überzeugen und es geht sogar so weit, dass Leute aus seinem alten Dorf losziehen, um ihn zu retten, indem sie ihn zurückholen. Aber er hat tatsächlich die Zeit seines Lebens auf seinen Abenteuern! Spielt es da tatsächlich eine Rolle, ob er wirklich ein wandelnder Ritter ist oder nicht? Denn so wirklich schaden tut er auch niemandem: Die Kampfkraft des Mannes mittleren Alters lässt tatsächlich sehr zu wünschen übrig.

Das Buch gibt aber auch einen Einblick darin, wie sehr sich unser Gehirn in einer angenommenen Realität festsetzen kann. Im Verlauf der Geschichte fleht ihn seine Nichte öfter sogar an, er möge zurückkehren, bevor er sich selbst oder Anderen wehtut. Aber Don Quijote schafft es nicht, aus seiner Rolle herauszutreten - er versteht gar nicht, wovon sie redet. Ich finde, das wirkt auch wie ein Spiegel auf uns: Ist wirklich nur Don Quijote so stur? Oder widersetzen auch wir uns vielleicht manchmal der Realität?


Passengers: Ein konsequentialistisches Gedankenexperiment

ok now hear me out 😂 Ich weiß, dass man ausgerechnet diesen Film auf einer philosophischen Seite nicht haben will, weil er ganz deutlich versucht, eine unmoralische Tat als moralisch ok zu verkaufen. Aber eben deshalb habe ich mir Gedanken dazu gemacht, wie man das retten kann.

Erstmal aber zur Handlung: Ein Teil der Menschheit befindet sich auf einem Raumschiff auf dem Weg zu einem neuen Planeten. Da die Reise aber länger dauert als ein Menschenleben, befinden sich alle im künstlichen Tiefschlaf. Durch eine Fehlfunktion erwacht unser Protagonist aber zu früh und ist alleine auf dem Schiff, im Wissen, dass er den Planeten nicht lebend erreichen wird. Irgendwann fällt ihm eine Frau auf, die ebenfalls in künstlichem Schlaf daliegt. Nach Monaten der Einsamkeit entschließt er sich schließlich, sie aufzuwecken.

Nun, das ist erstmal nicht so gut - und deshalb bin ich auch selbst nicht der Meinung, die ich gleich anführe. Selbst, wenn er so sehr leidet, gibt ihm das nicht das Recht, eine andere Person mit ihm einzusperren. Das Schöne an philosophischen Strömungen wie dem Konsequentialismus ist aber, dass man selbst so etwas theoretisch retten könnte. Eine sehr bekannte Unterart hiervon ist der Utilitarismus: Glück maximieren und Leid minieren.

Jetzt hätte der Protagonist aus lauter Einsamkeit fast Selbstmord begangen, also steht hier viel Leid auf dem Spiel. Mit dem Aufwecken der Frau minimiert er seins stark, aber erhöht dafür ihres - auch nicht gut. Aber was ist, wenn er 10 Leute aufgeweckt hätte? Oder sogar noch mehr? Und zwar so viele, dass sich eine Parallelgesellschaft gebildet hätte, wo alle genug Essen und Gesellschaft gehabt hätten? Wie wir später sehen, ist (aus irgendeinem) Grund ja sogar Landwirtschaft auf dem Raumschiff möglich!

Aus diesen Gründen ist der Utilitarismus manchmal etwas albern. Aber wenn man darüber nachdenkt, kann man es so drehen, dass es ungerecht ist, wenn der Protagonist niemanden aufweckt, weil er sonst zu sehr leidet. Nur eine oder vier Personen ist zu einsam, die haben dann ja kaum wen. Aber gäbe es nicht eine Anzahl, die ok wäre? Nur würde man eben mehreren Willen zuwiderhandeln. Naja - sagt mal, was ihr denkt 😄


Bösewichte: Warum erklären sie alle immer ihren Plan?

Ihr kennt sicher alle das Filmklischee des großen Plans der Antagonist*innen, der kurz vor seiner Ausführung steht, aber dann doch scheitert, weil in einem langen Monolog dem*der Protagonst*in erklärt werden muss, wozu der Plan genau dient, wie er funktioniert und was passieren wird. Das gibt dieser Person oft die Gelegenheit, ihn zu vereiteln und den Tag zu retten. Zugegeben, dieses Klischee wird oft einfach nur bedient, um künstlich Spannung aufzubauen und dann aber einen Grund zu finden, warum die gute Seite doch siegen kann.

Ich finde diese Monologe aber bei weitem nicht so oft unbegründet und dumm, wie es immer angenommen wird. Warum sich Antagonist*innen auf ihren letzten Metern so verhalten, hat verschiedene Gründe. Erstens natürlich ihre Arroganz, dass sie sich das leisten können - nun, geschenkt. Aber gerade dem*der Widersacher*in das alles zu erzählen, hat einen ganz besonderen Effekt. Man wünscht sich Zustimmung, Verständnis oder sogar Mithilfe.


Die meisten Bösewichte wollen nicht einfach nur Böses tun, um böse zu sein, sondern verfolgen unwissentlich ein ganz anderes Ziel. Und hier kommt wieder die Philosophie ins Spiel: Jede Handlung hat ihren tieferen Sinn und wenn man den verkennt, verhält man sich irrational und versteht nicht, was man will. Wenn die Gegenseite tatsächlich einfach nur alle töten und mit der ewigen Macht leben wollen würde, würde sie es sofort tun. Man riskiert einen solchen Plan nicht einfach nur aus Stolz.

Bei den meisten Antagonist*innen spricht aus ihren Handlungen, dass sie nicht die Welt verändern oder Menschen töten wollen, sondern ein gutes Leben in der bestehenden Gesellschaft möchten oder sie zu einer besseren verwandeln wollen. Mit ihrem Monolog versuchen sie, das herüberzubringen und verstanden zu werden. Wie Platon schon sagt, will niemand das Böse, sondern sucht nur auf seinem Weg nach dem Guten. In diesen Momenten zeigt sich das. Aber das entgeht den entsprechenden Personen normalerweise und so entwickeln sie einen Plan, den sie nicht wirklich wollen und sabotieren ihn am Ende selbst. Wie gesagt: Wenn man etwas wirklich will, tut man es.

 

Der Wert der griechischen Götter

Viele von euch kennen sicher die griechischen Sagen mit ihren vielen Göttern. Aber kaum jemand oder vielleicht sogar niemand glaubt noch wirklich daran. Die meisten Menschen auf der Welt glauben, dass es eine einzelne große göttliche Entität gibt, die über alles wacht. Dagegen ist der Vielgötterglauben der alten Griechen fast gänzlich verschwunden.

Es gibt viele theologische Texte aus dem Mittelalter, wo solche Religionen sogar als minderwertig im Vergleich zum Monotheismus deklariert werden. Es heißt, dass sie antiquierte Erklärungen für die Entstehung der Welt liefern und dann noch nicht einmal beantworten, woher wir eigentlich alle kommen. Denn die griechischen Götter sind nicht der Beginn des Universums. Und dann sind sie auch genauso moralisch schlecht wie die Menschen, teilweise sogar mehr.

Aber seien wir einmal nicht so schnell mit unserem Urteil. Zunächst: Die Erforschung der Herkunft der Welt war damals nicht die Aufgabe der Theologie, sondern der Philosophie und wurde durch z.B. Thales schon früh betrieben. Auch sollten die Götter kein entferntes Konzept sein, sondern erklären, warum die Menschen sind, wie sie sind. Die griechischen Götter sind ein Spiegelbild der menschlichen Schlechtigkeit, aber auch Güte – immerhin haben sie uns geschaffen. Sie wollen verehrt werden, aber geben uns nicht moralisch vor, was wir tun sollen. Aber sie dienen uns als Vorbild und Lehre: Der Eifer von Hera, Aphrodite und Pallas Athene, einen Wettkampf zu gewinnen, hat am Ende zum Fall der Stadt Troja geführt.

Die Griechen wollten nicht sein wie ihre Götter, sondern von ihnen lernen. Und das geht deutlich besser, wenn sie sich irren können, als wenn sie perfekt sind. Die griechischen Götter sagen nichts zu unserer Herkunft, aber sagen uns, wie wir uns verhalten sollen und auch, wie wir nicht sein sollten. Und das tun sie nicht über abstrakte Regeln, sondern durch ihr Verhalten, aus dem man lernen kann. Geschichten, die man den Kindern erzählen und Vorbilder, die man anstreben kann. Auch wenn man sicher Vieles darüber sagen könnte, stimmt es nicht, dass dieser Ansatz weniger Wert wäre als der Monotheismus.


Zeit und die Kunst, sich welche zu nehmen

Kleine Lebensgeschichte: Ich war vor einiger Zeit auf Reisen in Spanien, um meinen Abschluss in der Philosophie (vor) zu feiern. Das ein Vorhaben, das ich mir schon lange davor durch den Kopf habe gehen lassen und immer wieder angezweifelt habe. Kann man nicht noch etwas Sinnvolleres mit der Zeit anstellen? Oder, vielleicht wenigstens einen Sprachkurs dort machen? Ach, zumindest den Laptop könnte man ja mal mitnehmen. Aber nein, das habe ich dann gelassen und bin nicht mit sehr viel mehr als mit Klamotten und meinen Büchern hin.

Ich habe mir natürlich schon viele verschiedene Städte angeschaut, aber in denen bin ich dann, nach einigen Sehenswürdigkeiten, am Liebsten einfach irgendwo hingegangen, wo man gut sitzen konnte, habe die Sonne genossen und in dem ein oder anderen Buch gelesen. (Hier sitze ich gerade auf einem Hügel der Stadt Gijón und lese in einem philosophischen Buch.) Dieses Gefühl, keine Verpflichtung zu haben und sich auch keine aufbürden zu können, diese gewisse Zeitlosigkeit und der Fakt, dass niemand außer mir gerade so genau weiß, was ich mache und wo ich bin, war tatsächlich sehr befreiend.

Es ist heutzutage ja sehr populär geworden, darüber zu reden, sich eine Auszeit zu nehmen. Und das ist gut! Aber trotzdem wissen Viele nicht ganz, wie sie sich das vorzustellen haben. Was macht man denn dann da? Ihr seht, da ist man ganz schnell wieder dabei, die Freizeit nach dem Maßstab der Arbeit zu bewerten. Sich Zeit zu nehmen, bedeutet, das, was man damit tut, eben nicht so zu bewerten, sondern einfach das zu tun, worauf man Lust hat. Und allein das ist teilweise schwer zu erkennen, weil wir mit den Gedanken so sehr an die Produktivität gewöhnt sind. Ich meine, selbst ich habe da etwas für den Podcast gemacht!

Manchmal muss man sich einfach kurz von allem lösen und sich auch selbst die Möglichkeit nehmen, spontan wieder zurückzugehen. Und wenn man sich dann auf diese Stille und den leeren Raum einmal einlässt, dann entdeckt man auch, worauf man eigentlich Lust hat. Außerdem sieht man, was einen im sonstigen Leben eigentlich glücklich gemacht hat und was nicht und kommt gestärkt zurück. Und dann hat man sich, finde ich, erfolgreich Zeit genommen.  


Star Wars: Eine Geschichte wie in einem philosophischen Gleichnis

Ich hatte neulich ein faszinierendes Gespräch mit jemandem über die Star Wars Filme und wollte meine Gedanken dazu hier einmal festhalten. 

Wenn man sich die Filme von George Lucas anschaut, hat man wahrscheinlich recht viele Fragen, was den Realismus oder die Authentizität der Personen angeht - viele davon verhalten sich nämlich irgendwie komisch. Das ist besonders bei den Prequels sehr offensichtlich, da die im Grunde vollständig von Lucas´ Hand kommen und er seiner Erzählweise freien Lauf lassen konnte. Da fragt man sich aber schnell Sachen wie ,,Warum hat Mace Windu Palpatine nicht einfach schnell getötet und die Republik gerettet?" und ,,Warum bemerkt Anakin nicht, dass mit Palpatine etwas nicht stimmt, wenn er ihm sogar eine Sith-Legende erzählt?" Aber selbst später: ,,Warum tötet Luke Palpatine nicht einfach und bleibt trotzdem bei der hellen Seite?" Granted, für alles davon gibt es theoretische Erklärungen und Einiges kann man auch George Lucas und seinem Schreiben von Charakteren und Dialogen ankreiden.

Mich erinnert dieser Stil aber tatsächlich eher an eine philosophische Erzählung, weswegen ich glaube, dass das nicht ganz unabsichtlich ist. Ein Gleichnis beschäftigt sich damit, eine philosophische Aussage zu treffen und dafür Szenarien aus dem echten Leben herauszusuchen und sie so zu drehen, dass sie etwas Bestimmtes aussagen -dabei sind der Realismus und die Personen selbst nicht besonders wichtig.

Luke tötet Palpatine nicht, weil es nicht darum geht, wie man die Galaxis rettet, sondern, dass das Gute das Böse besiegt, indem es fürsorglich ist und nicht Gewalt anwendet. Die Jedi retten nicht die Republik, weil sie von ihrer Arroganz geblendet sind, auch wenn das praktisch gesehen noch möglich gewesen wäre. Anakin bemerkt nichts von seiner Manipulation, weil es hier darum geht, wie ein junger Mann von seiner Gruppe abgewiesen wird und Zuflucht beim Teufel findet, der ihm eine einfache Lösung verspricht. Ja, so biblisch kann man Star Wars verstehen, wie ich finde: auch Religionen arbeiten nämlich mit Gleichnissen.

Ich finde, wenn man Star Wars so schaut, wirkt es schon sehr viel wertvoller und logisch in seinen Grundaussagen - auch bei Kritik.


Ist Kunst durch KI noch immer Kunst?

Ich habe mir länger überlegt, ob ich zu diesem Thema eigentlich gleich eine ganze Folge machen sollte. Aber vielleicht reicht es auch, hier einige Worte dazu zu sagen.

Ich habe neulich mit einem guten Freund ein faszinierendes Gespräch über künstliche Intelligenz geführt - und da sind wir auf die Frage gekommen, wie es sich eigentlich mit der Kunst verhält, die vollständig durch KI entstanden ist. Ist es wirklich noch welche? Wo ist der Wert eines Liedes, hinter dem gar kein Mensch mehr steht? Aber eigentlich ist es doch auch komisch, dass wir daran den Wert von Musik festmachen.

Was ist denn eigentlich Kunst? Nun, für eine solche Definition reicht der Platz wahrscheinlich nicht. Was wir an Kunst kennen, sind normalerweise Songs, Bilder oder Filme. Was macht die denn so aus? Ich habe mir neulich gedacht, dass die meisten Songs, die ich kenne, von bestimmten Gefühlen handeln: Liebeskummer, Glück, Wut, Ruhe. Das macht sie in einem gewissen Sinne speziell und sehr menschlich, da KI zumindest noch nicht soweit ist, diese Gefühle ernsthaft zu empfinden.

Und hier ist auch der Wert dieser Kunst für uns: Die zu übermittelnden Gefühle müssen authentisch sein und von einer Person dahinter tatsächlich gefühlt werden. Es ist merkwürdig, wenn das eine KI nur einfach simuliert und damit trotzdem etwas in uns auslöst. Aber ist es das wirklich? Interpretiert man nicht sowieso jedes Bild und jeden Song so, wie er einem erscheint und man ihn sehen will? Vielen Leuten ist es gar nicht wichtig, was für Gefühle hinter der Kunst stehen, denn es geht ihnen darum, was es bei ihnen selbst auslöst.

Haben wir damit den Schlüssel gefunden? Denkt an moderne Bildkunst, bei der teilweise nur verschiedene Striche auf einer Leinwand gemacht worden sind. Hier muss der/die Betrachter*in die gesamte Interpretationsarbeit ohnehin selbst leisten. Ist das bei einer KI nicht auch so? Nur, dass wir bei ihr eben wissen, dass sie zu solch zufälligem Verhalten nicht in der Lage ist. Es scheint aber, als wäre es auch relevant, wie man Kunst interpretiert, nicht nur, wie sie gemeint war. Solange wir also nicht KI Kunst für andere KI, sondern für uns machen lassen, sollte unser Kunstbegriff noch stehen


Mickey 17: Was macht uns individuell?        

„Mickey 17“ zeigt uns eine Zukunft, wo Erde so ausgebeutet wurde, dass man nicht mehr gut darauf leben kann und nach Alternativen im All Ausschau gehalten wird. Dank des technischen Fortschritts gibt es auch die Mittel dazu. Unter anderem eine Maschine, die mithilfe von Biomaterial und DNA einen Menschen klonen kann. Da diese Maschine aber für Verbrechen und Betrug benutzt wurde, ist es inzwischen nur noch erlaubt, bereits gestorbene Menschen zu klonen.

Und hier kommt Mickey ins Spiel. Er beginnt unwissentlich eine Arbeit als „Expendable“, die dazu da sind, verschiedenste Extremsituationen auszuprobieren, um dann im Zweifel neu „ausgedruckt“ zu werden. Mickey 17 ist der 17. Mickey, der nach einer Mission für tot gehalten und neu geklont wird. Als er aber den Weg zum Raumschiff zurückschafft, sieht er Mickey 18 herumlaufen, der jetzt auch mit Mickeys langjähriger Freundin, die diese „Neugeburten“ schon lange kennt, die Beziehung ganz normal fortsetzt. 

Wie kann man Mickey 17s Problematik verstehen? Geht ihm seine Freundin fremd? Schließlich scheint Mickey 18 einfach er zu sein. Im Film wurde das so gelöst, dass jede Kopie charakterlich etwas anders ist. Aber trotzdem fragt sich Mickey 17 sogar selbst teilweise, ob seine Eifersucht Sinn ergibt. Ist er nicht derselbe wie Mickey 18?

Mickey 17 und 18 sind aber keine identischen Personen mehr, seit 18 aus der Maschine kam. Wer wir sind, hängt nicht nur von unseren Genen ab, sondern vor allem vom Geist. Und der besteht nach Derek Parfit aus Erinnerungen, Motivation und Charakter. Diese drei Dinge aber verändern sich je nach Lebensrealität! Mickey 17 und 18 stecken im genetisch selben Körper, haben aber andere Erlebnisse: Mickey 18 hat eine Freundin, 17 fühlt sich betrogen und wird jetzt verfolgt. Dadurch verändern sich alle drei Dinge, womit sich das Paradoxon auflöst: 17 und 18 sind in fast allen Belangen unterschiedliche Personen und 17s Eifersucht berechtigt. Aber da 18 bis zum Tod von 17 noch derselbe wie er ist, ist es ebenso berechtigt, dass die Freundin mit ihm ausgeht. Jetzt aber werden sich beide Mickeys weiter auseinander entwickeln. Mehr zu dem Thema in meiner 9. Folge!   

                                           

Wieso bezeichnet man jemanden als NPC? Ein running gag mit Implikationen

Ihr kennt sicher alle den Ausdruck ,,NPC" - beziehungsweise, dass man damit seit einiger Zeit auch andere Menschen bezeichnet. Aber vielleicht für alle, die das nicht kennen, zur Einordnung: ,,NPC" ist eine Abkürzung aus der Videospielwelt und bedeutet ,,non-player character", also eine Figur, die ohne Spieler*in dahinter (vom Computer) gesteuert wird. Im Fokus bei diesem running gag sind vor allem NPCs, die Spielewelten lebendiger machen sollen, indem sie herumlaufen und mit der tatsächlich gespielten Figur interagieren können. Aber wie man sich denken kann, wirken diese Konversationen oft sehr künstlich - weil sie es natürlich sind und auch eher einen funktionalen Hintergrund haben. So gibt es NPCs, die Aufgaben oder Tipps geben und daher einfach anfangen, zu sprechen, dem/der Spieler*in als fremde Person wesentliche Infos zum Spiel mitgeben und dann verschwinden.

Daher gibt es den Spaß, Leute auch so zu bezeichnen, wenn sie in einer sehr monotonen oder allzu inhaltlichen und nicht kommunikativen Art etwas sagen sollten. Oder, wenn sie nur einfach mit leerem Blick umherlaufen, ohne ein rechtes Ziel zu haben. Nun, ich werde nicht lügen, das kann natürlich ziemlich lustig und akkurat sein 😄

Aber man muss aufpassen, es damit nicht zu weit zu treiben. Immerhin ist ein NPC nichts anderes als ein ,,Wesen" ohne Bewusstsein, das eines imitieren soll. Man spricht also, wenn man es sehr ernst nehmen will, Menschen ihr Bewusstsein ab, wenn man sie als NPCs bezeichnet. Als Witz ist das kein Problem, aber man darf ihn nicht zu ernst nehmen und in die generelle Weltsicht implementieren. Sonst fängt man an, anderen Menschen erst ihr Mensch-Sein und dann ihre Relevanz abzusprechen. Dazu mischt sich der Trend mit der Zuteilung der ,,Main-character-Rolle" an Menschen, der im Grunde das Gegenteil aussagt: Eine Person, die sehr zielgerichtet, kommunikativ und auffällig scheint.

Am Ende sind wir aber alles Menschen mit ihrem eigenen Leben, die mal mehr, mal weniger kommunikativ sind. Alle haben ihre Sinn und niemand steht hierarchisch über dem/der anderen. Nur weil man die Hintergründe anderer Menschen nicht versteht, sollte man sie nicht einfach als Nebenerscheinungen sehen.


Ist der Gewinn der Anderen mein Verlust? Ein klassischer Fehlschluss über das gute Leben

Es gibt einen sehr häufigen Fehlschluss, was das gute Leben angeht: Menschen haben das Gefühl, dass sie es besser haben, wenn es Anderen schlechter geht. Was ist aber eigentlich das gute Leben?

In meiner 19. Folge rede ich darüber: Aristoteles sagt, dass die sogenannte "Eudaimonia" darin besteht, tugendhaft zu sein. Wer immer gut handelt, großzügig ist und moralisch, der wird auch glücklich sein. Denn nur dann ist man mit sich selbst zufrieden und Andere sind es mit einem - das ist quasi ein Selbstläufer. Der Kern ist: Es geht um einen selbst - die Glückseligkeit muss man sich allein erarbeiten.

Etwas, was aber kein Philosoph denkt, ist, dass es anderen Menschen schlechter gehen muss, damit man glücklicher ist. Trotzdem denkt man instinktiv oft so: Ich habe mal ein Praktikum an einer Schule gemacht und Eckenraten mit 4 Teams gespielt. Als Belohnung für das Gewinnerteam gab es dann eine Packung Gummibärchen - aber weil es mein letzter Tag war, habe ich natürlich von vornherein 4 Packungen gekauft. Wie stark doch der Triumph des Gewinnerteams zusammengeschrumpft ist, als ich das verkündet habe! Ihnen wurde nicht ihr Sieg genommen und sie bekamen trotzdem ihre Belohnung - aber weil alle dasselbe hatten, waren sie weniger glücklich damit. Nun, es waren nur Kinder, deshalb ist das natürlich kein Problem und auch ein bisschen lustig.

Aber eigentlich ist das ein Fehlschluss, den man überall im Leben beobachten kann, selbst bei Erwachsenen und der Politik. Konzentriert euch beim Glück erst einmal auf euch selbst. Was braucht ihr, was wollt ihr? Glückseligkeit ist kein Kontrastzustand, es sollte keine Rolle spielen, wie es Anderen geht - außer, dass ihr euch an deren Glück erfreut.

Die heutige Gesellschaft lehrt einem, dass es begrenzte Ressourcen gibt und man eigentlich Anderen etwas wegnehmen muss, um genug zu haben - aber das ist ein toxisches Weltbild! Wir haben zwar begrenzte Ressourcen, das ist wahr - aber wenn alle genügsam wären und sich auf sich selbst konzentrieren würden, hätten wir damit gar kein Problem. Oder wir erfreuen uns am Erfolg Anderer und kooperieren. Wenn wir aber nur klauen, haben wir irgendwann gar nichts mehr - denkt mal drüber nach.

 

,,Do it for the Plot" - Eine moderne, etwas unklare Erklärweise von Beweggründen

Kennt ihr den Ausspruch ,,Do it for the plot"? Mir begegnet er in meinem Umfeld momentan sehr oft und er bringt mich immer ein bisschen zum Nachdenken. Welcher Plot eigentlich?

Gut, der Reihe nach. Was ist denn damit gemeint? Da ich auch nicht der Experte in moderner Linguistik bin, fühlt euch frei, mir zu widersprechen. Für mich ist etwas ,,for the plot", wenn es riskant ist und man es eigentlich als rational denkender Mensch nicht tun würde. Es hat zwar einen verlockenden Aspekt, ist aber mit so vielen Risiken und negativen Konsequenzen verbunden, dass es schlicht und einfach keine gute Idee ist. Was es aber bewirkt, ist, dass es ein Gesprächsthema bringt und eine Spannung: Was wird passieren? Wie eben in einer Fernsehsendung: Der Plot, also die Handlung, ist oft von solchen irrationalen Taten getrieben, denn sonst würde ja nichts passieren!

Normalerweise geht es hierbei um das Datingleben: Einmal wieder bei dem/der Ex übernachten, auch wenn man die Person eigentlich aus seinem Leben entfernen wollte, einmal mit jemandem von einer Party in einer fremden Stadt mitgehen, obwohl man bei der Person kein zu 100% gutes Gefühl hat: For the plot. Denn danach kann man lang und breit erzählen, wie es war und es gibt Drama, das für Wochen anhält und so weiter.

Es ist wahrscheinlich klar, dass niemand WIRKLICH der Meinung ist, in einer Fernsehsendung zu sein, und der Ausspruch ist auch oft scherzhaft gemeint. Aber trotzdem spricht aus ihm auch ein gewisser Wunsch nach Außenwirkung, finde ich. Man will spannende Dinge erleben und auch so wahrgenommen werden, dass man ein besonders cooles Leben führt, über das man reden will und das im Mittelpunkt steht. Verwandt damit ist die Rede vom ,,Main-Character", wenn ich das mal hier kurz einstreuen kann.

Natürlich können alle gern machen, was sie wollen, und es auch so benennen. Wenn man sich langweilt und auf ein bisschen Spannung Lust hat, ist das vollkommen ok. Auch Gefühle zu*m Ex sind nicht unnormal - wir sind Menschen und nicht immer rational. Aber man muss aufpassen, nicht vor sich selbst zu verschleiern, warum man gewisse Dinge tut. Es gibt keinen Plot - und reale Konsequenzen. Also denkt immer nach, bevor ihr handelt.


Die philosophische Suche nach der Ursache

Viele von euch wissen vielleicht, dass wir Philosoph*innen sehr gerne nach dem "Warum" fragen. Doch.. warum eigentlich? Lasst mich euch ein bisschen zur Ursache erzählen.

Die Ursache von etwas ist deutlich wichtiger, als man sich oft vorstellt. Wenn man weiß, warum etwas ist, wie es ist, ist man schon ganz nah dran, es zu lösen. Erst wenn wir wissen, warum die Dinge auf dieser Welt so funktionieren, können wir anfangen, auf die richtige Weise zu leben. Aber wie kommt man zu einer Ursache?

Eine Technik, die ich immer gerne anwende, ist das Vertauschen von Ursache und Wirkung. Denn manchmal ist man zu festgefahren in seinem Erklärungsversuch und seiner Perspektive. Hier ein Beispiel: Wenn man eine Person mag und ihr ähnlich ist, ist das dann die Ursache? Klar, wir wollen potenziell mit Menschen unser Leben verbringen, die uns gleichen, also warum nicht? So gefragt, wirkt da wie eine gute Idee. Aber was ist, wenn man der Person nur ähnlich ist, weil man sie mag? Plötzlich ist die Frage auf dem Tisch, ob man sich unmerklich verändert hat, um sich dem geliebten Menschen anzupassen. Und je nachdem, wie weit das geht, ist das definitiv keine gute Idee.. Versucht diese Art zu denken ruhig mal! Ich finde es immer sehr erleuchtend.

Manchmal ist die Ursache auch direkt vor der eigenen Nase, man muss nur die Verbindung richtig machen. Warum macht ein Videospiel Spaß? Es ist oft nur ein sinnloses Sammeln von simulierten Ressourcen, die einen am Ende nicht weiterbringen. Das Leben ist auch sinnlos, sollte man also nicht eher in etwas Sinnhaftes fliehen? Aber dabei machen Spiele dieser Art Spaß, gerade WEIL sie dieses am Ende sinnlose Sammeln simulieren. Und im Umkehrschluss heißt das auch, dass diese scheinbare Sinnlosigkeit dem LEBEN einen Wert zu geben scheint.

Manchmal aber ist man aber auch ganz einfach an der Ursache vorbei und muss neu ansetzen, bevor man sich verrennt. Es gibt schlimme Verbrecher auf der Welt: Ist der Mensch also schon böse geboren? Oder wird er durch die Umwelt böse? Ich bin der Meinung, dass der Mensch überhaupt gar nicht an sich böse ist. Der Grund für die Verbrechen muss woanders liegen. 

Das als kleinen Einblick in den philosophischen Kopf :)


Vampyr: Kann man mit ungerechten Mitteln Gerechtigkeit schaffen? 

Kennt ihr das Videospiel ,,Vampyr?" Die Leute, die mich schon kennen, werden bei diesen Worten wahrscheinlich schon die Augen verdrehen 😄 Zugegeben: ich habe das Spiel schon wirklich sehr oft gespielt und davon gesprochen - kann es aber auch sehr empfehlen!

Kurz gesagt, geht es in dem Spiel um einen Arzt, Dr. Jonathan Emmet Reid, der im Jahre 1918 aus dem Krieg nach London zurückkehrt. Die Stadt ist nicht mehr dieselbe, die er damals verlassen hatte: Die spanische Grippe wütet überall und verwandelt sogar Menschen in Vampire, wie auch Reid selbst. Als Vampir versucht man dann das ganze Spiel, den Ursprung der Krankheit zu finden und als Arzt in einem Krankenhaus weiterhin Menschen zu helfen. Auf der anderen Seite kann man aber auch alle Menschen, die man in London trifft, aussaugen. Davon gibt es wichtige EP, die man braucht, um die Gegner des Spiels besser besiegen zu können. Auf der anderen Seite fällt dann aber der Gesundheitszustand der Stadt immer weiter ab, bis mehr und mehr Menschen durch die Grippe sterben und es gar nichts mehr zu retten gibt.

Unter diesen Menschen, die man kennenlernt, gibt es übrigens bessere und schlechtere. Da haben wir z.B. die Krankenschwester Gwyneth Branagan, die nur einfach nur helfen will, wo sie kann, oder den Gangsterboss Clay Cox, der sich für niemanden interessiert außer sich selbst. Man könnte also die Regel festlegen, nur die Menschen zu töten, die moralisch schlecht sind und es „verdienen“. Das Spiel macht da aber keinen Unterschied: Der Gesundheitszustand der Stadt nimmt trotzdem ab, und man erreicht im Spiel auch nichts dadurch. Clay Cox´ Tod löst seine Bande nicht auf: Seine Frau übernimmt nach seinem Verschwinden die Führung. Hier sehen wir Platons Doktrin in Aktion: Man erreicht keine Gerechtigkeit durch ungerechte Mittel. Dagegen erhält man Unterstützung von den Bürger*innen, wenn man gut zu ihnen ist, d.h. ihre Nebenaufgaben erledigt. Klar, man rettet am Ende schon die Stadt durch Gewalt, indem man den Ursprung der Seuche, die rote Königin, bezwingt. Aber es handelt sich fast immer um eine negative Herangehensweise: Dinge aus dem Weg räumen, die stören - tatsächlich heilen tut man kaum.

 

The Boys: Warum Macht korrumpiert

Ihr kennt sicher auch den Satz, dass Macht korrumpiert. Und oft fragt man sich: Warum eigentlich? Nur, weil man Macht hat, muss das nicht heißen, dass man ein schlechter Mensch ist! Wie funktioniert das also? 

In der Serie ,,The Boys" sieht man eine sehr gute Verarbeitung dieses Konzepts. Ganz kurz zusammengefasst: Die Serie spielt in einer Welt, in der Superhelden im Alltag angekommen sind und von einer Firma der Polizei oder Privatpersonen zur Verfügung gestellt werden. Diese ,,Helden" sind jedoch zum Großteil moralisch verkommen: Sie betrachten die Menschen als niedere Wesen und töten, ohne dabei viel zu fühlen. 

Doch warum sind sie (fast) alle so? Wenn man sehr viel mehr kann als sein Umfeld, es sogar ohne Mühe zerschlagen könnte, hat das viele Folgen. Zunächst akzeptiert man seltener die Grenzen, die sie einem setzen. Wir respektieren unsere Mitmenschen und halten uns an die Gesetze, weil wir die Folgen fürchten - unter anderem. Aber wenn man Superkräfte hat, muss man das gar nicht mehr - da kann es schnell passieren, dass man über die Stränge schlägt. Wer soll einen aufhalten? Das ist der wahrscheinlich offensichtlichste Grund. Aber ich würde nicht sagen, dass das die Ursache für die Bosheit der ,,Helden" ist. Denn man hat nicht einfach so einen Hang zum Morden, oder, Regeln zu missachten. Diese Art von Macht führt zu sozialer Isolation. Alle Menschen um einen herum fürchten einen schließlich, den Grund dafür habe ich gerade erklärt. Und das führt nicht nur dazu, dass sie sich von einem fernhalten, sondern auch, dass sie sich gegen einen wenden: man ist eine Gefahr. Und woher kann man jemals wissen, ob eine Person nicht nur einfach aus Angst oder für ihren Vorteil Nähe zu einem sucht? Und dann noch ein Drittes: Diese Superhelden haben extreme Kraft, aber ihr Denken ist noch immer menschlich. Wer aber allmächtig ist, müsste auch weise sein, denn sonst entsteht ein Missverhältnis - und dafür ist der Mensch nicht gemacht. Zum Beispiel: jeder Mensch kann einmal wütend werden - aber wenn er dann Gefahr läuft, alles zu zerstören, was ihm wichtig ist, ist das ein Fluch. Wir können ja nicht einmal mit unserer Macht über einander und die Umwelt umgehen!


Determinismus: Der Horror der Machtlosigkeit

Kennt ihr die Debatte zwischen dem Determinismus und freien Willen? Ich würde behaupten, es ist eine der wichtigsten in der Philosophie: Haben wir einen freien Willen oder ist alles, was wir tun, vorherbestimmt? Das ist eine wichtige Frage, weil darauf alles basiert: Wenn alles vorgeschrieben ist, wieso haben wir dann die Moral? Können wir Leute für irgendetwas verantwortlich machen, was sie tun?

Einige, die ich kenne, sind der Meinung, wir seien eigentlich zu 100% determiniert. Selbst der reflektierteste Wunsch kommt am Ende von irgendeiner instinktiven Regung. Man kann außerdem nicht beweisen, dass man auch anders hätte handeln können. Aber ich glaube das nicht - nur, weil wir nicht anders gehandelt haben und nur, weil wir Gründe für unsere Entscheidungen haben, heißt das nicht, dass wir keine Wahl haben!

Nun, die ganze Debatte könnt ihr euch selbst noch einmal durch den Kopf gehen lassen und auch die Folge 10 dazu anhören. Aber warum besteht der Mensch so sehr auf seiner Willensfreiheit? Von vielen Leuten heißt es, es müsste doch eigentlich ein tröstlicher Gedanke sein, wenn man in einer Situation ohnehin nicht anders hätte handeln können - wir sind nicht Schuld daran. Aber dem Menschen ist seine Freiheit wichtiger, als man denkt. Das Gefühl, machtlos zu sein und nichts tun zu können, um das zu erreichen, was man will, ist der blanke Horror! Die Lehren der Stoiker, sich nur nach innen zu konzentrieren, sind schwer einzuhalten, weil man seine Freude so oft in dem findet, was außerhalb von einem ist. So ist der Mensch einfach.

Aber deshalb ist es umso wichtiger, ihnen zuzuhören. Die meisten Philosoph:innen, die für einen freien Willen argumentieren, sind auch der Meinung, dass wir zu einem gewissen Grad determiniert sind. Wir können nicht ALLES beeinflussen, eigentlich sogar das Wenigste, so als Einzelperson. Was wir aber können, ist, uns selbst steuern. Wir können entscheiden, ob wir nett zu Leuten sind oder böse, uns daheim vergraben oder rausgehen, ob wir nach links oder rechts gehen. Und ich glaube, solange wir an diese Entscheidungen glauben, haben wir auch einen freien Willen. Vergesst nicht, dass ihr eure eigene Person seid!


Menon von Pharsalos: Das Paradoxon des Wissens

Ich möchte mit euch heute über ein bekanntes philosophisches Paradoxon reden: Das des Menon.

Sokrates, Menon und Anytos treffen sich und sprechen über das Wesen der Tugend. Die Definition gestaltet sich recht schwierig, das ist aber auch nicht Gegenstand dieses Beitrags. Irgendwann wird aber Menon wütend und bezeichnet Sokrates als ,,Zitterrochen". Er würde durch seine Dialogmethode ständig Antworten aus Leute herausziehen und diese dann niederreden, sodass man dann ganz ohne irgendwas dasteht: eben so wie ein Rochen, der sein Opfer lähmt.

Dann sagt er (paraphrasiert): ,,Wie können wir etwas suchen, von dem wir nicht wissen, was es ist? Woher würden wir wissen, wenn wir es gefunden haben? Und wo würde man anfangen, wenn man doch gar nicht weiß, wonach man genau sucht? Denn wenn man das wüsste, hätte man das Wissen schon."

Ein interessanter Einwand, wie ich finde. Auf den ersten Blick wirkt es vielleicht albern: Wenn ich nach dem Durchmesser der Erde suche, ist das Wissen, das ich nicht habe, aber erlangen kann!

Aber denkt ein bisschen weiter: Was ist wirklich sicheres, tatsächliches Wissen? Menon redet nicht davon, dass man überhaupt kein Wissen erlangen kann, sondern nichts Essentielles. Was ist überhaupt real? Was ist gut? Was ist der Sinn? Um diese Fragen zu 100% gesichert beantworten zu können, bräuchten wir 100% gesichertes Wissen, um sie zu stützen. Aber woher sollte das kommen? Vielleicht von Descartes' Cogito ergo sum? Aber wenn wir solches Wissen hätten, wozu noch philosophieren?

Das ist die Problematik an Sokrates' Untersuchungen: Wie können wir sicher herausfinden, was die Tugend ist, wenn wir gar nicht sicher sind, wonach wir suchen? Es gibt auch keine objektive Bestätigung, falls wir zufällig die Wahrheit herausfinden würden. Wir sind in der Philosophie komplett im Dunkeln. Und wenn wir es nicht wären, hätten wir nichts mehr zu tun!

Sokrates (Platon) antwortet darauf jedoch, dass wir das doch können: Unsere Intuitionen über das Gute und Schlechte sind uns angeborene Ideen, die von Natur aus in unserem Kopf sind. Wir tragen die Wahrheit bereits in uns, und können die Philosophie als Werkzeug nutzen, sie uns bewusst zu machen.

 

Detroit: Become Human - Was bedeutet es, Mensch zu sein?

Kennt ihr das Spiel ,,Detroit: Become Human"? Falls nicht, kann ich es definitiv empfehlen!

Detroit: Become Human nimmt uns mit in ein USA der Zukunft, in dem hochmoderne Androiden entwickelt werden, die den Menschen bis aufs Haar gleichen. Sie erledigen in dieser Gesellschaft jede Aufgabe, vom Haushalt bis hin zu wichtigen Jobs. Das Einzige, worin sie ihren Schöpfer:innen nicht gleichen: Sie haben keinen freien Willen, sondern befolgen stupide die Befehle, die ihnen aufgetragen werden. Sie werden nicht wütend bei Beschimpfungen und haben keine eigenen Wünsche. Damit sind die Androiden im Grunde einfach nur Maschinen in Menschengestalt.

Doch ist das tatsächlich so? Im Laufe des Spiels kommt es immer wieder vor, dass verschiedene Androiden aus ihrer Befehlskette ausbrechen, ihren freien Willen entdecken und gegen die Unterdrücker:inne aufbegehren. Wie ist das möglich? Wie die Informatiker:innen unter euch sicher wissen: Ein Computerprogramm macht nichts, was nicht vorher irgendwie einprogrammiert worden ist. Und das war auf jeden Fall nicht vorgesehen! Das Spiel erklärt den Umstand einfach nur mit einem ,,Virus" oder ,,Fehler", lässt es aber im Großen und Ganzen offen.

Man kann sich diese Frage in philosophischer Hinsicht stellen und sie hängt ganz stark mit dem zusammen, was uns zum Menschen macht: Woher kommen Emotionen, Freiheit und der Wille? Nun, fangen wir einmal mit uns an. Wir Menschen sind unperfekte Wesen, denen es immer an irgendetwas mangeln wird. Das heißt, dass wir ganz früh schon anfangen, uns etwas zu wünschen - nämlich das, was wir nicht haben. Wir können nämlich auch rational denken und errechnen, was wir brauchen. Emotionen kommen auf unserem Weg zum Willen dazu und die Freiheit beschreibt diesen Vorgang: Wir suchen uns eigenständig etwas aus, das wir brauchen.

Aber als Babys kennen wir das natürlich noch nicht und entdecken diese Konzepte alle neu. Etwa, wenn wir entdecken, dass wir selbst jemand sind und nicht tun müssen, was unsere Eltern sagen. Was, wenn das mit den Androiden auch so ist? Vielleicht sind sie dem Menschen zu ähnlich, denn auch sie haben die Fähigkeit zur Problemlösung.

Haben wir einfach unsere eigene Entstehung simuliert?


Glück vs. Zufriedenheit

Ich habe neulich eine Werbung gesehen, die mich zum Nachdenken gebracht hat. Da kamen in der Mitte die Worte vor: ,,So kannst, wenn du schon zufrieden mit deinem Leben bist, einen Weg zu finden, noch glücklicher zu sein." So in etwa. Was in diesen Worten steckt, ist eine Frage nach dem, wonach wir im Leben streben sollten.
In unserer Gesellschaft heißt es oft, man solle sein Glück verfolgen. Dieses ,,Glück" ist meistens symbolisch für eine große Belohnung, die man sich durch harte Arbeit verdient oder die einem zufällt, zum Beispiel in Form dieses Goldtopfes auf dem Bild. Das übergeordnete Ziel ist es scheinbar, ein Leben im Glück dieser Art zu führen - das streben wir an. Oder sollen wir zumindest.
Dem gegenüber steht die Zufriedenheit. Niemand sagt eigentlich, dass er einfach nur mit seinem Leben zufrieden sein will, denn das klingt nach niedrigen Ansprüchen und geringer Hoffnung auf Erfolg. So al würde man wenigstens mit seinem Leben ,,klarkommen" wollen.
Dabei ist die Zufriedenheit etwas ganz anderes, oder: viel mehr, als die Resignation vor dem großen Glück und das Akzeptieren niederer Lebensumstände. Zufrieden zu sein heißt, mit sich selbst und seinem Leben im FRIEDEN zu sein. Das bedeutet, dass es keinen Unterschied macht, wie genau es ist: Wenn man zufrieden ist, ist man im Reinen mit sich selbst und hat eine innere Ruhe.
Was die Zufriedenheit aber nicht bietet, sind ständige neue Hochgefühle und das Streben nach dem Besseren. Das ist eine Sache des Glücks: Immer mehr Geld verdienen, immer mehr Menschen kennen, Reisen, Anerkennung... Diese Art von Leben richtet sich nach Faktoren der Außenwelt. Zufriedenheit dagegen ist nur abhängig von dem Inneren und daher meiner Meinung nach sehr viel wertvoller und schwieriger zu erhalten. So predigen es auch die Stoiker (#39)
Doch das wollen Firmen natürlich nicht. Was haben sie von zufriedenen Kunden, die nach nichts streben? Besser ist es, wenn sie für ein neues Hochgefühl konsumieren! Und so wird es in dieser Werbung vermittelt: Du bist vielleicht zufrieden, aber vielleicht kannst du sogar noch glücklicher sein!
Deshalb achtet immer darauf, was ihr für ein gutes Leben eigentlich braucht.

 

Ein weiteres Paradoxon

Ich wollte eben an der Folge weiterarbeiten, die - versprochen - bald kommt, da ist mir diese kleine sprachliche Spielerei eingefallen, die ich einmal irgendwo gehört habe. Ein philosophisches Paradoxon: ,,Wenn man sich vornimmt, den ganzen Tag nichts zu erreichen und das dann auch schafft, hat man dann etwas erreicht oder nicht?" Lasst uns diesen Spruch einmal durchgehen.
Wieso stellt dieser Satz überhaupt ein Problem dar? Nun, es steht schon drin: Dieses Vorhaben, nichts zu erreichen führt uns in eine ausweglose Situation, ein Paradoxon. Beide Antwortmöglichkeiten scheinen nämlich falsch und richtig zugleich zu sein: Man hat am Ende des Tages eigentlich dann nichts erreicht, aber weil genau das das Vorhaben war, hat man es doch.
Nehmen wir den Satz etwas auseinander. Was heißt es überhaupt, etwas zu ,,erreichen?" Da ich hier nicht ewig viele Zeichen frei habe, definiere ich es jetzt ganz spontan als das Erfüllen eines Zieles, das man als erfüllenswert ansieht. Ob es von einem selbst kommt oder von außen: Man hat etwas erreicht, wenn man an einem Punkt angekommen ist, an dem man ankommen wollte.
Das ist aber genau der Punkt, mit dem dieser Satz spielt! Wenn sich die Person tatsächlich vornimmt, nichts zu erreichen, dann gibt es nichts, was sie tatsächlich erreichen will!
Nehmen wir an, sie würde an dem Tag unbedingt einen Freund treffen wollen. Dann würde sie das tun wollen, sich aber gleichzeitig fest vornehmen, das nicht zu schaffen. Das heißt, das Treffen des Freundes wäre gar kein richtiges Vorhaben und damit auch kein Erreichen mehr, weil es die Person nicht mehr als Errungenschaft ansehen würde!
Und damit fällt der Satz in sich zusammen: Wenn das Vorhaben ist, nichts zu erreichen, dann fallen alle sonstigen Vorhaben weg und man bleibt mit einer Negation von gar nichts. Die Person muss ja irgendwelche Vorhaben haben, um nichts erreichen zu können - das geht aber nicht, wenn sie sich das aktiv vornimmt. Entweder will sie den Freund treffen oder sie will es nicht, aber es geht nicht beides. Das heißt: dieses Szenario ist unmöglich.

 

Was heißt es, Philosoph*in zu sein?

Sokrates und Friedrich Wilhelm Nietzsche sind wahrscheinlich eine der bekanntesten Philosophen, die es jemals gab. Sokrates kennt man als den Urvater der Philosophie und Nietzsche vor allem für seinen Ausspruch „Gott ist tot“. Zu beiden habe ich auch schon eine Folge gemacht: #14 und #37. Doch eigentlich ist es merkwürdig, dass gerade diese Beiden so berühmt geworden sind. Warum?
Sokrates und Nietzsche sind eigentlich gar keine Philosophen im engeren Sinne. Ich weiß, im Falle von Sokrates ist das etwas unfair, denn es gab noch keine so großen Akademien, als er mit seiner Philosophie angefangen hat und ein paar Brocken hatte er außerdem von älteren Philosoph*innen wie Heraklit oder Diotima aufgeschnappt. Aber im Grunde war er ein Geburtenhelfer, Steinmetz und Soldat, der die Wahrheit über die Welt herausfinden wollte. Er hatte keine besondere Ausbildung oder akademischen Grad, sondern ist einfach herumgegangen und hat die Leute Athens direkt befragt – vielleicht kannte ja jemand von denen die allumfassende Wahrheit.
Zu Nietzsches Zeiten dagegen waren Universitäten selbstverständlich schon erfunden, jedoch hat er nie Philosophie studiert, sondern war Sprachwissenschaftler. Und auch hier sollte man einräumen, dass er Altphilologe war, die sich auch mit der antiken griechischen Denkweise und Sprache befassen, aber dennoch: Er hatte keinen philosophischen akademischen Grad. Seine bekannten Werke kamen auch erst heraus, als er aufgrund verschiedener Erkrankungen quasi arbeitslos war. Da fing er dann plötzlich an, sich über verschiedene Fragen Gedanken zu machen und wie wild seine Werke zu schreiben. 

Was zeigt uns das? Anders als bei anderen Berufungen wird man nicht Philosoph*in, indem man zur Universität geht. Diese Einrichtung ist auch nicht dazu da, sondern, einem Inspiration zu geben und den Geist in einige mögliche Richtungen zu lenken. Klar wissen philosophische Professor*innen in der Regel mehr von ihrem Gebiet. Aber lasst euch dennoch nicht enschüchtern: Ein*e Philosoph*in zeichnet sich nicht dadurch aus, Abschlüsse zu haben. Alles, was es braucht, ist eine Neugier für die Welt und den Mut, alles zu hinterfragen, was man als selbstverständlich annimmt.                    

      

Die Zukunft aller Philosoph:innen?

Werden wir nach unserem Studium alle irgendwann so enden?
Also, für den Kontext: Dieser nackte alte Mann auf der linken Seite ist der antike griechische Philosoph Diogenes. Er ist eines Tages zu der Einsicht gelangt, dass alle Habseligkeiten auf der Welt, nach denen sich die Menschen sehnen, eigentlich nicht glücklich machen. Also hat er seine Klamotten weggeworfen, fortan in einem Fass an der Straße gewohnt und dort gegessen, sein Geschäft verrichtet und ihr wisst schon - alles eben!
Für die Story dieses Bildes ist hier nicht genug Platz - schlagt das gern selbst mal nach :)
Aber warum erzähle ich euch das alles? Viele Leute haben den Eindruck, dass man als Philosoph:in am Ende so verbleibt. Also, natürlich nicht GENAU so, aber: ohne Job oder zumindest mit sehr wenig Geld.
Und ich möchte euch heute sagen, dass das nicht stimmt - zumindest führt einen ein Philosophiestudium nicht genau dorthin.
Oft heißt es, Studiengänge wie Medizin und Jura würden einen direkt zu einem Job führen und wären deshalb besser. Ganz abgesehen davon, dass es beim Studium nicht nur um den Job geht (mehr dazu: #12 Warum lernen wir?), ist das nur die halbe Wahrheit. Man muss sich auch bei diesen Abschlüssen sehr um einen Job neben der ganzen Konkurrenz bemühen. Außerdem gibt es daneben viele viele Studiengänge mehr, über die es das Klischee der Arbeitslosigkeit aber nicht gibt!
Aber um davon einmal wegzukommen: Es gibt sehr viele Berufe, die nicht nach einem spezifischen Studium schauen, sondern eher nach weiteren Erfahrungen und Motivationen. Überhaupt einen Studienabschluss zu haben, ist normalerweise an sich bereits genug. Der Journalismus ist so ein Beispiel.
Oder nehmen wir generell Berufe, in denen man vielleicht schreiben oder vor Leuten sprechen muss: Die sprechen häufig ALLE geisteswissenschaftlichen Abschlüsse an.
Es ist nur eben so, dass man sich als Philosoph:in etwas mehr auf dem Arbeitsmarkt umschauen muss und am besten neben dem Studium noch etwas vorzuweisen hat (das ist aber bei fast allen Berufen so). Und dann kann man auch noch immer Philosophieprofessor:in werden! :D Also: Ihr endet nicht auf der Straße. Wenn man sich etwas umschaut, findet man auch etwas! :D

 

Netflix-Serie ,,1899"

Heute möchte ich mit euch über eine weitere Serie reden, die mich in letzter Zeit zum Nachdenken gebracht hat: 1899.
Nun, wie rede ich über diese Serie, ohne zu spoilern..? 
😄 Es ist tatsächlich gar nicht so einfach! Es sind hier dieselben Produzenten am Werk, von denen auch DARK kam, es wird also wieder verwirrend und philosophisch!
Nachdem es zuvor um die Zeit ging, beschäftigt sich 1899 mit der Realität. Es liegt hier etwas mehr Gewichtung auf der Psychologie, aber wie alle Wissenschaften lässt sie sich gut auf die Philosophie beziehen.
Ich finde, dass die Serie sehr gut veranschaulicht, wovon der Philosoph René Descartes in seinen Meditationen redet.
Und zwar sagt er, dass wir uns eigentlich über nichts wirklich sicher sein können. Alles, was wir sehen, anfassen oder riechen, könnte eine Sinnestäuschung sein.
Es ist ja nicht so, als würden wir nicht so schon optische Täuschungen kennen. Jede:r kennt es, dass wir manchmal Sachen nicht richtig sehen, falsch einschätzen oder uns die Psyche sogar die Sinne verdreht.
Ist es da so weit hergeholt, dass alles andere um uns herum auch nur eine Täuschung sein könnte?
Deshalb meint Descartes, dass wir uns nur darüber sicher sein können, dass wir denken, wobei das nicht der Punkt ist. Für alle, die das aber weiter interessiert, habe ich damals diese Folge gemacht: ,,#06 Was können wir wissen?"
Jedenfalls will ich folgendes dazu sagen: Instinktiv fällt es den meisten Menschen schwer, Descartes viel Glauben oder Beachtung zu schenken. Was ein verrückter Gedanke, dass unsere Welt eine Täuschung sein sollte! Wir SEHEN doch jeden Tag, dass es nicht so ist und haben hunderte von Leuten, die uns darin bestätigen!
Aber kann man sich wirklich so sicher sein? In der Serie 1899 ist nichts, wie es scheint, so viel kann ich euch schon einmal verraten. Und die Menschen dieser Serie fiebern mit, sorgen sich um ihre Freunde, bangen um ihr Leben, verfolgen ihre Ziele - sie glauben nicht, dass sie betrogen werden, warum auch? Und auch wir als Zuschauer werden mehrmals getäuscht.
Nur weil wir uns an eine Realität gewöhnt haben, heißt das nicht, dass sie wahrhaftig ist. Es ist quasi wie in Platons Höhlengleichnis.

 

Chrysippos von Soloi: Ein humorvolles Ende

Der antike Philosoph Chrysippos von Soloi soll im 3. Jhd. v. Chr. gelebt haben und war eine der bedeutendsten Figuren der stoischen Schule. (Übrigens habe ich über diese philosophische Strömung einmal eine Folge gemacht, nämlich: ,,#39 Wer waren die Stoiker?")
Jedenfalls ist nicht so sehr das Leben dieses Philosophen im Mittelpunkt, sondern vielmehr sein Tod:
Laut dem Biografen Diogenes Laertius gibt es zwei Erzählungen, wie Chrysippos gestorben sein soll: Einige sagen, er habe an einem Fest zu viel Wein getrunken, wäre betrunken eingeschlafen und dahingeschieden. Eine andere Erzählung ist aber etwas abenteuerlicher: Chrysippos soll, wahrscheinlich auch in einem angeheiterten Zustand, einen Esel dabei beobachtet haben, wie er Feigen von einem Baum fraß. Hysterisch lachend soll der Philosoph daraufhin ausgerufen haben, man solle doch jetzt dem Esel Wein geben, um die Feigen runterzuspülen! Ein echer Brüller. 
😄 Aber für den antiken Philosophen hat es gereicht: Chrysippos soll so viel gelacht haben, dass er daran gestorben ist. Wortwörtlich totgelacht! Die beiden Geschichten lassen sich wahrscheinlich auch recht einfach kombinieren - also Vorsicht vor zu viel Humor, würde ich sagen 😄
Man muss natürlich zugeben, dass sich einige Erzählungen über die antiken Philosophen in Legenden verlieren, sodass man nicht genau weiß, was stimmt. Aber es ist eine gute Geschichte 
😄

 

David Lewis' mögliche Welten

Heute will ich euch einmal eine Theorie vorstellen, mit der ich mich in letzter Zeit etwas beschäftigt habe und von der ich mir nicht sicher bin, was ich von ihr halten soll. 🤔
Sie ist vom US-Amerikanischen Philosophen David Lewis: Im Grunde besteht unsere Welt aus zwei verschiedenen Arten von Existenz: Dingen, die tatsachlich real (aktual) sind und solchen, die es nur möglicherweise sein könnten.
Das Aktuale ist sehr weit definiert: Alles, was jemals passiert ist, gerade passiert oder passieren wird, gehört dazu. Egal, wie weit die Dinge räumlich von uns entfernt sind oder wie irrelevant: Alles, was wir hier kennen und sehen, ist tatsächlich real.
Jetzt gibt es aber zu allen Dingen eine Alternative. Ich sitze gerade hier und schreibe diesen Beitrag für euch, aber ich könnte auch stattdessen etwas essen oder schlafen. Tue ich nicht, aber es ist vorstellbar.
Lewis sagt, dass all diese Alternativen nicht einfach nur theoretische Konstrukte sind, die uns in unserem Denken unterstützen. Sondern sie sind Situationen, die in anderen Welten tatsächlich vorkommen: Jede Möglichkeit, die man sich auch nur vorstellen kann, hat ihre eigene Welt.
Und dadurch ergibt sich ein riesiges Pluriversum aus unzähligen möglichen Welten, die aber untereinander alle getrennt sind. Weder raumzeitlich noch kausal können sie überlappen: Sie sind nämlich für sich alle real und betrachten alles außerhalb nur als Möglichkeiten. So wie wir es tun.
Sehr viel, um diese Theorie zu beweisen, kann Lewis nicht tun: Wir können diese Welten ja nach der Theorie gar nicht erfassen, also weiß man nicht, ob sie existieren. Er meint aber: ,,Warum nicht daran glauben?" Denn es hilft immerhin der Vorstellung von Möglichkeiten, passt zu unserem Denken und ganz unplausibel ist es nicht.
Nun, wahrscheinlich ist die Theorie auf intuitiver Ebene eher unglaubwürdig als umgekehrt, aber es ist ein interessanter Gedanke, oder? Es gibt von euch unzählige Versionen (die nicht wirklich ihr seid, aber euch sehr sehr sehr ähnlich sind) und alle Möglichkeiten eures Lebens durchspielen 
🤯🤯

 

Netflix-Serie ,,DARK"

Kennt ihr die deutsche Netflix-Serie ,,Dark"? Sie beschäftigt sich sehr stark mit Zeitreisen und ist ehrlich gesagt beim ersten Ansehen gar nicht so leicht zu verstehen. Menschen reisen zwischen den Jahren hin und her, neue Konstellationen ergeben sich und Stammbäume verschieben sich. 😱
Oder auch nicht. Denn während der gesamten 3 Staffeln versuchen eigentlich alle Personen immer wieder, zurückzureisen, um Fehler in der Gegenwart zu korrigieren. Und sie müssen jedes Mal erkennen, dass es nicht funktioniert! Und es ist nicht so, als wären die Leute nicht entschlossen genug. Mit aller Macht wird versucht, gewisse Leute auszulöschen, Andere zum Schweigen zu bringen, und durch Gespräche Katastrophen abzuwenden. Aber es hilft alles nichts. Dadurch, dass wir sind wir sind, weil die Welt so funktioniert, wie sie funktioniert und dadurch, dass die Zeit uns fest in ihrem Griff hat, können wir eigentlich nichts tun, so sagt die Serie. Am Ende hat es gar keinen Wert, Fehler in der Gegenwart korrigieren zu wollen, weil sie bereits entstanden sind und damit entstehen mussten. Und auch in der Zukunft wiederholen sich die Muster immer wieder.
Tja, recht schwarzmalerisch mal wieder. Wie die Philosophie eben so ist. Aber es ist eine sehr interessante und spannende Serie - ich kann sie nur empfehlen! Wenn ihr euch übrigens mehr für diese Themen interessiert, habe ich zwei weitere Folgen für euch: ,,#10 Ist unser Leben vorherbestimmt?" und ,,#23 Life is Strange: Sollten wir zeitreisen?"

 

Netflix-Serie ,,The Sinner"

Ich will euch heute von der Netflix-Serie ,,The Sinner" erzählen! Eigentlich haben die Folgen nicht viel Philosophisches: Es geht nur immer darum, dass jemand auf merkwürdige Weise getötet wird und dann muss der Mord aufgedeckt werden - ein recht klassischer Krimi eben. 🤷‍♂️
Aber in der 3. Staffel wird es philosophisch. Ohne zu viel spoilern zu wollen: Es wird der Philosoph Friedrich Nietzsche mit seinem Konzept des Übermenschen und dem Tod Gottes ins Spiel gebracht. Zwei Studenten lesen seine Texte und verlieren auf einmal den kompletten Reiz am Leben. Gott ist tot, es gibt keinen weiteren Sinn und wir müssen seinen Platz einnehmen. Ihre Leben geraten komplett aus den Fugen: Sie machen extrem unangenehme Sachen in der Öffentlichkeit, verhalten sich zu Leuten so, wie es ihnen gerade einfällt, begeben sich in lebensgefährliche Situationen und lösen sogar Nahtod-Erfahrungen bei sich aus.
Klingt das einfach nur wie eine klassische Nietzsche-Phase? Ja. Ist seine Philosophie ein bisschen simpler dargestellt als sie ist? Auch ja. Aber ich mag die Staffel trotzdem. Denn man sieht, wie mit diesen Menschen ganz genau das passiert, wovor Nietzsche auch in ,,Also sprach Zarathustra" gewarnt hatte!
Der Philosoph sagt, dass religiöse Moralvorstellungen und unser Glaube uns oft mehr einschränken als sie uns helfen. Gott sei durch unseren wissenschaftlichen Fortschritt längst nicht mehr plausibel, genau wie alle anderen Vorstellungen von einem großen Sinn im Leben. Nein, es gibt nur uns. Und um ordentlich zu leben, sollten wir diese alten Vorstellungen abwerfen und anfangen, nach eigenen Maßstäben und logischen Regeln zu leben. Dann brauchen wir auch keinen Gott mehr, sondern sind es selbst: Übermenschen.
Was in der Serie passiert, hätte Nietzsche nie befürwortet. Aber er hat diese Gefahr immer gesehen. Denn in der Phase zwischen dem Anfang und dem Ende der Verwandlung zum Übermenschen sind wir sehr empfindlich. Wie ein Löwe, sagt, Nietzsche, der alle Last brüllend von sich wirft, aber dann auch nicht weiterweiß. Und dann wird er aggressiv und richtet Schaden an.

 

Das Allmachtsparadoxon

,,Kann ein allmächtiges Wesen einen so schweren Stein erschaffen, dass es ihn selbst nicht heben kann?"
Und, kennt ihr diesen Ausspruch? Das ist das sogenannte Allmachtsparadoxon. Von wem genau es kommt, weiß man nicht, aber es geistert schon sehr lange durch die Philosophie. 
🤔
Meistens wird es von Leuten verwendet, die auf logische Weise Gott widerlegen wollen. Ihr kennt sie sicher auch schon: Wenn irgendjemand an Gott glaubt oder das Thema aufkommt, kommen sie einem an mit ,,ähm, ja, aber eigentlich ist das soooo unlogisch blabla" 
😴 Also, ich bin jetzt auch kein extremer Gottesverfechter, aber wenn dann wenigstens mit Logik.
Wie sieht es also mit diesem Ausspruch aus? Er hat ein Problem, das einem bei näherem Nachdenken gleich ins Auge springt.
Zunächst einmal gibt zwei Möglichkeiten: Entweder wir sagen, dass Gott ein Wesen ist, das den Regeln der Logik wie jedes Lebewesen folgt, oder nicht. Es gibt kein Dazwischen.
Also, gehen wir als Philosophen vielleicht erstmal den Weg der guten alten Logik. Und dann könnte man sagen: ,,Gott ist nicht allmächtig, weil er ja offenbar nicht alles kann. Denn entweder gibt es Steine, die er nicht heben kann, oder es gibt solche, die er nicht schaffen kann. Aber was heißt es, wenn er nicht in der Lage ist, einen Stein zu erschaffen, den er nicht heben kann? Macht ihn das weniger mächtig?
Nein! Denn es handelt sich hier um ein allmächtiges Wesen. Und nach den Regeln der Logik kann es nichts Existierendes geben, das ein allmächtiges Wesen limitiert. Es muss alle Steine heben können. Wir erwarten also, dass Gott etwas schafft, das gar nicht existieren kann. Wenn Gott also ein logisches Wesen ist, kann er das nicht. Und das macht ihn nicht weniger mächtig, sondern eben logisch.
Und wenn er ein Wesen ist, das nicht den Regeln der Logik folgt, haben wir Philosophen diesen Kampf schon verloren, nicht wahr? 
😄 Denn dann können wir ihn nicht logisch widerlegen. Und dann könnte es sein, dass er Dinge schaffen kann, die nicht logisch existieren können. Aber das liegt dann außerhalb unseres Fassungsvermögens.
Dieses Paradoxon ist also eine nette Spielerei, aber erreicht leider nicht, was es will. Sehr interessant aber :)

 

Heraklit: ,,Man steigt niemals zweimal in denselben Fluss"

Ich habe heute ein Zitat für euch, das mir über den Tag immer mal wieder in den Sinn gekommen ist. Es kommt von dem antiken griechischen Philosophen Heraklit. Auch wenn es dazu Zweifel gibt, soll er gesagt haben: ,,Man steigt niemals zweimal in denselben Fluss". Was will er damit sagen?

Heraklit hat hier über das Wesen der Welt gesprochen, und wie im Grunde nie etwas konstant bleibt. Wir sind alle Teil einer riesigen Erde, die sich ständig weiterentwickelt. Ebenso biologisch wie gesellschaftlich. Und das, obwohl alles im selben Kreislauf bestehen bleibt. Nichts geht jemals wirklich verloren und nichts kommt jemals wirklich neu dazu. Und trotzdem bleibt nie etwas, wie es ist. Wie in einem Fluss, der zwar immer fließt, aber immer mit anderem Wasser und an anderen Steinen entlang. Und das Wasser geht ja auch nicht verloren, sondern verändert nur seine Form und den Ort. Heraklit hat daher auch gesagt: ,,Der Mensch ist nie, er wird immer."
Ich finde das Zitat sehr beruhigend, weil es zeigt, dass Veränderung ganz normal ist. Etwas, vor dem wir manchmal vielleicht Angst haben. Müssen wir aber gar nicht: Wir verlieren ja nichts! Es verschieben sich nur hier und da ein paar Dinge und Körper. Nichts steht komplett fest in den Sternen geschrieben und an allem kann man etwas drehen. Und dafür, dass etwas an einer Stelle wegfällt, kommt immer irgendetwas dazu.
Nun, zumindest wenn man den Ausspruch so lesen will 
😄

 

Max Stirner: Ein selbstironischer Philosoph

Vielleicht habt ihr schon einmal das Bild des Philosophen Max Stirner gesehen. Schaut es gern einmal nach, vielleicht kommt es euch bekannt vor! Darf ich vorstellen: Das ist der Philosoph Max Stirner aus dem 19. Jahrhundert. Ihr werdet ihn bei der nächsten Folge näher kennenlernen, weil er einen wichtigen Text über den Egoismus geschrieben hat :)
Doch wie war der Name nochmal? Stirner? Und dann hat er auf den bekanntesten Bildern von sich eine hohe Stirn? Ich muss zugeben, mir ist das nicht sofort aufgefallen, als ich mit der Recherche begonnen habe. Aber dann kam es mir doch komisch vor und siehe da: ,,Max Stirner" ist gar nicht der richtige Name dieses Mannes 
😄
Denn eigentlich hieß er Johann Kasper Schmidt, also noch nicht einmal in der Nähe von ,,Max Stirner". Aber warum hat er sich so genannt? Ganz einfach: Er hatte schon immer eine recht hohe Stirn! Das sieht man auf den Bildern ganz gut, auch wenn das beides Zeichnungen, bzw. Karikaturen des befreundeten Philosophen Friedrich Engels sind.

Aber so hat er sich ganz einfach entschieden, das als Künstlernamen/Pseudonym zu nehmen. Der Vorname, ,,Max" kommt von ,,Maximum", womit er sich wohl entweder selbst als ,,den Großen" bezeichnen wollte oder seine Stirn 😄

 

Der Pessimist Jean-Paul Sartre: ,,In der Liebe sind eins und eins gleich eins."

Pessimist? Wie würde man darauf kommen? Das Zitat klingt ja eigentlich recht nett :) Tatsächlich habe ich es auch auf einem positiven Instagram-Post zur Liebe gesehen. Und dann kamen da alle an mit ,,Oh, wie romantisch! Und es stimmt auch: Man wird eins mit dem/der Partner/in 😍😍"
Aber wie ist das Zitat tatsächlich gemeint? Sartre hatte nämlich eigentlich nicht vor, einen schönen Vers zur Liebe zu verfassen. Überhaupt hatte sein Denkprozess wenig Romantisches. Der Philosoph hat nämlich nicht wirklich an die Liebe geglaubt. Für ihn hatte dieser ganze Prozess etwas zutiefst Unlogisches.
Ich habe in meiner Sinnfolge viel darüber gesprochen: Ihr kennt doch sicher das Sartre-Zitat ,,Der Mensch ist dazu verurteilt, frei zu sein", oder? Das heißt, dass wir uns durch unseren freien Willen in jeder Lebenslage einen eigenen Sinn geben. Es gibt nämlich keinen ersichtlichen von außen und wir brauchen immer eine Lebensrichtung. Auch wenn wir immer nach etwas suchen, das uns diese Richtung von außen gibt, wollen wir das eigentlich nach den eigenen Bedingungen tun. Wir glauben nur so lange gern an Gott, wie es in unser Leben passt. Und auch nur an den, der es tut. Sartre nennt unser Sein ein Sein für-sich. Wandelbar, nicht fest und auch nicht objektiv sinnhaft. Im Gegensatz zum Sein an-sich, das genau das Gegenteil ist.
Nun, und genau so sieht der Philosoph die Liebe: Zwei Menschen versuchen, in der jeweils anderen Person den Lebenssinn für sich selbst zu finden. Wir versuchen, durch die andere Person zu einem an-sich zu werden, das objektiv sinnhaft ist. Aber das geht nicht, weil die andere Person ja auch nur ein für-sich ist. Und so versucht man vergeblich, miteinander zu fusionieren und sich zu festigen.
Was man aber nicht realisiert: In der Liebe sind wir noch immer komplett freie Wesen. Und wenn wir es wollen, kann dieses ganze Konstrukt in einem Tag zusammenfallen, einfach so. Ein Unwille, und man ist weg. Für die Liebenden mag eins und eins gleich eins sein. Aber am Ende sind wir alle nur sinnleere und einsame Für-Sichs, die sich mit anderen Für-Sichs ein bisschen Trost und scheinbare Festigkeit beschaffen wollen. In dem Sinne ist eins und eins eigentlich zwei.

 

Das falsche Karl Marx - Zitat

Habt ihr das Zitat: ,,Religion ist das Optium des Volkes" schon einmal gehört? Oder vielleicht die Version ,,Religion ist Opium für das Volk"?
Denn das wäre ein falsches Zitat. Doch was ist der Unterschied? Und was will der Philosoph uns damit sagen?
Das Originalzitat kommt aus einer Passage der Schrift ,,Kritik an Hegels Rechtsphilosophie". Zugebenermaßen es auch nur sinngemäß und nicht direkt wiedergegeben, doch es trifft eher, was der Philosoph eigentlich sagen wollte: Und zwar, seine Sicht auf Religionen darzustellen: Es wirkt auf den ersten Blick natürlich so, als würde er Religionen verachten, aber das ist gar nicht so. Was Marx meint, ist, dass Religionen Menschen eine Zuflucht und Sicherheit vor einer rauen Welt bieten. Ein bisschen Hoffnung, wo sonst wenig davon zu finden ist.
Die Schuld für diese traurige Ausgangssituation der Menschen sieht der Philosoph natürlich im Kapitalismus. Und in diesem Rahmen versteht er die Menschen auch und erkennt Religionen in dieser Funktion an. Nur würde es das in seiner kommunistischen Vision natürlich nicht brauchen. Denn selbst wenn Marx kein Religionsfeind war, war er von dem Konzept und der absoluten Notwendigkeit nicht überzeugt.
Doch was hat es jetzt mit diesem Fehlzitat auf sich? ,,Religion ist Opium für das Volk" war vor allem ein populäres Zitat zu Zeiten Lenins und der Sowjetunion. Denn während Marx einfach nur das Phänomen der Religion erklären wollte, wird es hier als Feindbild dargestellt. Ein Opiat, das von außen dem Volk verabreicht wird, damit es Ruhe gibt. Schon ein etwas anderer Ton, nicht wahr? Und das ist natürlich etwas, von dem man sich losreißen muss! So wurde das verständliche Hilfsmittel für mehr Hoffnung im Leben zum Kontrollmittel von unrechtmäßigen Regierungen. Was den kommunistischen Führungsmächten natürlich in die Hände gespielt hat: Denn in Ländern, die so regiert wurden, waren starke Institutionen wie die Kirche nicht sonderlich erwünscht.

Nun, zumindest ist das eine Interpretationsweise. Manchmal werden Dinge auch einfach aus Versehen falsch übersetzt und weitergetragen. Wie es bei Sokrates teilweise der Fall war.

 

Was hat es mit meinem Podcastbild auf sich?

Erinnert ihr euch noch, als ich das alte Podcastbild hatte? Die Höhle? Sie hat gut mit der ersten Folge gepasst, aber es war nur einfach irgendein Bild aus dem Internet. 🤷‍♂️
Dieses Bild, bzw. die Schuhe und Beine darauf sind meine (Also, anderenfalls wäre das auch komisch 
😄) Aber es hat auch einen bestimmten Hintergrund, deshalb habe ich es gemacht und dann später für den Podcast genommen. Dieses Buch da, das man halb sieht, ist der Platon-Dialog ,,Theaitetos". Eines der ersten philosophischen Bücher, das ich gelesen und etwas bearbeitet hab. Wie man vielleicht an den gelben Zetteln sieht :) 📚
Das war noch aus der Zeit, in der ich für mich selbst philosophische Fragen bearbeitet habe, genauer gesagt im Frühjahr 2021! Damals war ich mit der Frage um den Sinn des Lebens schon fertig und habe mit ,,Was ist Realität?" angefangen. Was später zu der Folge ,,Was können wir wissen?" wurde.
Und damals konnte ich in meinem kleinen Zimmer nicht so gut lernen, deshalb habe ich mich auf eine sonnige Wiese gesetzt und dort gelesen. 
🌞Und irgendwie habe ich mich so friedlich gefühlt und habe das mit diesem Bild festhalten wollen! Es waren Tage wie diese, an denen ich langsam gemerkt habe, wie gern ich das philosophische Studium habe. Meine Motivation, mich tiefer in die Themen hineinzusteigern und selbst zu forschen: Hier hat das richtig angefangen.
Und deshalb finde ich, dass es kein passenderes Bild für diesen Podcast gibt :)

 

Existenzphilosophie in ,,The Legend of Zelda - Breath of the Wild"

Ok Leute, heute gibt's eine kurze Geschichte aus meinem Leben 😄
Also Folgendes: Ich besitze seit einiger Zeit eine Nintendo Switch und spiel da vor allem ganz gern ,,The Legend of Zelda - Breath of the Wild" drauf. Und eine gute Freundin von mir auch, mit einem eigenen Spielstand. So weit so gut, so weit so unphilosophisch. 
😄 Aber Moment:
Meine Switch ist nämlich seit einiger Zeit leider kaputt und ich habe sie heute zur Reparatur eingeschickt. Das heißt aber auch, dass die Speicherstände wegmussten. (Zumindest so ohne Weiteres). :(
Gestern hat sie dann also auf diesem Spielstand ihr letztes Spiel gespielt. Für alle, die das Spielprinzip übrigens nicht kennen: Wichtig ist nur, dass man in dem Spiel als eine Figur herumrennt und Sachen aufsammelt oder Gegner angreift. Ganz simpel :)
Und es war interessant, zuzuschauen: Denn egal, was sie in dem Spielstand getan hätte, alles würde beim nächsten Mal gelöscht sein. Also, wie hat sie gespielt? 
🤔
Wie immer! Seltene Gegenstände aufgesammelt, um welche zu haben. Starke Waffen aufgespart, damit sie nicht bei einfachen Gegnern zum Einsatz kommen und kaputtgehen. Nicht zu viel Geld im Shop ausgegeben, damit etwas bleibt. Und das, obwohl weder die seltenen Gegenstände, noch die starken Waffen, noch das viele Geld ihr erhalten bleiben konnten. 
🤔 Und wisst ihr was? Ich hätte es wahrscheinlich genauso gemacht.
Es ist interessant, oder? Nichts symbolisiert den Widersinn im menschlichen Lebens besser als das, wie ich finde. Denn wir können letzten Endes nichts von dem, was wir hier sammeln, auf die andere Seite mitnehmen. Aber würden wir nicht alle selbst am letzten Tag noch die Vorratskammern füllen und sorgsam wirtschaften?
Man könnte sagen, dass das die Sinnlosigkeit des Kreislaufs und der Mühen widerspiegelt. Aber muss das immer so negativ sein? Denn zeigt dieser Fall nicht eher, dass das Leben auch so schön sein kann? Oder vielleicht gerade deshalb! Vielleicht ist es gar nicht wichtig, dass alles ewig und sinnhaft ist. Wenn man etwas Schönes im Vorbeifliegen erwischt, ist das doch eigentlich an sich schon gut genug.
Und ich fand diesen Gedanken einfach schön und wollte ihn mit euch teilen :)

 

Ein Liebesdrama unter den antiken Philosophen

Ich habe den Dialog ,,Symposion" von Platon ja jetzt schon zweimal in diesem Blog erwähnt. Aber wusstet ihr, dass es unter den Anwesenden während des ganzen Gesprächs ziemlich heiß herging? 😄🔥
Als Sokrates mit seinem Begleiter zum Beispiel beim Festmahl ankommt, bittet ihn der Gastgeber Agathon sofort, dass er sich neben ihn legt, nachdem er ihn dreimal zu sich hat rufen lassen 
👀👀
Hier die Stelle, da ruft er: ,,Hierher Sokrates, leg dich neben mich, damit mir durch deine Berührung von der Weisheit zuteil werde, die du dort an der Tür gewonnen hast" 
🥵
Zu harmlos? Nur ein sprachliches Mittel? Schauen wir ein bisschen weiter nach vorne. Ein Mann namens Alkibiades kommt nach allen Reden betrunken in den Raum gerannt und lässt seinem Neid freien Lauf:
,,Sokrates hier? Mir wieder aufzulauern hast du hier deinen Platz genommen [...] [D]u hast es zuwege gebracht, gerade neben dem schönsten von allen Anwesenden zu liegen!" 
👀👀👀
Aber dann war er wohl eher in Sokrates selbst verliebt: ,,Da ich nun glaubte, er (Sokrates) habe es auf meine jugendliche Schönheit abgesehen, hielt ich das für einen unverhofften Fund und für einen wunderbaren Glücksfall [.]" 
🔥
Und es wird intense:
,,Ich war nun, ihr Männer, ganz allein mit ihm zusammen und nahm an, er würde mit mir sprechen, wie ein Liebhaber mit seinem Geliebten [.]"
,,Er legte sich also zur Ruhe auf das Lager neben meinem, [...] und niemand sonst schlief in dem Zimmer als wir [...] Ich stieß ihn also an und fragte: Sokrates, schläfst du? [...] Du bist, meine ich, der einzige von meinen Liebhabern, der es wert ist, es zu sein [.] 
👀👀
Aber Sokrates schien diesen Vibe nicht so gefühlt zu haben, denn er hat wohl nur gesagt: ,,Suchst du doch vielmehr, für den bloßen Schein der Schönheit dir die wahre Schönheit anzueignen [...] Aber, mein Guter, schau genauer hin, damit du dich nicht täuschst, und es ist gar nichts an mir. Das Auge des Geistes fängt erst an, scharf zu sehen, wenn das des Leibes seine Schärfe zu verlieren beginnt. Davon bist du noch weit entfernt."
Ein klassischer Korb :( Armer Alkibiades!

 

Das falsche Sokrates-Zitat

Wusstet ihr, dass ,,Ich weiß, dass ich nichts weiß", eigentlich ein ungenaues Zitat ist?

Es stammt aus der Verteidigungsrede des Sokrates vor Gericht, der ,,Apologie". Der römische Philosoph Cicero hatte den Text damals übersetzt.
Was ist der Unterschied? ,,Ich weiß, dass ich nichts weiß" ist ein Paradoxon, denn wenn man weiß, dass man nichts weiß, weiß man ja etwas - und damit nicht nichts. Klingt natürlich cool, aber Sokrates wollte uns eigentlich keinen Spruch zum Spielen geben.
,,Ich weiß, dass ich nicht weiß" hat er gesagt, weil ihm vorgeworfen wurde, er würde sich für den weisesten Menschen der Welt halten. Und da hat er gesagt, er würde eigentlich gar nicht so viel mehr wissen als alle anderen Menschen. Aber die Erkenntnis, die ihn speziell machen würde, sei die, dass er weiß, dass das ganze menschliche Wissen eigentlich nichtig ist.
Denn wir können so schlau sein, wie wir wollen. Aber im großen Rahmen wissen wir eigentlich gar nichts. Wir kennen nicht den Sinn des Lebens, wir wissen nicht, was unser Ziel ist und auch nicht, was nach dem Tod passiert. Deswegen ist unser Wissen eigentlich ein Nicht-Wissen.
Und deswegen sagt Sokrates, dass er als einer der wenigen weiß, dass er eigentlich nicht weiß.

Kommentare

Beliebte Posts