#20 Gibt es Gott?
Zusammenfassung
Glaubt ihr an Gott? Ob ja oder nein, habt ihr euch doch sicher schon einmal gefragt, ob es ihn denn auch wirklich gibt, nicht wahr? Kann man das überhaupt aus philosophischer Sicht beantworten. Nun, vielleicht habt ihr schon einmal von den Gottesbeweisen gehört. Der mittelalterlicher Philosoph Thomas von Aquin hat da 5 aufgestellt, die alle die Existenz Gottes beweisen sollen. Sie funktionieren aber natürlich nicht wie naturwissenschaftliche Beweise. Deshalb sagt Kant auch, das wäre alles Humbug und aus der Luft gegriffen. Aber wenn sich schon jemand die Mühe macht, Gottesbeweise aufzustellen, wird da schon auch etwas dran sein, oder? Ich würde sagen, wir geben den Theolog:innen einmal eine Chance und schauen uns das einmal genauer an. Hallo zusammen und herzlich willkommen zu einer weiteren Folge von „Philosophie für zwischendurch“.
Vorbemerkung
Wow, es ist hier schon wieder ein bisschen was passiert seit der letzten Folge! Die meisten von euch wissen das sicher: Die längste Zeit war ich mit diesem Podcast nur auf Spotify und Google Podcasts! Beziehungsweise Anchor, die Platform, die meine Folgen verteilt. Aber darauf antwortet ja wahrscheinlich keiner direkt. Naja, und zwischen dem Upload der letzten und heutigen Episode habe ich da ein bisschen erweitert. Falls euch eine der folgenden Platformen vielleicht mehr zusagt oder ihr jemanden kennt, der nur die hat, das sind sie: Youtube, Apple Podcasts, Deezer, Audible, Castbox, Overcast, Pocket Casts, RadioPublic und Stitcher. Das ist ziemlich praktisch so, denn jetzt können die Leute die Ausrede, dass sie kein Spotify haben, nicht mehr bringen, wenn ich sie dazu nötigen will, meinen Podcast zu hören. Nun könnten sie dazu übergehen zu sagen, dass sie ihn nicht mögen. Hm, das wäre auch nicht wirklich vorzuziehen. Naja, aber jedenfalls habt ihr jetzt mehr Möglichkeiten! Das Einzige, was ich aber einwerfen will: Ich kenne mich mit den meisten dieser Platformen nicht aus, weil ich komischerweise nicht 12 Apps benutze, um Podcasts zu hören. Deshalb werde ich weiterhin nur von der Kommentar- und Abstimmfunktion auf Spotify reden. Aber alle anderen können mir ja auch über Instagram und Mail schreiben. Gut, und auf Youtube geht Kommentieren auch, außerdem Abonnieren und so, das weiß man ja. Also hi auf jeden Fall, auf welcher Platform auch immer du, Sie oder ihr oder ihr in der Majestätsform zuhört. Gut, wahrscheinlich hört keine königliche Hoheit zu. Aber falls ja, hi. Gut, ok, genug.
Einleitung
Ihr habt ja sicher schon gemerkt, dass ich mich in diesem Podcast ein bisschen mit Gott und der Philosophie schwertue. Das liegt gar nicht daran, dass ich etwas gegen den Glauben an ihn habe, die Religion oder die religiösen Menschen dahinter. Nein, das Problem ist eher ein anderes. Ich weiß ganz einfach nicht, was ich in diesem Kontext mit ihm anfangen soll. Wenn ich eine philosophische Argumentation führe, will ich alles begründen und beweisen können. Und Gott scheint mir immer so ein Argument aus dem Nichts zu sein. An diejenigen, die sie schon gehört haben: Erinnert ihr euch noch an die Folge darüber, was wir wissen können? Da war es bei Descartes genauso. Er hat gesagt: „Wir können unseren Sinnesorganen nicht trauen, weil sie getäuscht werden können.“ Und das ergab noch Sinn oder war debattierbar. Aber dann kam der nächste Schritt: „Aber wer immer uns täuschen wollen würde, könnte das nicht. Denn Gott ist allmächtig und gutmütig und würde das nicht dulden. Was kann man damit machen? Plötzlich wird die Existenz Gottes als Fakt angenommen und eingebaut. Und nicht nur das: Wir sollen darauf vertrauen, dass er nicht nur existiert, sondern auch allmächtig ist. Und dann ist es wohl auch noch sicher, dass er diese Allmacht für das Gute einsetzt. Und das Gute ist dann auch noch in unserem Sinne. Vielleicht versteht ihr, was ich meine: Diese ganzen Annahmen gefallen mir nicht. Aber vielleicht sehe ich das auch alles falsch. Vielleicht ist Gott etwas, das man nicht auf diese Art beweisen kann. Wobei ich mich dann fragen würde, was er in einer Argumentation sucht. Oder vielleicht kann man ihn doch beweisen. Vielleicht gibt es ihn tatsächlich und ich bin einfach nur noch nicht dahintergekommen. Wir wollen heute also diese Frage ergründen: „Gibt es Gott?“
Annäherung
Die Gottesfrage ist
eine sehr sehr alte Frage in der Geschichte der Menschheit. Nun, wobei
wahrscheinlich auch nicht so alt wie die nach dem Sinn sind. Denn erst im
Mittelalter haben wir ja wirklich angefangen, nach unserem einem Gott zu
fragen. Die Griechen mit ihren vielen Göttern hatten da ganz andere Ansätze. Um
die soll es hier heute auch nicht gehen, auch wenn sie natürlich auch göttlich
sind. Es geht heute nur um Gott oder welche Namen es noch für ihn gibt. Den
einen ewigen, allmächtigen Gott. Was für eine komische Annahme, nicht wahr?
Gott scheint sich ja allem zu entziehen, was wir hier von der Erde kennen. Man
kann ihn nicht sehen, nicht anfassen, nicht riechen, ja überhaupt gar nicht
sinnlich wahrnehmen. Doch er soll trotzdem überall gleichzeitig sein. Außerdem
natürlich allmächtig, allwissend und gütig. Vor allem zu uns. Wisst ihr, was
ich da manchmal fast etwas Amüsantes finde? Wie sehr man sich teilweise ja doch
über Naturreligionen oder die alten Vielgötterglauben lustig macht. Als ob Gott
so von der Idee her so viel plausibler wäre als Zeus! Die Griechen hatten ja
ein ganzes wissenschaftliches Konzept um Zeus herumgebaut, mit seinen Blitzen
und seinen Auswirkungen auf die Menschheit. Gut, ich möchte jetzt nicht sagen,
dass ich eine der anderen vorziehe. Aber es ist trotzdem eine interessante
Beobachtung. Die wir hier übrigens auch noch kurz untersuchen werden, denn man
könnte das sogar begründen. Aber gut, hier erstmal noch ein paar weitere
Gedanken aus meinem eigenen Gehirn. Was die meisten Leute dazu bringt, nicht an
Gott zu glauben, ist, dass er scheinbar nicht in unser Leben eingreift. Wenn
wir jetzt über die modernen Zeiten reden und nicht über Geschehnisse der Bibel
oder anderer Schriften. Das ist alles lange her. Nun und das
Leben, in dem wir Gott dann sehen würden, wäre das nach dem Tod. Aber
dummerweise kann uns das niemand belegen. Deswegen ist es natürlich auch ein
Glaube und kein Wissen. Aber wie gesagt wollen wir hier mit Beweisen
herangehen, so gut wir können.
Eine Sache ist mir an
Gottes Beschreibung und Wesen aufgefallen, seit ich die Folge über die
menschliche Freiheit gemacht habe. Gott soll gütig, fast schon liebevoll uns
gegenüber sein. Oder auch streng und hart. Aber egal, was: Gott ist offenbar
ein sehr emotionales Wesen. Schauen wir uns nur einmal das alte Testament der
Bibel an. Wie viele Menschen hier getötet wurden, gequält und bestraft, weil
sie seinen Erwartungen nicht gerecht wurden. Und mit Emotion kommt natürlich
auch Motivation. Gott will etwas. Und zwar, dass wir gut leben und ein gutes
Leben haben. Nun, je nach Ausrichtung will er vielleicht noch ein paar Sachen
mehr. Aber das ist oft die Essenz. Wenn wir hier kein gutes Leben haben sollen, dann eben nach
dem Tod. Aber auf jeden Fall will er das. Daher bestraft er uns entweder, wenn
wir es nicht tun, oder überlässt uns unsere Scham. Aber wie geht das überhaupt?
Warum ist das Gott wichtig? Denn er ist allmächtig. Er kann alles haben, was er
will. Oder auch nicht: Denn er ist damit auch unfrei. Ein komplett freies Wesen
ist dadurch gekennzeichnet, dass es tun kann, was es will und wollen kann, was
es will. Aber um etwas wünschen zu können, muss einem etwas fehlen. Wenn ich
ein Buch will, habe ich es noch nicht. Wenn ich ewig leben will, tue ich das
noch nicht. Aber er ist allmächtig. Er kann alles sofort haben und wissen, es
fehlt eigentlich von vornherein an nichts. Kann er dann überhaupt etwas wollen?
Und wenn er nichts will, kann er auch keine Emotionen verspüren, sondern nur
pure Vernunft. Und nach Güte und Liebe klingt das nicht, nicht wahr? Aber
stopp, ganz so lasse ich das noch nicht stehen. Denn Gott hat ein Leiden. Er
hat etwas, das ihm fehlt. Und das hängt mit uns zusammen, wenn wir ihn kurz
annehmen wollen. Denn unser Leben ist kompliziert. Wir tun wahrscheinlich nicht
immer, was er will, und machen es uns selbst schwer. Und nach vielen Schriften
kann er nicht eingreifen, weil er uns sonst unsere Freiheit nimmt, ungesteuert
selbst zu handeln. Und das heißt, dass Gott nicht allmächtig wäre. Denn er hat
nicht die Macht, uns allen ein gutes Leben unter Erhaltung unserer Freiheit zu
bescheren. Doch dann wäre er ebenso gütig und liebevoll, wie wir ihn oft
besingen. Ich denke, dass sich nur diese zwei getrennten Bilder von Gott machen
lassen. Entweder der gefühlslose und vernünftige Allmächtige oder der
passionierte Allmächtige mit einem Projekt, über das er keine wirkliche Macht
hat. So, aber genug von mir. Hoffentlich greife ich keine Gläubigen unter euch
mit meinen Überlegungen an. Ihr seid wie immer herzlich dazu eingeladen, mir
eure Meinung dazu zu sagen.
Arten von Gottesbeweisen
Was sagen eigentlich
die Philosophen zur Existenz Gottes? Denn ich bin hier etwas abgeschweift und
habe Gott beschrieben.
Aber uns geht es ja darum, ob es ihn denn gibt. Und dazu gibt es sogenannte „Gottesbeweise“,
die in der Philosophie und Theologie sehr beliebt sind. Unser lieber Philosoph
Immanuel Kant teilt diese in drei Arten ein. In seinem Werk „Kritik der reinen
Vernunft“ sagt er, dass Gott immer als die letzte Ursache von allem gesehen
wird. Und genau das grenzt ihn von zum Beispiel den griechischen Göttern ab.
Denn diese waren nicht das reine Gut oder standen ganz oben. Nein, in vielen
Theorien wurden sie auch selbst erst mit der Entstehung der Erde gezeugt und
haben dann die Menschheit eher aus Langeweile und Selbstsucht erschaffen. Aber
Gott war immer da. Die erste Art, ihn zu beweisen, ist nach Kant die
physikotheologische oder auch teleologische. Sie beweist Gott, indem sie von
sinnhaften Mustern auf der Erde ausgeht und sie einer höheren Intelligenz
zuschreibt, die damit einen Sinn verfolgt. Also das Götterbild, das die meisten
Menschen momentan haben. Die Teleologie ist auch abgeleitet von dem
altgriechischen Wort „telos“ für Sinn oder Ziel. Man würde in diesem
Gottesbeweis sagen, dass es ja ein interessanter Zufall ist, dass unser Leben
so gut strukturiert und zielgerichtet ist und mit allem um uns herum
harmoniert. Nun, fast zu sehr ein Zufall, um einer zu sein: Da muss jemand
dahinterstecken. Dann gibt es den kosmologischen Gottesbeweis. Er geht einen
Schritt zurück und versucht nicht, eine Intelligenz hinter der Schöpfung zu
beweisen, sondern nur eine Ursache. Alles auf der Welt hat seine Ursache, und
am Ende dieser Kausalkette muss irgendetwas stehen. Das könnte dann natürlich
genauso gut Gott sein, aber so weit geht dieser Beweis nicht. Nun und dann kann
man noch mit einem ontologischen Gottesbeweis ankommen. Hier arbeitet man mit
Begriffen und versucht damit, die Seinsart Gottes zu beweisen. Auch hier ist
der Begriff vom altgriechischen Wort für das Seiende. Diese Art ist etwas
komplizierter als die anderen, deshalb komme ich gleich zu einem Beispiel. Aber
es geht quasi darum, aus dem Begriff Gottes seine Notwendigkeit abzuleiten.
So, und das sind die
drei Beweise. Ich hoffe, es sind noch alle an Bord? Ich fasse sie noch einmal
kurz zusammen. Wir haben den teleologischen Beweis, der durch die sinnhaften
Strukturen auf der Erde die Existenz eines intelligenten Schöpfers beweisen
will. Dann den kosmologischen, der aufzeigt, dass es eine erste Ursache des
Universums geben muss, weil Kausalketten nicht einfach unendlich sein können.
Und dann den ontologischen Beweis, der nach der Begrifflichkeit Gottes sein
Sein aufzeigt. Gut? Ok, weiter geht’s.
Ontologischer Gottesbeweis
Fangen wir direkt mit
dem ontologischen Gottesbeweis an, dass man den versteht. Der italienische
Erzbischof, Theologe und Philosoph Anselm von Canterbury hat dazu etwas in
seinem Werk „Proslogion“ geschrieben. Da heißt es, dass nichts über Gott
gedacht werden kann. Also Gott, wie wir ihn uns vorstellen, ist das mächtigste
Wesen, das es geben kann. Und wenn man ihn sich vorstellt, existiert er
folglich im Verstand, nicht wahr? Und es gibt auch viele andere Dinge, die wir
uns vorstellen. Einige davon gibt es in der Realität, andere nicht. Also können
wir uns fantastische Wesen vorstellen, aber auch reale. Das heißt, dass es die
Möglichkeit gibt, dass Dinge in unserem Verstand real sind. Nun, und diese
realen Dinge sind dann natürlich größer als diejenigen, die nur in unserer
Fantasie sind, oder? Und da Gott ja größer ist als alles andere, muss er
folglich sowohl in unserem Verstand als auch in der realen Welt existieren. Da
beides zutreffen muss, ist er also nicht nur real, sondern einem auch
unmittelbar bewusst.
Eine interessante
Theorie, nicht wahr? Und eben ontologisch, denn Anselm hat das alles nur aus
dem Begriff Gottes konstruiert. Aber auf den zweiten Blick hinkt es trotzdem
etwas. Zu der Kritik dieser Gottesbeweise kommt gleich noch mehr, aber schon
das erste Argument scheint nicht wirklich zu funktionieren. Also Gott ist sicher
nicht in jedem Kopf das mächtigste Wesen, das sei zuerst einmal gesagt. Und
dann wird ja die Realität von Gedanken nicht durch ihre Größe oder Macht
bestimmt, sondern durch ihre Übereinstimmung mit der erfahrbaren Welt. Nun und
genau das geht ja bei Gott nicht. Wir stehen da also wieder am Anfang. Wir
könnten uns ja auch die stärksten, schlauesten oder bösesten Wesen vorstellen.
Aber das würde nicht heißen, dass es sie gibt. Aber gut, so viel zu Anselm,
gehen wir weiter zu unserem nächsten Philosophen.
Kosmologischer Gottesbeweis
Und das ist der
ebenfalls italienische Dominikaner, Philosoph und Theologe Thomas von Aquin.
Dieser gibt in seiner „Summa theologiae“ zu, dass man Gott natürlich nicht mit
den Sinnen wahrnehmen kann. Daher würden viele Leute behaupten, man könnte ihn
gar nicht vernünftig beweisen. Und es scheint auch so, als würde man ihn gar
nicht für ein naturwissenschaftliches Weltbild brauchen. Doch stimmt das
überhaupt? Dazu liefert uns von Aquin tatsächlich ganze 5 Gottesbeweise! Aber
wir werden uns erstmal nur zwei anschauen. Denn vier davon sind kosmologisch
und einer teleologisch. Und ich denke, dass ein kosmologischer Reicht werden
wird, ihr könnt die Schriften ja auch selbst noch lesen, wenn es euch
interessiert.
Also, fangen wir mit
dem kosmologischen Gottesbeweis an. Ja, ich mache jetzt einmal die umgekehrte
Reihenfolge von Kant. Wir sind hier also bei der Beweisart, dass unser
Universum eine letzte Ursache haben muss. Und dieser Gottesbeweis ist auch sehr
stark an Aristoteles und sein Werk „Physik“ angelehnt. Darin sagt er nämlich,
dass alles durch irgendetwas bewegt wird. Zum Beispiel können wir Menschen ein
Werkzeug bewegen, werden aber auch selbst durch die Sonne bewegt. Das macht uns
zu einem bewegten Beweger. Und davon gibt es viele auf der Welt. Alles, was
lebt, ist ein bewegter Beweger oder kann es sein. Und dann gibt es noch
Werkzeuge und Unbelebtes. Das wird nur bewegt, kann aber nichts bewegen. Also
ein bewegtes nicht-bewegendes. Gut, seid ihr noch bei mir? Alles auf der Welt
wird letzten Endes durch irgendetwas bewegt, ob es dann noch etwas anderes
bewegt oder nicht. Doch diese Kette kann nicht ewig weitergehen. Es kann nicht
unendlich viele bewegte Beweger geben, sondern am Anfang muss etwas stehen, das
selbst unbewegt ist. Das keinen Beweger braucht, aber andere bewegen kann. Gut,
noch einmal zum Verständnis. Wir haben tote Gegenstände wie Werkzeuge und
Tische. Oh, der Tisch ist wieder da- OG-Zuhörer wissen, warum ich das sage.
Diese Gegenstände können jedenfalls selbst bewegt werden, bewegen aber sonst
nichts. Lebende Wesen können andere dagegen bewegen, müssen aber auch selbst
bewegt werden. Und ganz am Anfang braucht es einen, der nicht bewegt werden
muss, aber sich bewegen kann. Denn sonst führt diese Kette ins Unendliche. Und
von Aquin sagt nun, dieses Etwas müsse Gott sein. Gut, bevor wir uns dem weiter
widmen: Warum kann diese Kette eigentlich nicht ins Unendliche gehen? Wäre das ein Problem?
Allerdings. Denn wenn es unendlich bewegte Beweger gäbe, bräuchte es erst
einmal unendlich Körper. Nun und schon das ist unplausibel, ist dann
jedes geborene Kind unendlich plus 1? Aber vor allem müsste sich dann alles kontinuierlich und gleichzeitig gegenseitig bewegen. Es
müsste bei unendlich Bewegern unendlich viel Bewegung geben. Aber unsere
Bewegung ist endlich. Wir sterben, hören mit einem Spaziergang auf oder
schlafen. Außerdem müssen Beweger sich berühren, um sich bewegen zu können. Die
Sonne muss auch scheinen, damit sie uns Energie gibt. Doch bei unendlich viel
Bewegung müssten alle Körper immer überall sein und das ist unmöglich. Auch
würde sich eine Kette nur aus Bewegern, die ihrerseits Beweger brauchen, gar
nicht bewegen. Denn das allererste Glied hat keinen Beweger, um anzustossen. Es
braucht also einen ersten Beweger, der selbst unbewegt ist, weil er keinen
anderen Beweger über sich braucht. Ich hoffe, das war nicht zu verwirrend.
Gut, nächste Frage:
Warum muss es denn Gott sein? Nun arbeitet Bewegung immer mit Strebung. Auch
das sagt Aristoteles. Etwas wird uns nur wirklich bewegen, wenn wir es auch
wollen. Wir gehen bei schönem Wetter nach draußen, weil uns die Sonne Energie
gibt. Wir tun nur, was jemand sagt, wenn wir das auch wollen. Oder wenn wir die
Konsequenzen fürchten, wenn wir es nicht tun. Aber das ist dann auch ein Wille.
Und nach Thomas von Aquin strebt jeder Mensch nach Gott. Damit ist er die
letzte Ursache, der unbewegte Beweger am Anfang der Kette. Das einzige Problem
ist, dass von Aquin Gott damit seiner Ewigkeit beraubt. Denn mit dieser Theorie
braucht es einen Anfang der Kausalkette. Wenn Gott unendlich ist, fängt die
Kette nie an. Also könnte man auch nicht sagen, er hätte schon davor ewig
existiert. Nun und die Annahme, dass jeder nach Gott strebt, ist vielleicht
etwas generalisierend. Sie muss nicht wahr sein. Oder sie ist wahrscheinlich
sogar falsch, wenn man sich die Welt anschaut. Wie es typisch für einen
kosmologischen Gottesbeweis ist, so zeigt er zwar auf, dass es eine letzte
Ursache gegeben haben muss, aber nicht, dass dieser Gott ist. Und selbst wenn
es Gott ist, ist damit noch nichts über
ihn gesagt.
Teleologischer Gottesbeweis
Aber gut, kommen wir
zur dritten Art der Gottesbeweise. Dem teleologischen Gottesbeweis. Wir
erinnern uns: Hier wird bewiesen, dass die Schaffung der Welt ein intentionaler
Vorgang war. Gut, warum soll das denn so sein? Nun scheint die Welt eine
gewisse sinnhafte Struktur zu haben, nicht wahr? Wir als Menschen haben ein
gewisses Ziel im Leben. Und das ist, universell gesagt, die Strebung nach dem
Guten. Ganz basal das Überleben und die Befriedigung der Bedürfnisse. Und auch
sonst scheint alles auf der Welt seine Logik zu haben, denn alle streben nach
diesem Ziel. Und so ergibt sich eine Struktur. Daher funktionieren
Gesellschaften und die ganzen menschlichen Errungenschaften. Auch wir
konstruieren außerdem sinnhafte Dinge, wie zum Beispiel Tische. Noch einmal.
Und wenn Dinge, die wir schaffen, sinnhaft sind und wir in unserem Leben
offenbar auch eine Richtung und einen Sinn zu haben scheinen: Heißt das dann
nicht, dass wir auch geschaffen worden sind? Dass hinter dieser intelligenten
Struktur kein Zufall, sondern ein Plan steckt? Naja und so lautet dieser
Beweis. Er ist ein bisschen problematisch, weil er Gott nicht wirklich beweist.
Noch nicht einmal, dass Intelligenz hinter der Schöpfung steckt. Denn Beweise
dieser Art sind immer etwas rückwärts argumentiert. Vielleicht werden mir die
Biologen unter euch zustimmen. Aber der Weg, wie Evolution funktioniert, ist,
dass sich solche Strukturen durch sie ergeben. Also, die heutigen Lebewesen
harmonieren nicht deshalb so gut mit der Umwelt, weil diese für sie geplant
war, sondern weil alle, die das nicht getan haben, ausgestorben sind. Und so
ist es ja oft schon passiert. Die Natur funktioniert eben so, dass es
verschiedene Bedingungen zum Überleben gibt, und entweder gibt es angepasstere
Arten, die das können und andere, die es nicht können. Wenn die Welt
nicht so funktionieren würde, wären wir vielleicht schon längst tot und könnten
diesen Gedanken gar nicht denken. Aber ich muss trotzdem zugeben, dass er
naheliegend ist. Und er ist auch nicht komplett widerlegt. Es könnte schon
jemanden geben, der einen Plan hatte, als er sich den Überlebensdrang überlegt
hat. Aber für eine naturwissenschaftliche Erklärung der Erde braucht es diesen
jemanden nicht. Und damit ist es kein Beweis im eigentlichen Sinne.
Lassen wir das erst
einmal so stehen. Interessanterweise antwortet Thomas von Aquin in einem seiner
Gottesbeweise auf eine andere von uns aufgeworfene Frage. Und zwar: Wie ist
Gott eigentlich? Oder besser: Ist Gott wirklich gut? Und wenn ja, warum? Denn
er hat wirklich keinen Grund dazu, nicht wahr? Er kann tun, was er will. Und
wenn wir einen wirklich komplett allmächtigen Gott annehmen, ist er
möglicherweise noch nicht einmal in der Lage, überhaupt irgendetwas zu wollen.
Was sagt von Aquin dazu? Er fängt dazu erst einmal an, indem er sagt, dass es
auf der Welt mehr oder weniger Gutes, Edles und Wahres gibt. Und klar, jeder
Mensch ist unterschiedlich gut und edel. Und demnach sagt von Aquin, auch
unterschiedlich seiend. Denn jeder kann dieses menschliche Optimum nur zu einem
gewissen Grad ausleben und sein. Es ist aber wohl alles aus einem Optimum
entstanden und orientiert sich daran. Nehmen wir die Wärme. Sie entsteht ja
offenbar aus dem Feuer, das unermesslich heiß ist. Der aufsteigende Rauch davon
kühlt zwar ab, strebt aber nach weiterer Hitze. Nun und auch der Mensch strebt
nach der Güte. Wenn wir aber von der Wärme sagen, dass sie vom Feuer, der
optimalen Hitze kommt, müsste der Mensch von der optimalen Güte und dem
optimalen Sein kommen. Nun und das ist Gott, nicht wahr? Und da haben wir einen
Gottesbeweis in einer Gottesbeschreibung. Gott ist gut, weil er in jeder
Hinsicht besser ist als der Mensch und dessen Ursprung.
Nun können wir dagegen
vorbringen, dass Temperatur und Güte zwei unterschiedliche Skalen sind. Hitze
kann man messen und im Übrigen war die Hitze, die es einmal gab, sicher nicht
das Optimum an Hitze. Man kann mit den Zahlen ja immer höher gehen. Hier wieder
an die Physiker unter euch: Hitze ist doch zumindest theoretisch von den Zahlen
her immer weiter steigerbar, oder? Naja und die Güte funktioniert da ja anders,
es ist kein naturwissenschaftlicher Wert. Auch auf die Freiheitsfrage antwortet
von Aquin nicht. Aber gut, wir haben hier einen Hinweis, dass, wenn es Gott
gibt, er wahrscheinlich auch gut ist.
Zwischenstand
Ok, bevor wir zur
Kritik der eigentlichen Gottesbeweise kommen, fassen wir diese erst einmal kurz
zusammen. Der Erzbischof Anselm von Canterbury beweist Gott ontologisch. Er
sagt nämlich, dass Gott so allumfassend ist, dass man sich nichts Größeres als
ihn vorstellen kann. Und da gewisse Gedanken auch gleichzeitig real existieren,
muss er auf jeden Fall dazugehören. Wer sonst, wenn nicht das größte Wesen, das
es gibt? Und hier haben wir gesagt, dass dieser Schritt von Fantasie zu
Realität etwas schnell erfolgt ist. Ein Gedanke ist nicht real je nachdem, wie
groß er ist, sondern je nachdem, wie sehr er eben mit der erfahrbaren Welt
übereinstimmt.
Nun und dann haben wir
uns den Dominikaner Thomas von Aquin mit seinen Gottesbeweisen angeschaut.
Zunächst hat er kosmologisch mithilfe von Aristoteles argumentiert. Dieser
sagt, dass alles auf der Welt bewegt wird und dadurch anderes bewegen kann.
Bewegte Beweger. Doch damit überhaupt eine Bewegung zustandekommen kann,
braucht es ganz am Anfang einen Beweger, der keine Bewegung braucht. Er wäre
ein unbewegter Beweger. Denn wenn es diese nicht gibt, geht die Kette ins
Unendliche weiter. Und das geht nicht, weil es dann erstens unendliche Körper
geben müsste, sich zweitens alles gleichzeitig bewegen müsste, drittens dafür
überall gleichzeitig sein müsste und viertens auch nichts das erste Glied
anstoßen würde. Und dieser Beweger ist nach Aquino Gott. Und zwar deshalb, weil
er alle Menschen bewegt, indem sie nach ihm streben. Denn alle Menschen streben
nach Gott. Nun hatten wir auch da unsere Bedenken. Ich finde Aristoteles‘
Erklärung sehr plausibel. Aber damit direkt auf Gott zu schließen, ist ein
großer Schritt. Und auch müssen ja nicht alle Menschen nach ihm streben.
Vielleicht nach seiner Art, nach der Perfektion. Aber sonst kann man sich das
nicht so gut erklären.
Danach kam der
teleologische Gottesbeweis. Und da hieß es, dass die logische Struktur der Welt
geradezu offensichtlich zeigt, dass sie von jemandem mit einem Plan geschaffen
geworden sein muss. Denn wir alle streben zum Guten und so funktioniert alles
auf der Welt. Und sogar wir selbst schaffen uns Dinge, die unserem Sinn
nachfolgen, also warum sollten wir nicht genauso sein? Und auch hiermit waren
wir nicht komplett einverstanden. Die Welt mag sinnhaft aufgebaut sein. Aber es
mussten dafür so viele Lebensformen aussterben, Landmassen sich verschieben und
Klimas sich ändern, dass es sich schwer vorstellen lässt, dass das einmal ein
Plan war. Außerdem funktioniert Evolution nun einmal so, dass sie eine logische
Struktur bildet, in der alle überleben. Denn die, die es nicht tun, sterben.
Und der Rest lebt. Gott steht dieser Theorie nicht entgegen. Er könnte uns
schon den Überlebenswillen eingepflanzt haben. Und vielleicht waren andere
Sachen auch geplant. Oder wenn wir sagen, dass er der Freiheit wegen nicht
weiter eingreift, vielleicht auch nicht. Aber der Punkt ist, dass die Erklärung
der Sinnstruktur der Erde ohne Gott deutlich plausibler erscheint als mit ihm.
Kritik der Gottesbeweise
So, aber jetzt habe ich
genug Eigenkritik gestreut. Im Grunde habe ich eher gegen das Gesagte
argumentiert als gegen die Beweise selbst. Ob wir Anselm oder von Aquin jetzt
unplausibel finden oder nicht, das von ihnen Gesagte hat ja schon ein gewisses
Gewicht. Doch hier kommt noch einmal Kant ins Spiel. Denn er hat nicht nur die
drei Arten der Gottesbeweise aufgezählt, sondern sie auch stark kritisiert. Und
zwar an sich. Fangen wir mit dem ontologischen Gottesbeweis an, in dem man
durch Begrifflichkeiten auf Gott schließt. So wie Anselm es getan hat. Kants
Werk heißt ja sogar „Kritik der reinen Vernunft“, deshalb passt das hier sehr
gut. Er sagt nämlich, dass man Ideen nicht einfach durch sich selbst beweisen
kann. Man kann nicht nur rational an gewisse Fragen herangehen, sondern braucht
Empirie. Die meisten ontologischen Gottesbeweise tappen nämlich in die Falle,
dass sie Gott bereits am Anfang der Beweisführung als notwendig
voraussetzen. Aber das macht es dann ja unnötig, ihn beweisen zu wollen.
Klar, wenn es ihn geben muss, gibt es ihn auch. So macht es auch Anselm. Warum
kann denn nichts über Gott gedacht werden? Warum ist der Gedanke an ihn
notwendig? Und warum ist er so groß, dass er existieren muss? Das sind alles
Annahmen. Klar, wenn er das größte ist, und wenn er existieren muss, dann
existiert er auch. Das ist Logik. Aber so funktioniert keine
Beweisführung. Und auch sonst kann man etwas nicht nur durch den Geist
beweisen. Denn um den Gedanken zu beweisen, müsste man ja belegen können,
dass er bereits da war, bevor er gedacht wurde. Ihr wisst schon, wie man
es in den Naturwissenschaften tut. Ein Stein kann nicht einfach nur da
sein, wenn ich ihn anschaue. Leider wissen wir ja sogar schon, dass
Gedanken nicht existiert haben, bevor sie gedacht wurden. Wie sollen sie
also eine Beweisgrundlage sein? Wie würde Anselm die Existenz Gottes vor
dem Menschen beweisen? Denn ihn scheint es ja nur durch den Gedanken an
ihn zu geben. Es braucht etwas Empirisches, das den Gedanken stützen
kann, sonst dreht man sich im Kreis.
Und damit weiter zur
Kritik am kosmologischen Gottesbeweis, wo es darum geht, dass das Universum
eine Ursache braucht. Kant wirft diesem vor, eigentlich nur ein ontologischer
Beweis im Schafspelz zu sein. Denn zunächst fängt er eigentlich empirisch an,
indem man von Ursachenketten spricht. Doch plötzlich setzt man ohne Weiteres an
den Anfang dieser Kette Gott ohne besondere Erklärung. Und auch hier soll er
all die bekannten Eigenschaften haben. Auch hier setzt man bereits voraus, dass
es Gott geben muss, bevor man überhaupt mit der Beweisführung anfängt. Auch ist
Kant skeptisch gegenüber der Behauptung, eine Kausalkette dürfe nicht in die
Unendlichkeit führen. Immerhin sind wir ja wirklich nur auf einem kleinen
Abschnitt von ihr und weit davon entfernt, alles zu verstehen. Auch
unterwerfen wir Gott als die Ursache den Regeln der Kette. Er ergibt nur Sinn,
wenn er die Kette gestartet hat. Aber was, wenn er es nicht getan hätte?
Hätte es Alternativen gegeben?
Nun, und damit kommen
wir zum teleologischen Gottesbeweis. Der Beweis Gottes durch die Sinnhaftigkeit
der Erde. Auch hier wird er natürlich wieder vorausgesetzt. Diese ganzen
Beweise erkranken nach Kant daran, dass man Gott in ein ansonsten gut funktionierendes
System hereinzwingen will. Oder man benutzt ihn als Ausflucht, sobald man nicht
mehr weiter weiß. Und er als unendliches und allumfassendes Wesen kann Lücken
natürlich gut füllen. Kant sagt, dass die Welt in sich bereits Sinn ergibt. Wie
wir schon gesagt haben, kann man sie perfekt naturwissenschaftlich erklären.
Und damit wird der teleologische Gottesbeweis zu einem kosmologischen. Denn er
geht dazu über zu sagen, dass Gott nicht nur als Intelligenz, sondern auch
Ursache der Welt gilt. Denn selbst wenn sie in sich geschlossen und sinnhaft
sein sollte, braucht sie eine Ursache. Doch der kosmologische Gottesbeweis ist,
wie wir bereits geklärt haben, im Kern ein ontologischer. Und so ist der
ontologische Gottesbeweis der einzige Weg, wie Gott eigentlich bewiesen wird.
Er ist aber leider ungültig. Denn wie schon ausgeführt wurde, kann man das, was
man beweisen will, nicht einfach voraussetzen. Und wenn man etwas nur
durch Begriffe beweist, nutzt man ein Medium, das ohne das menschliche Denken,
das heisst ohne uns nicht existiert. Und das macht es zu einer
subjektiven Meinung und einem Glauben, aber zu keinem objektivem Beweis.
Was sagt also Kant? Im
Grunde merkt man beim teleologischen Beweis, dass Gott gar nicht für die
Sinnhaftigkeit der Welt gebraucht wird und geht daher zum kosmologischen
Übergang über. Dort hat man aber das Problem, dass man zwar eine Ursache des
Universums beweisen kann, aber keines mit Intentionen und besonderen Mächten.
Also bleibt man beim ontologischen Gottesbeweis, der einem aber keine objektive
Wahrheit, sondern nur subjektive Meinung und Glauben liefern kann.
Endstand
Gut, dann möchte ich
diese ganzen Eindrücke einmal in ein Fazit packen. Wir haben uns am Anfang
dieser Folge gewundert, wie man Gott überhaupt beweisen soll. Ein allmächtiges,
unsichtbares und unendliches Wesen? Das wirkt fast schon etwas aus der Luft
gegriffen. Und selbst wenn es real wäre, wie könnten wir uns sicher sein, dass
es all die ihm zugeschriebenen Eigenschaften besitzt? Wie sollte Gott gut sein,
wenn er alles kann und weiß? Und wieso sollte er uns mögen? Soweit wir wissen,
dürfte es für allmächtige Wesen gar nicht möglich sein, frei und emotional zu
sein. Aber es geht ja eher darum, seine Existenz zu beweisen. Und dazu gibt es
drei Beweismöglichkeiten, wie Kant uns lehrt. Den ontologischen Gottesbeweis,
in dem man durch bloße Begriffe auf Gott schließt. Den kosmologischen
Gottesbeweis, der davon ausgeht, dass es irgendetwas geben muss, was kausal am
Anfang des Universums steht. Und den physikotheologischen oder teleologischen
Gottesbeweis, der damit argumentiert, dass die logische Sinnstruktur der Erde
eine Intelligenz dahinter braucht. Ich habe übrigens in dieser Folge eher
teleologisch als physikotheologisch gesagt. Nicht nur, weil ich mich dann seltener
verspreche, sondern auch weil der erste Begriff in der modernen Ordnung der
Philosophie angemessener ist.
Naja, und jedenfalls
haben wir uns dann mit diesen Beweisarten konfrontiert. Anselm von Canterbury
hat gemeint, dass es Gott geben muss, weil man sich nichts Größeres als ihn
vorstellen kann. Und wenn er so groß sein soll, muss es ihn ja nicht nur im
Verstand, sondern auch in der Realität geben. Das war ein ontologischer
Gottesbeweis. Thomas von Aquin hat uns dann einen kosmologischen Gottesbeweis geliefert:
Nach Aristoteles braucht es für die Welt einen ersten Anfang, der die ganze
Kausalkette in Bewegung gesetzt hat. Denn die Welt funktioniert durch
Bewegungen. Aber dafür ist es notwendig, dass dieser Anfang keinem bedurft hat.
Und dieser jemand ist Gott. Die Bewegung löst er auch nicht nur durch seine
Macht aus, sondern auch dadurch, dass alle nach ihm streben. Im teleologischen
Gottesbeweis legt er schließlich dar, dass die Struktur der Welt eines
intelligenten Wesens bedarf. Schließlich streben wir alle nach demselben Gut
und so funktioniert die Welt. Außerdem verrät er uns noch, dass Gott gut sein
muss, weil wir als mehr oder weniger gute Wesen von ihm abstammen. Er ist das
Optimum, das wir anstreben.
Aber bei den
Gottesbeweisen schreitet Kant ein und sagt, dass jeder teleologische Beweis
scheitert, weil die Welt gut ohne Gott funktioniert. Jeder Vorgang ist
naturwissenschaftlich einwandfrei erklärbar. Der kosmologische Gottesbeweis
geht auch nicht auf, weil er nicht Gott selbst beweist. Er zeigt nur auf, dass
es einen Ursprung des Universums gegeben haben muss, und selbst davon ist Kant
nicht überzeugt. Doch er beweist weder Gottes Plan noch seine Allmacht oder
Güte. Und so verbleibt man beim ontologischen Gottesbeweis, den Kant auch von
der Hand weiß. Man könne Ideen nicht einfach durch sich selbst beweisen,
sondern sie bräuchten einen Bezug zum echten Leben. Ansonsten existieren sie
nicht außerhalb des Menschen und verbleiben als bloßer Glaube.
Konklusion
Ok, was halten wir davon? Ich denke, dass Kants Kritikpunkte haltbar sind. Für eine philosophische Beweisführung kann man nicht einfach so von einem allmächtigen und guten Wesen ausgehen. Was mir aber während der Recherche klar geworden ist, ist, dass Gott als Konzept gar nicht so weit hergeholt ist, wie man vielleicht denken könnte. Keiner der Gottesbeweise beweist ihn wirklich, wie wir gesehen haben. Aber er ist auch nicht unmöglich. Und wenn er existiert, ist es vielleicht nicht allzu weit hergeholt, dass er auch gut ist. Er ist ja allmächtig und allwissend. Auch wenn ich noch an meiner Überlegung festhalte, dass er entweder allmächtig und emotionslos ist oder nicht die Macht hat, uns freiheitlich glücklich zu machen, aber dafür der gütige Gott ist, den wir kennen. Naja, aber er ist jedenfalls noch einmal anders als andere Konzepte eines Gottes. Der Unterschied zwischen Gott und Naturgöttern ist, dass er die Welt in einem größeren Rahmen erklärt und auch uns als Menschen. Ich nehme einmal an, dass ihr nicht wirklich gedacht habt, man könne Gott direkt beweisen. Gott ist eben eine Glaubenssache, genau wie auch alle Naturgötter, über die ich hier natürlich nicht herziehen will. Glaubt, was ihr wollt. Es gibt wohl ebenso viele Gründe es zu tun wie es nicht zu tun. Denn selbst wenn Kant Gott als Ursache des Universums abweist, weiß er selbst natürlich auch nicht, was die Alternative ist. Und wir ebenso wenig. Jedoch ist die Beweisführung des Aristoteles über die Kausalkette sehr plausibel. Irgendetwas wird es schon sein, was all das hier losgetreten hat. Die Frage ist nur, ob wir es jemals erfahren werden.
So, und das war meine Folge zur Existenz Gottes. Ich hoffe, sie hat euch gefallen! Mir hat die Recherche hierzu jedenfalls sehr viel Spaß gemacht. Und ich hoffe weiterhin, ich habe niemanden angegriffen. Alles, was ich hier tun will, ist eine objektive, neutrale philosophische Beweisführung bieten. Aber das wisst ihr wahrscheinlich schon.
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Dann macht es gut, einen schönen Tag euch noch!
Quellen
,,Kritik der reinen Vernunft" - Immanuel Kant
,,Proslogion" - Anselm von Canterbury
,,Summa Teologiae" - Thomas von Aquin
,,Physik" - Aristoteles
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