#18 Ist Wirtschaft moralisch?

Zusammenfassung

Habt ihr auch manchmal den Eindruck, dass sich gewisse Firmen sehr weit von der Moral entfernt haben? Denken wir an große Namen, die sehr billiger Arbeitskräfte beschäftigen oder arme Länder von Rohstoffen berauben. Man ist oft verleitet zu denken, dass Wirtschaft und Moral sich ausschließen. Denn das große Geld macht man nicht, indem man nett zu Leuten ist, faire Löhne zahlt und spendet. Klar nimmt man mehr ein, wenn man quasi nichts für die Arbeit zahlen muss und einfach nur seine Produkte verkaufen kann. Aber ist es wirklich so einfach? Ist es einfach unmöglich, moralisch zu sein, wenn man wirtschaftet? Die Wirtschaftsphilosophen Robert Sudgen und Luigino Bruni meinen, dass Wirtschaft und Moral sogar eng zusammenhängen! Ohne sie wären Werte wie Freiheit und Kooperation in der Welt nie so weit gekommen! Für diese Folge habe ich mir außerdem noch meine gute Freundin Maria herangeholt, die Wirtschaft studiert.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                              Hallo zusammen und herzlich willkommen zu einer weiteren Folge von „Philosophie für zwischendurch“!


Einleitung

Heute wird es um die Wirtschaft gehen. Wenn ihr an Wirtschaft denkt, was fällt euch da als Erstes ein? Der Gewinn, oder? Man arbeitet, damit man etwas damit erreicht. Logisch. Dieser Gewinn ist offenbar der Grund, weshalb Leute auch in Firmen sitzen. Weshalb sie teilweise furchtbare, aber auch großartige Dinge tun. Es gibt Firmen, die nur für diesen Gewinn auf der ganzen Welt aktiv sind und scheinbar überall ihre Finger im Spiel haben. Doch ist bei diesem ganzen Gewinn noch Platz für Moral? Ist es finanziell unklug, moralisch zu sein? Und für wen ist dann die Moral gut? Sollte man nach moralischen Richtlinien eigentlich gar kein Geld verdienen? Das kann ja auch nicht richtig sein. Gibt es einen Weg, die Moral und die Wirtschaft miteinander zu verbinden? Oder schließen sie sich gegenseitig aus?


Maria: Einblicke in die Wirtschaft

Ich als Philosophiestudent muss an dieser Stelle zugeben, dass ich nicht vom Fach bin. Mit der Wirtschaft habe ich nicht sonderlich viel am Hut. Und natürlich könnte ich die Wirtschaft aus einem rein philosophischen Blickwinkel analysieren, doch ich habe das Gefühl, dass ihr das nicht gerecht wird. Und ja, ich weiß, dass ich auch einige Folgen gemacht habe, bei denen ich ein ähnliches Problem hatte. Die Politikfolge ohne Politikwissenschaftler oder die Folge über den Tod, ohne gestorben zu sein. Nun, wenn es da Änderungswünsche gibt, teilen die mir gerne mit. Aber in dieser Folge bin ich nicht allein, sondern habe mir Hilfe von meiner guten Freundin Maria geholt, die selbst Wirtschaft studiert. Ungefähr so lange wie ich. Und das heißt natürlich sehr lang. Also, seid nett zu unserem Gast und richtet eure typische Negativität einfach wie immer mehr aus, ok? Sehr gut, also dann los geht's.

 (Den folgenden Teil gebe ich nur Stickpunktartig wieder, weil ich dazu kein Skript geschrieben hatte)

Ganz generelle Frage vorweg: Was genau ist Wirtschaften eigentlich?

  • Anwendung dessen, was man in der Wirtschaft lernt.
  • Wie man mit bestehenden Ressourcen möglichst effizient (!) umgeht?
  • Bestimmtes Mindset: rationales (!) Denken
  • Effizient: Nicht unbedingt moralisch (!), sondern für rationalen (!) Nutzen

Klingt nach vielen Mühen- Scheinbar dreht sich die ganze Welt darum: Arbeiten, Firma, Markt ; Warum wirtschaften?

  • Knappe Ressourcen, möglichst hoher Nutzen
  • Es soll so vielen Menschen wie möglich gut gehen (!)
  • Mit dem, was man hat, möglichst viel machen
  • Auch individuell

Wirtschaften also rational und nicht moralisch

Effizienz heißt: mit Ressourcen sparsam umgehen

Ziel: Möglichst viele Gewinne für möglichst viele Menschen

Wieso ist Wirtschaft dann nicht moralisch?

  • Optimum: Jeder ist je nach Möglichkeit am besten dran.
  • Entfernen vom Optimum: Schaden
  • Gerechtigkeit ist nicht immer durch Maximierung gegeben.
  • B.: Jemand hat einen Kuchen und eine Klasse mit 20 Leuten, gibt aber nur einer Person ein Stück
  • Handel: Für einen selbst und die anderen Personen optimal: Man selbst hat Kuchen, die andere Person auch- der Rest ist nicht schlechter gestellt als davor.
  • Keiner hat etwas verloren, aber ist das gerecht? Ethik
  • B. Klimawandel als Folge wirtschaftlichen Handelns: CO2-Ausstoss
  • Anderes Beispiel: Organhandel

Firma kann also nicht jedem helfen, aber Menschen schaden

Jedoch scheint nicht jedem helfen zu können moralisch weniger bedenklich zu sein als Leuten zu schaden.

Moralität vs. Rationalität

Was ist Rationalität?

  • Effizienz, das Beste aus den gegebenen Ressourcen zu machen.
  • Nach eigenem Plan, für sich selbst
  • Nicht-menschlich

Was ist Moralität?

  • Gerechtigkeit
  • Moralische Verpflichtung, einander zu helfen.
  • Für andere Menschen
  • Menschlich

Doch wenn: Ziel der Wirtschaft, Glück zu maximieren

Rationalität: Glück für sich selbst maximieren

Moral: Glück für andere maximieren

Müsste nicht das richtige Wirtschaften sowohl rational als auch moralisch sein?

Warum tut man nicht beides?

  • Moralische Probleme mit Abwägungen
  • Studie mit Mäusen: Wie viel ist das Leben wert?
  • Maus für Geld auf Knopfdruck umbringen
  • Wurde immer öfter für immer weniger Geld umgebracht.
  • Je mehr Leute das getan haben, desto eher
  • Es entstehen immer Schäden an Dritten beim Wirtschaften, wird akzeptiert
  • Schaden wird unterschiedlich bewertet
  • Menschliches Leben kann man ausrechnen: Erbrachte Freude, konsumierte Güter, Arbeit
  • Im Durchschnitt: 5-8 Mio. €
  • Je nachdem handeln? Rationaler handeln und Schaden daran anlehnen
  • Mutter sammelt Geld für sterbendes Kind, könnte auch in andere Kinder investiert werden
  • Egoistisch?

Man kann also manchmal nicht gleichzeitig sein eigenes Glück und das andere maximieren.

Manchmal muss man abwägen.

Was wählen Firmen normalerweise?

Wo ist ihre Tendenz?

  • Oft maximierten Profite, viele Firmen aber auch nicht
  • Fokus eher auf Klimawandel, Nachhaltigkeit, Ressourcen sparen
  • Doch Profite sind wichtig für den Bestand der Firma
  • Individuelle Ziele im konkreten Rahmen
  • Müssen etwas haben, was es auf dem Markt nicht gibt und was Wert bringt: Service, Güter, Informationen

Doch was heißt „Maximierung“ der Profite in dem Fall?

So wie ich es verstanden habe: Maximalen Gewinn für einen Moment

Doch Menschen leben länger als einen Moment lang

Also müsste „maximierter Profit“ immer auf eine lange Zeit ausgelegt sein

Klimawandel, Ressourcenknappheit: Niedergang von Firmen

Nachhaltiges Wirtschaften als maximierter Profit hilft den meisten Menschen

Damit wäre das Ziel der Wirtschaft erreicht, man wäre rational und moralisch

Doch wieso erst allmählich?

  • Nur eigener Profit
  • Nur kurzfristig gedacht.
  • Mensch ist so, wie er ist.

Dann könnte man sagen, diese Firmen würden falsch wirtschaften und das Ziel verfehlen.

Doch wer ist am Ende schuld?

Das Individuum, das oben steht?

Reden wir über den Markt? Was ist er eigentlich?

  • Ort: physisch oder digital, wo mindestens ein Verkäufer und ein Käufer eine Ware freiwillig gewollt austauschen
  • Normalerweise: Geld gegen Service, Gut, Information ; früher: Service gegen Service, Gut gegen Gut etc. – Geld inzwischen als stellvertretender Wert für Produkte
  • Geld ist ein Symbol für das, was die Gesellschaft einem schuldet.
  • Mit viel Geld hat man viel Wert in die Gesellschaft hereingebracht, den sie einem zurückschuldet

Markt als unsichtbare Hand über dem Menschen?

  • Markt ist nicht von Menschen getrennt
  • Von Menschen geleitet: Da Menschen nicht rational handeln, tut das der Markt auch nicht

Steuern wir den Markt oder steuert der Markt uns?

  • Beidseitig: Der Markt besteht aus Menschen (überwiegend, inzwischen auch Algorithmen- aber auch die natürlich von Menschen)
  • Steuerung von Menschen durch den Markt: Menschen steuern andere Menschen
  • B. Werbung: Verführung zum Kauf gegen den eigentlichen Willen, Manipulation
  • Aktien zeigen die Steuerung des Marktes durch den Menschen an

Markt also eine große Gruppe an Menschen

Nicht der Markt steuert den Menschen, sondern Menschen steuern Menschen

Am Ende also in der Hand von Menschen

Mensch muss Maximierung betreiben, aber richtig

Langfristig denken

Darf Ziel nicht verfehlen: Wirtschaften für den Nutzen so vieler Menschen wie möglich

Moralität und Rationalität sind keine Gegensätze, nur unterschiedliche Zielgruppen im Blick

Eine ethische Firma kann profitabel sein – also nicht Grundsätze für Geld opfern

Doch so viel dazu, vielen Dank

 

Reflexion

So, und da bin ich wieder. Wir sind wieder unter uns. Diesen restlichen Part werde ich allein aufnehmen, damit wir uns einmal genauer anschauen können, was Maria denn so gesagt hat.
Unsere Einstiegsfrage war: „Ist Wirtschaft moralisch?“ Und ja, das ist sie. Wenn sie richtig ausgeführt wird, zumindest. Je besser man wirtschaftet, desto mehr Menschen nützt man. Und genau das tut man als moralischer Mensch auch. Natürlich muss man den Schaden minimieren, am besten komplett ausschalten, den man anderen zufügt. Doch offenbar scheinen mehr und mehr Firmen auf die Langzeitfolgen ihrer Handlungen zu schauen sowie auf die Umwelt. Man erkennt immer mehr, dass der schnelle und kurze Erfolg nicht das ist, wonach man streben sollte. Dennoch sind Menschen, wenn es um eine kurzfristige Befriedigung ihrer Bedürfnisse geht, allzu schnell bereit, moralische Grundsätze über Bord zu setzen. Maria hat uns erzählt, wie immer mehr Menschen bereit waren, eine Maus zu töten, je mehr Geld und soziale Zustimmung sie dafür bekamen. Der Markt ist noch immer vor allem rational und nicht moralisch geprägt. Doch genau das ist die Frage: Ist das wirklich nur der Markt? Ist das ein spezifisches Wirtschaftsproblem? Denn wir haben heute auch gelernt: Der Markt ist in unserer Hand. Die „unsichtbare Hand“ des Marktes, die alles steuert, entsteht wegen uns. Es ist eine große Gruppe von Menschen. Warum ist also der Markt so besonders in Abruf geraten und nicht der Mensch an sich?


Tugendethik in der Wirtschaft

Das fragen sich auch die Ökonomen Luigino Bruni und Robert Sudgen. In ihrem gemeinsamen Paper „Reclaiming Virtue Ethics for Economics“ diskutieren sie dieses Problem. Wie aber kommt die Tugendenethik mit der Wirtschaft zusammen? Nun erkläre ich euch erst einmal, was das eigentlich ist. Als Begründer der Tugendethik gilt Aristoteles in seiner nikomachischen Ethik. Eine Tugend ist eine bestimmte Charaktereigenschaft, die gut ist. Zum Beispiel Mut, Besonnenheit oder Freundlichkeit. Aristoteles bringt hier die sogenannte Mestoeslehre, die Lehre der Mitte ins Spiel. Bei jeder Charaktereigenschaft gibt es ein unzureichendes und übermäßiges Ausmaß, sie zu empfinden. Und keines davon ist richtig. Nehmen wir zum Beispiel den Mut. Nun ist zu wenig Mut offensichtlich nicht gut, das wäre die Eigenschaft der Feigheit. Damit ist das keine Tugend. Aber Aristoteles ist auch kein Verfechter davon, furchtlos durch die Welt zu gehen. Ein Übermaß an Mut ist genauso schlecht wie zu wenig. Das wäre dann nämlich Hochmut. Nein, man braucht ein genau richtiges Maß an Mut, um diese Tugend zu erreichen. Und so verfährt Aristoteles mit jeder Tugend. Es ist eigentlich sehr interessant, ich kann da jedem nur empfehlen, einmal in seinem Werk oder dem Internet nachzuschlagen, wie sein Tugendkatalog aussieht. Da hat er nämlich die wesentlichen Tugenden aufgelistet und links und rechts jeweils ihr zu geringes oder zu hohes Ausmaß benannt. Nun, aber ich möchte erstmal nicht den Rahmen sprengen, es geht ja vor allem um Wirtschaft.
Diese Tugenden werden oder sollten einem im Laufe des Lebens antrainiert werden, denn normalerweise werden sie nicht angeboren. Und wenn man nun über alle Massen ein tugendhafter Mensch ist, handelt man immer gut. Seht ihr, dann ist es gar nicht mehr notwendig zu schauen, ob die Handlung selbst moralisch gut war, denn wir wissen, von wem sie kommt. Von einem Menschen, der so tugendhaft und moralisch gut ist, dass er nicht moralisch schlecht handeln kann. Tugenden helfen einem außerdem, Dinge zu erreichen. Je schlauer, mutiger und ambitionierter man ist, desto eher kann man gute Noten bekommen, in der Berufswelt aufsteigen und Karriere machen. Also, theoretisch. Und das, was die Tugenden erreichen sollen, dieser letzte Zweck, ist für Aristoteles das sogenannte „Telos“.

Telos

Eine kurze Erklärung, was er mit Zwecken meint. Im Wesentlichen gibt es Dinge, die wir im Großen und Ganzen erreichen wollen und andere Dinge, die wir dafür tun. Ein Beispiel, wo wir gerade bei der Wirtschaft sind. Man arbeitet, um Geld zu verdienen. Aber diese beiden Dinge bringen einem zunächst nicht viel. Man arbeitet nicht, um zu arbeiten und man verdient auch nicht Geld, um Geld zu verdienen. Diese beiden Dinge sind also von ihrer Nützlichkeit und Güte unbewertet. Es kommt nämlich ganz darauf an, was man mit dem Geld anstellt. Und jetzt nehmen wir einmal an, man gibt das Geld für Essen aus, um auch weiterhin gesund zu sein. Dann ist die Gesundheit der letzte Zweck. Denn diesen kann man nicht hinterfragen, er ist intrinsisch gut. Man kann erklären, warum man arbeitet und wozu man Geld braucht. Aber warum man Gesundheit will, ergibt sich ja von selbst. Man will eben gesund sein. Und gesund zu sein, ist auch kontextfrei gut. Ja ich weiß, irgendwelche absurden Eckbeispiele fallen einem immer ein, in denen es rein theoretisch nicht gut ist, gesund zu sein. Aber ihr versteht mich schon. Im Grunde ist es immer gut, gesund zu sein. Und alles, was man nur dafür tut, dass man gesund ist, ist auch gut. Also wenn wir einmal ausnehmen, dass es noch andere, vielleicht negative Auswirkungen haben könnte. Wenn man arbeitet, Geld verdient und diese Handlungen nur den Effekt haben, dass man gesund wird, ist das gut. Und so verleiht dieser intrinsische Zweck der Arbeit und dem Geld die Güte, die sie von sich aus nicht haben. Aristoteles stellt dieses Modell ganz einfach mit den Buchstaben ABC da. Also früher wahrscheinlich dann Alpha, Beta und Gamma. Jedenfalls ist C immer eine produktive Handlung, die B herbeiführen soll. Und B ist ein Zustand oder Gegenstand, der von C gekommen ist und zu A führt. Und A kann nicht weiter reduziert werden, sondern hat intrinsischen Wert. Also nochmal zu unserem Beispiel:  C ist die Arbeit, die man für Geld verrichtet.  B ist das Geld, das man bekommt und der Zustand, welches zu haben.  Nun und jetzt habe ich zugegebenermassen etwas abgekürzt, weil man dann nicht automatisch Gesundheit hat, wenn man Geld hat.  Man muss ja erst Essen kaufen, welches essen…  Aber sagen wir einfach, das Geld führt zur Gesundheit.  Und damit ist das Schema komplett.
Gut, ich hoffe, das ist jetzt klar geworden. Kommen wir zurück zu den Tugenden, denn die spielen definitiv eine Rolle hier. Und zwar nicht nur als C oder B, um ein A zu erreichen. Sondern sie sind ein A. Aristoteles sagt nämlich, dass ein wahrhaft tugendhafter Mensch nicht nur über alle Massen fähig ist, sondern auch glücklich ist. Denn wenn man gut zu anderen Menschen ist und seine Herausforderungen alle meistert, hat man nichts, um sich schlecht zu fühlen. Man ist also glücklich, indem man gut ist. Und daher lohnt es sich, die Tugenden um ihren eigenen Willen anzustreben. Damit ist die Tugendhaftigkeit ein Weg zu einem Telos, aber auch selbst Telos. Wenn man sagt, man wäre gern ein besserer Mensch, wird ja auch nicht gefragt, warum. Ein guter Mensch zu sein scheint also einfach ein Wert an sich zu sein.


Wirtschaft als Moralisierer

So, jetzt aber genug Aristoteles. Wie kommt hier die Wirtschaft ins Spiel? Was bemängeln die Autoren dieses Papers? Nun, wie wir eben mit Maria geklärt haben, hat die Wirtschaft einen gewissen Ruf, der sich über die Zeit gefestigt hat. Und zwar, dass alles, was auf dem Markt passiert, unmoralisch oder zumindest amoralisch ist. Das heißt, dass es nichts mit der Moral zu tun hat. Der Markt muss nicht moralisch sein und kann es auch nicht. Er ist ein Mittel zum Zweck, damit alle Menschen das bekommen, was sie brauchen, um dann ein gutes Ziel damit zu verfolgen. Daher kann Arbeit auf dem Markt nie ein Telos sein, sondern immer nur ein C-Zweck. Und schlimmer noch, was ihm passiert, wird normalerweise noch nicht einmal als sonderlich moralisch angesehen. Denn es heißt, alle würden sich nur gegenseitig ausnutzen, um für sich selbst den größten Vorteil zu erreichen. Wir hatten es ja eben. Auf dem Markt wird rational gehandelt. Und obwohl man irgendwie den Vorteil der Menge im Blick hat, geht es schon eher um den eigenen. Doch Bruni und Sudgen sind nicht dieser Meinung. Sie wollen diesem Klischee entgegenwirken und vertreten, dass es sehr wohl ein Telos im Markt gibt. Etwas, das dafür sorgt, dass man Marktaktivitäten um seinen Willen machen sollte oder kann.
Gut, gleich am Anfang sei gesagt: Dieses Etwas ist definitiv kein Geld. Genau wie Aristoteles sagen auch die Ökonomen, dass Geld an sich keinen Wert hat. Also, das sage ich jetzt als Philosoph. Im Grunde hat es ja schon einen gewissen Wert, nur nicht den, auf den es letzten Endes ankommt. Also, Geld zu verdienen ist kein Teleos. Man redet ja auch immer wieder davon, wie sich Menschen in ihrer Geldgier verlieren und immer mehr davon anhäufen, ohne wirklich etwas Schönes damit zu machen. Oder welche, die einfach sehr sehr lange arbeiten müssen, um dann zwar viel zu verdienen, aber nichts davon zu haben. Nein, das Telos des Marktes liegt eher in den zwischenmenschlichen Beziehungen und Werten. Und das klingt komisch zu hören, nicht wahr? Haben wir doch eben von Ausnutzung und eigenem Vorteil gesprochen. Aber das sehen die Autoren nicht so einseitig. Denn um den eigenen Vorteil zu erreichen, muss man die andere Seite zufriedenstellen. Ganz egal, ob man sie jetzt besonders mag oder einem das am Herzen liegt, man muss kooperieren. Im Grunde besteht der Markt aus freiwilliger Zusammenarbeit und Kooperation. Man erreicht zusammen gegenseitigen Profit und steigert den Wohlstand. Auch verbreitet der Markt freiheitliche Werte. Es gibt natürlich Vorurteile, aber rein theoretisch können alle mit ihren Fähigkeiten eintreten. Naja und je nachdem, wo diese gerade gebraucht werden, finden diese Leute Anschluss und Akzeptanz. Und so vernetzt man sich mit vielen vielen Leuten auf der Grundlage derselben Werte. Denn die Autoren machen auch den Punkt stark, dass Handel nicht immer so distanziert ist, wie man ihn sich vorstellt. Leute, die einen Austausch untereinander haben, hassen sich nicht eigentlich oder ignorieren sich, weil sie nur an sich selbst denken. Nein, es ist nicht selten, dass eine Freundschaft oder eine andere Art der Verbundenheit entsteht. Und wenn es auch nur das Band ist, dass beide etwas wollen, was der andere Part hat. Und daher lohnt es sich, in Marktaktivitäten involviert zu sein beziehungsweise es ist nicht automatisch unmoralisch. Denn es gibt Werte und Tugenden, die man dadurch erreicht und verinnerlicht. Selbst wenn man den Markt dafür nicht braucht, ist er nicht einfach diese Ansammlung an Egoismus und Amoralität.


Konklusion

Was lernen wir also? Wirtschaft ist nicht an sich amoralisch oder sogar unmoralisch. Wie wir mit Maria schon geklärt haben, sind wir es doch selbst, die ihn lenken. Der Markt kann ja nur so gut sein wie die Menschen, die darin sind. Nun kann man sicher die Position vertreten, alle Menschen wären moralisch verwerflich, aber ansonsten kann man das der Wirtschaft nicht vorwerfen. Es ist wahr, dass oft an sich selbst gedacht wird und durch rationales Handeln moralische Werte verloren gehen können. Doch wie wir gelernt haben, ist das ein Trend, der bereits auf dem Rückzug ist. Die Menschen entwickeln immer mehr ein offenes Auge für solche Fragen. Und auch sonst hat der Markt den Ruf des Unmoralischen nicht verdient. Nach Aristoteles‘ Tugendethik könnte man ihn nur für ein Mittel zum Zweck halten. Geld zu verdienen, ist nicht an sich gut, weil wir nach dem streben sollten, was man damit macht. Und wofür es ausgegeben wird und vor allem, wie es verdient wird, weiß man damit nicht gleich. Alles, was also dort passiert, ist vom intrinsischen Wert weit entfernt. Könnte man denken. Denn wenn wir Luigino Bruni und Robert Sudgen uns lehren, gibt es definitiv gute Werte, die in der Wirtschaft gefördert werden. Werte, für die es sich lohnt, an und für sich im Markt aktiv zu sein. Und zwar lernt man, mit anderen Menschen zu kooperieren. Man lernt, wie man sich über einen Tausch einigen kann. Einen Blick auf Menschen zu entwickeln, der sich gänzlich ihrer Religion, Hautfarbe oder Geschlecht entzieht. Und diesen Wert mit Menschen aus aller Welt zu teilen. Und dabei ist man anderen Menschen gegenüber keineswegs immer distanziert und verschlossen, sondern es entwickelt sich eine gewisse Verbundenheit durch den Tauschhandel. Nun geben auch die Autoren zu, dass das nicht immer so ist. Der Markt ist auch keine utopische Welt der Freiheit und Kooperation. Es gibt natürlich an allen Ecken und Enden Vorurteile, Betrug und Verschlossenheit. Aber dazu sagen die Ökonomen ganz richtig, dass das kein Argument dagegen ist, dass Wirtschaft moralisch sein kann. Schlechte Menschen gibt es schließlich überall. Der Markt hat letzten Endes genau die moralischen Probleme, die wir auch haben.

So, und das war meine Folge zur Wirtschaft! Noch einmal einen großen Dank an Maria! Durch sie habe ich eine gute Einsicht in dieses Themengebiet bekommen, und das Papier, das ich euch vorgestellt habe, war auch tatsächlich ihre Idee! Lasst mich wissen, was ihr von so Duo-Folgen haltet. Es ist nicht ganz dasselbe von der Produktion her, doch immer mal wieder kann ich das sicher einrichten. 

Lasst gern einen Kommentar da, was ihr denkt! Wenn ihr übrigens gerne die Blogbeiträge in Audioform hören, mich erreichen oder mir vielleicht sogar eine kleine Spende dalassen wollt, findet ihr alle Links dazu in meinem Linktree.

So, genug von der Werbung und auch genug von mir. Ich wünsche euch noch einen schönen Tag! Ciao!


Quellen

,,Morals and Marktes" (Mausstudie) - Armin Falk & Nora Szech

,,Reclaiming Virtue Ethics for Economics" - Luigino Bruni & Robert Sudgen

Nikomachische Ethik" - Aristoteles

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