#17 Was ist die richtige Regierungsform?
Zusammenfassung
Was ist die richtige Regierungsform? Das ist eine Frage, die die Menschheit schon seit den ersten Staaten umtreibt. Wie will man sich am besten organisieren? Damals hat man sich normalerweise die stärkste, klügste oder angesehenste Person herangeholt und ihr alle Macht gegeben. Denn wer, wenn nicht sie könnte den Staat gut führen? Aber das hat allzu oft dazu geführt, dass diese Person ihre Macht missbraucht hat. Selbst der oder die klügste ist nicht unkorrumpierbar. Was macht man also? Die moderne Lösung ist, die Macht in einer Demokratie aufzuteilen. Alle haben dieselbe Macht, und die herrschende Kraft wird vom Volk ausgesucht. Eigentlich eine kluge Idee, denn damit ist eine kluge Regierung gesichert, aber verhindert, dass sie ihre Macht missbraucht. Aber auch dieses System hat Lücken. Weiß das Volk denn, was man für eine Person an der Spitze braucht? Was ist, wenn sich eine Betrügerin oder ein Betrüger wählen lässt? Hallo zusammen und herzlich willkommen zurück zu einer weiteren Folge von „Philosophie für zwischendurch“!
Vorbemerkung
Bevor ich anfange, eine kurze Sache: Ihr könnt wieder unter allen Folgen abstimmen! Ok, stopp, fangt gar nicht erst damit an. „Hey Adrian, du erzählst immer am Anfang irgendwelche Sachen, die weniger als einen Prozent deiner Zuhörer betreffen und nichtmal die interessiert es!“ Gut, fair enough. Aber falls da draußen jemand ist, der noch abstimmt, was ihr übrigens alle wirklich gern machen könnt: Es geht wieder. Die Sache ist die: Bei jeder Abstimmung kann ich ein Datum einstellen, bei dem sie abläuft und das war für die letzten Folgen immer ein Monat. Das würde also heißen, dass ihr nur noch bei den letzten beiden Folgen an der Abstimmung teilnehmen könntet. Aber weil ich ja weiß, wie gern ihr noch weiterhin abstimmen wollen würdet und ich da so großzügig bin, ist die Laufzeit jetzt ein Jahr oder so. Außerdem hört ihr die Folgen ja wahrscheinlich nicht sofort, wenn sie rauskommen. Was auch immer es Wichtigeres geben kann als meinen Podcast zu hören. Gut, das wars.
Einleitung
Also, was will ich euch
heute erzählen? Nun, falls ihr die Folge über die Ordnung der Philosophie
gehört habt, habt ihr dieses Thema wahrscheinlich erwartet. Denn da habe ich
unter anderem über politische Philosophie gesprochen und dazu habe ich bisher
nichts. Nun bin ich kein Politikwissenschaftler, aber ein bisschen will ich das
Thema ankratzen. Und zwar ist die Frage heute: „Was ist die richtige
Regierungsform?“ Aus philosophischer Sicht.
Normalerweise würde ich
damit anfangen zu definieren, was „richtig“ in diesem Fall heißt. Doch das ist
schwierig zu tun, ohne bereits eine Wertung abzugeben. Wir mögen unsere
Freiheit, doch ist sie wirklich elementar? Unsere Grundbedürfnisse sollten
gestillt werden, was Essen und Trinken angeht, doch wie viel brauchen wir
darüber hinaus? Ich werde mich also darauf beschränken zu sagen: Die richtige
Regierungsform ist die, bei der möglichst alle Menschen, die in dem Staat
wohnen, das gerne tun und glücklich sind. Belassen wir es erst einmal dabei.
Annäherung
Gut, ich fange einmal
so an: Wir leben momentan in einer Demokratie. Nur, um das vielleicht
klarzustellen, da sind sich ja momentan einige nicht sicher. Doch ist eine
Demokratie wirklich ideal? Ihr kennt es doch sicher, dass sich Leute über die
Politik beschweren und zwar darüber, wie langsam alles geht. Oder was für
schlechte Meinungen sich überall reinschleichen. Und so weiter. Nicht wenige
Menschen habe ich schon sagen hören, dass eine Diktatur in diesen Fällen sehr
viel effizienter wäre. Und gut, das ist nicht falsch. Wenn es nur eine Person
gibt, die über alles entscheidet, hat man keine langen Debatten oder
Bürokratie. Oder zumindest sehr viel weniger davon. Und eine andere Meinung als
ihre gibt es auch nicht, also weiß man auch da, was man hat. Ich meine, denkt
darüber nach: Wollt ihr wirklich dem gesamten Volk gleich viel Macht geben?
Soll wirklich jeder mitentscheiden dürfen, wie eure Zukunft auszusehen hat? Ich
meine, schaut euch doch einige eurer Mitmenschen an! Wäre es da nicht viel
einfacher, die Macht einfach nur an jemanden abzugeben, der oder die weiß, was
er oder sie macht? Doch genau das ist das Problem. Ist das gegeben? Denn wenn
diese Person zufällig dumm, egoistisch oder grausam sein sollte, geht der Staat
den Bach hinunter. Und das kann man nie wissen, oder? Wie viele Menschen kennt
ihr so gut, dass ihr wisst, dass sie noch dieselben wären, wenn sie die
alleinige Macht in einem Staat hätten? Wenn man nicht davor korrumpiert wurde,
schafft das das Amt vielleicht schon selbst. Aber es gibt natürlich auch
Zwischenschritte von einer Demokratie zur Diktatur. Was halten wir von einer
Oligarchie, in der nur eine kleine Gruppe das Sagen hat? Sollten wir denen
alle Macht übertragen? Diese Gruppe könnte sich dann absprechen und
sicherstellen, dass ihre Entscheidungen auch wirklich schlau sind. Zehn Köpfe
denken besser als einer. Doch auch sie könnten egoistisch sein, oder? Man kann
ja auch Entscheidungen treffen, die nur der eigenen Gruppe helfen. Und selbst
wenn man die Gruppe größer macht: Sobald gewisse Leute in einem Staat keine
Entscheidungsgewalt mehr haben, ist immer die Gefahr da, dass sie übergangen
werden.
Irgendwie muss also das
ganze Volk eine Entscheidungsgewalt haben. Doch wenn wir das machen, ist dann
der Staat besser dran? Was ist, wenn eine große Mehrheit nicht weiß, was sie
will? Wenn Entscheidungen getroffen werden, die zwar gewollt wurden, aber ganz
klar schädlich sind? Nun scheint es, dass wir hier eine neue Absicherung
brauchen. Und die nennt sich „repräsentative Demokratie“, wie wir sie hier in
Deutschland haben. Keine Sorge, sehr viel politikwissenschaftlicher wird das
hier nicht. Aber im Grunde ist die Idee, dass alle in einem Wahlsystem
Politiker mit gleichberechtigter Stimme wählen, die dann die Entscheidungen
aushandeln. Und diese Politiker sind für den Beruf natürlich ausgebildet und
vorbereitet. So stellt man in der repräsentativen Demokratie also sicher, dass
weder eine Person die Macht missbrauchen kann, noch Meinungen unberücksichtigt
bleiben, Minderheiten nicht unterdrückt werden und produktive Entscheidungen
gefällt werden können. Doch hier sind wir wieder beim Anfangsproblem: Das
dauert. Und ist das alles, was die Demokratie ist? Eine Absicherung, weil der
Mensch nicht gut genug ist, um eine produktive Diktatur führen zu können? Und
was von dem allen macht uns wirklich glücklich?
Die perfekte Regierung
Nun wären wir hier nicht bei der Philosophie, wenn wir uns nicht die Frage stellen würden: Was wäre, wenn? Ich möchte also kurz ein Gedankenspiel mit euch starten. Stellt euch jemanden vor, der allmächtig, weise und moralisch gut ist. Und diese Person würde euren Staat diktatorisch führen. Stellt euch vor, dass sie mit allen ihren Entscheidungen immer das tun würde, was für alle Menschen perfekt wäre. Das heißt aber auch, dass niemand wirklich frei wäre. Denn seht ihr, die Freiheit kann einen Menschen ja dazu bringen, Dinge zu tun, die ihm oder ihr nicht guttun. Dieser Herrscher weiß genau, was jeder Mensch zu jeder Zeit braucht, und nur genau das darf er auch tun. Erinnert euch, unser Staat soll dafür sorgen, dass die Einwohner glücklich sind. Und wie kann man glücklicher sein als wenn man alles bekommt, was man braucht? Wozu bräuchte man zu einem solchen Herrscher eine Opposition? Wozu Rechte? Ich weiß, bei diesen Worten springen bei euch wahrscheinlich sämtliche Alarmglocken an. Doch erinnert euch: Wir reden hier über einen Menschen, bei dem es ausgeschlossen ist, dass er irgendetwas nicht weiß, nicht kann oder nicht gut handelt. Wäre das dann die richtige Regierungsform?
Platons Staat
Mein Beispiel wirkt
weit hergeholt, aber es ist es gar nicht. Schon Platon hat in seinem Werk „Der
Staat“ mit diesem Gedanken gespielt. Ja, endlich kann ich diesen Dialog
tatsächlich auch für das passende Thema verwenden! Ich habe schon Infos daraus
zu guten Menschen und anderen Folgen geholt! Es ist ein Dialog, den Sokrates
mit verschiedenen Leuten führt. Alle paar Kapitel wechselt er dabei die Person,
mit der er redet. Der Einfachheit halber bleibe ich hier aber dabei, dass alles
Platons Meinung ist. Er hat den Dialog ja geschrieben. Also, Platon sagt
zunächst, dass es unbedingt einen Staat braucht, weil kein Mensch alles kann.
Jeder hat bestimmte Veranlagungen, und selbst wenn man alles könnte, könnte man
nicht alles gleichzeitig tun. Nun und damit nicht die Vorzüge von all den Arbeiten
fehlen, die man nicht verrichten kann, tut man sich zusammen. Ganz simpel: Ihr
könnt nicht gleichzeitig den ganzen Tag auf dem Feld arbeiten und gleichzeitig
den ganzen Tag fischen. Wenn ihr aber vielleicht nicht nur Brot wollt, sondern
auch Fisch, braucht ihr einen Part davon. Und so weiter eben. Platon
konstruiert seinen Staat mit allen Berufen, die wir schon kennen. Dabei sagt
er, dass jeder Mensch von seiner Veranlagung her genau einen Beruf am besten
ausführen kann. Daher soll jeder genau diesen Beruf haben und niemand mehr als
eine Sache tun. Aber wer regiert diesen Staat dann? Nun gibt es einen
Berufsstand, den Platon als den der „Wächter“ beschreibt. In erster Linie ist
das eigentlich das Militär. Dessen Aufgabe ist es, den Staat zu verteidigen und
Kriege zu führen. Und Platon sagt, dass die Verteidigung und Erhaltung des
Staates eigentlich genau die Funktionen sind, die auch ein Herrscher ausübt.
Daher legt er diese Berufe zusammen. Doch das steht eigentlich im Kontrast zu
seiner Vorstellung, jeder solle nur einen Beruf ausführen, oder? Und redet er
jetzt von einer Militärdiktatur? Sind einfach alle Wächter auch Herrscher?
Nein, so einfach macht er es sich nicht.
Ich glaube, bevor ich
diese Fragen beantworte, erzähle ich euch etwas mehr von diesen Wächtern. Denn
ansonsten kann man Platons Entscheidung nur schwer verstehen. Die Wächter sind
eine kleine Gruppe an Menschen, die speziell nach ihren Veranlagungen für den
Kampf ausgesucht werden. Wie alle im Staat sind es Leute, die demnach diesen
Beruf am besten ausüben können und sonst nichts machen sollten. Und diese
Wächter erhalten eine spezielle Ausbildung. Sie sollen nämlich auf der einen
Seite mutig und stark sein, aber auch sanftmütig gegenüber der eigenen
Bevölkerung. Das Ziel ist ja nicht, gefährliche Kampfmaschinen zu erschaffen.
Daher ist es bei ihnen ganz besonders wichtig, dass sie eine strenge und gute
Erziehung erhalten. Platon betont das nicht extra, weil das früher nicht
ungewöhnlich war, doch die restliche Bevölkerung erhält keine nennenswerte
Bildung. Bei ihnen ist es nicht wichtig, dass sie viel wissen, denn sie haben
ja ihren einen Beruf, bei dem nicht viel passieren kann. Die Wächter dagegen
werden von kleinauf mit körperlichem und geistigem Training aufgezogen. Und es
ist sehr streng. Platon beschreibt, wie ihnen zuerst Märchen vorgelesen werden
sollen. Aber nicht einfach irgendwelche, sondern nur solche, in denen Helden
und Götter gut dargestellt werden. Andere Märchen sollten generell aus dem
Staat verbannt werden, damit niemand von ihrer Existenz erfährt. Die Wächter
sollen nämlich internalisieren, dass sie die Helden des Staates sind und den
Göttern nach ihnen leben sollen. Da ist es natürlich wichtig, dass der Held in
der Geschichte immer der Gute ist. Und es geht noch weiter: Unmoralische Taten
dürfen niemals als gut dargestellt werden. Noch nicht einmal in einer Komödie
oder einem moralischen Dilemma. Der strahlende Held handelt immer gut und
richtig mit den Göttern an seiner Seite und seine Feinde sind schlecht und
böse. Und natürlich sollen dabei nicht nur Untaten als schlecht dargestellt,
sondern auch Tugenden besonders hervorgehoben werden. Der Held soll weise sein,
stark, mutig und besonnen sein. Auch darf den Kindern keine Angst vor dem Tod
gemacht werden. Erinnert euch daran, sie sind das Militär. Also müssen sie
internalisieren, dass sie eher sterben würden als in Feindeshand zu gelangen.
Dort würden sie dann ja dem Feind dienen und vielleicht sogar geheime
Informationen verraten. Es ist wahrscheinlich nicht nötig dazuzusagen, dass
solche Stücke auch nicht in Theaterform den Staat erreichen dürfen. Auch sind
starke Emotionen verboten. Die Helden der Geschichten dürfen nicht weinlich
sein, sie dürfen nicht über den Tod anderer Menschen trauern. Denn der Tod soll
ja nicht als eine schlechte Sache dargestellt werden. Solche Dinge sind in den
Geschichten schon erlaubt, müssen dann aber ganz klar als schlecht dargestellt
werden und müssen im Kontrast zum Helden stehen. Platon sagt, dass diese
Elemente in dem Fall sogar auftauchen sollten, um sogar noch den Abscheu davor
anzutrainieren. Selbst Gefühle wie übermäßige Liebe und Freude sind
unerwünscht. Alles, was das rationale Denken stören kann. Deswegen ist dem
Staat auch kein Luxus erlaubt, sondern nur eine so gute Wirtschaft, wie sie
gebraucht wird. Niemand soll gierig oder faul werden. Und besonders die
Loyalität der Wächter soll beim Staat liegen, sonst nirgends. Nun und zur
sportlichen Erziehung muss ich wohl nicht mehr viel sagen. Sie soll hart sein,
aber fördernd. Man sucht am Ende nach einem genauen Gleichgewicht zwischen
Geist und Körper. Natürlich erhalten die Wächter auch eine umfassende Bildung
zu dem wissenschaftlichen Stand der damaligen Zeit, besonders dem
philosophischen.
Nun und aus diesem
Kreis werden dann die Herrscher gewählt. Das Prinzip und der Grund sind
tatsächlich ganz simpel: Da sonst niemand im Staat tugendmäßig so sehr trainiert
wurde und der Staat so sehr am Herzen liegt, müssen es die Wächter sein, die
herrschen. Aber auch von ihnen nur der beste. Und das heißt der stärkste,
mutigste, weiseste und besonnste. Die Wächter sollen sich dazu in einem
gewissen Rhythmus in ihrem Leben immer wieder einem Test stellen. Besteht einer
mehrere Jahre bis ins hohe Alter, wird er der neue Herrscher. Um diese
Herrschaft zu legitimieren, will Platon dem Volk ein Narrativ erzählen. Er
möchte den Mythos verbreiten, dass alle Menschen aus der Erde gekommen sind und
von Gaia, der entsprechenden Göttin, gewisse Edelmetalle verliehen bekommen
haben. Und zwar haben die Wächter Gold bekommen, die anderen aber Erz und
Silber. Damit soll sich der Glaube verbreiten, dass die Wächter die reinsten
Wesen im Staat sind und berechtigt sind, ihn zu führen.
Nun gut, reden wir
darüber. Was sind diese Wächter für Leute? Wenn wir nach Platons Theorie gehen,
würde die Erziehung dazu führen, dass sie die vermittelten Werte so sehr
internalisieren, dass sie immer nach ihnen handeln würden. Wir hätten also
Leute, die immer den Staat und seine Erhaltung im Sinn haben. Die dank einer
speziellen Ausbildung tugendhaft sind und alles andere verachten. Die lieber
sterben würden als sich gefangen nehmen zu lassen. Weise sind sie auch, da sie
die Einzigen im Staat mit einer ordentlichen Bildung sind. Auf der anderen
Seite sind es Leute, die nie übermäßige Emotionen empfinden, sondern einzig und
allein im Sinn haben, den Staat zu erhalten. Sie lachen nicht, sie weinen nicht
und sie lieben nicht. Und die eine Person davon herrscht, bei der diese ganzen
Eigenschaften am ehesten ausgeprägt sind. Das, was Platon da beschreibt, ist
eine sogenannte „Aristokratie“. Das heißt, dass es eine adelige oder sonst
gesellschaftlich höhere Gruppe an Leuten gibt, die herrschen. Genau übersetzt
ist die „Aristokratie“ die „Herrschaft der Besten“. Auch außerhalb von Platons
Philosophie wurden Adelige oft als die besseren Menschen dargestellt oder gar
gottgewollt. Und bei Platon ist ja ganz klar zu sehen, wieso seine Wächter die
Besten sein sollen. Sie sind tugendhaft, stark und verfügen über Bildung und
den ausreichenden Willen zu herrschen. Nun und im Grunde ist das nicht
schlecht, oder? Wir haben bei der Demokratie bereits bemängelt, dass
Entscheidungen zu lange dauern und nicht gut genug sein könnten. Und hier
hätten wir mit Platon wirklich Herrscher, die fähig sind. Denn sie werden von
klein auf dafür trainiert. Und nicht nur sind sie gute Herrscher, sondern auch
gute Menschen, die ihre Treue genau da haben, wo sie hingehört.
Ein theoretisches Konstrukt
Gut, eine kurze Sache.
Ich weiß, ich habe versprochen, dass wir beim „Was wäre wenn“ bleiben. Das ist
ein theoretischer Staat und soll nur das Prinzip der Aristokratie beleuchten.
Doch wir sind uns wahrscheinlich alle darin einig, dass das nicht so aufgehen
würde. Platon war ein weiser Philosoph, aber kein Psychologe. Unter
Extrembedingungen wäre so eine Erziehung vielleicht möglich. Vielleicht würden
die Wächter ja wirklich gute Tugenden annehmen, wenn das Böse in der Welt
geheim gehalten oder schlechtgeredet wird. Doch was ist mit rebellischen
Phasen? Die hat doch jedes Kind. Und die schlechten Tugenden werden ja
abgebildet, nur nicht beim Helden. Ist es so abwegig, dass ein Kind die Bösen
der Geschichte cool findet? Und selbst wenn es funktioniert: Wie geht der
Wächter dann mit dem Bösen um, wenn es ihm einmal begegnet? Wie mit moralischen
Dilemmas? Ich glaube tatsächlich, dass die Erziehung die Wächter schwächen
würde, weil sie nur eine sehr beschränkte Sicht auf die Welt erhalten würden.
Die Bevölkerung dagegen bekommt noch nicht einmal Bildung und auch ihnen
bestimmte Dichtungen vorenthalten. Aber so funktioniert der Mensch eben nicht.
Man kann einen guten Menschen nicht „erschaffen“. Und es könnte jederzeit einen
Wächter geben, der seine Überlegenheit gegenüber dem Volk erkennt und die Macht
an sich reißt.
Doch gut, genug davon.
Genau solche Kommentare sind es eigentlich, die ich nicht gerne höre. Platon
sagt sogar selbst in der Mitte seines eigenen Werkes, dass es nicht sein
Anspruch ist, ein realistisches Staatsbild zu entwerfen. Er sagt dazu, dass man
einen Künstler ja auch nicht fragen würde, wo man denn sein Bild in der echten
Welt finden würde. Nun denke ich, dass diese philosophische Ausführung noch
einmal eine andere Funktion als ein Bild hat. Aber in jedem Fall ist Platon
sich bewusst, dass er das Wächtertraining wahrscheinlich nicht so einfach machen
kann. Es geht eher ums Prinzip. Wie mein Gedankenspiel am Anfang: Stellen wir
uns einfach vor, es gäbe jemanden, der alles weiß und kann und der gut ist. Und
diese Person herrscht dann alleine und lässt jeden nur das tun, was objektiv
für ihn oder sie gut ist. Platon hat das nur besser ausgeführt. Die Bevölkerung
bekommt keine Geschichten, in denen das moralisch Schlechte als gut dargestellt
wird, denn warum auch? Moralisch schlecht zu sein, ist nicht gut. Also, was
soll der Unsinn, nicht wahr? Luxus gibt es auch nicht, denn der macht einen auf
Dauer ohnehin nicht glücklich. Die Wächter können nicht alles, aber sie können
so viel, wie ihnen in ihrer Zeit nur möglich ist. Wäre das also ein utopischer
Staat? Denn jeder könnte nur das tun und wollen, was gut ist und angemessen
ist. Nun denke ich, wir müssen die Frage noch etwas weiter aufschieben. Dann
redet Platon noch über andere Regierungsarten, unter anderem auch die
Demokratie. Ich will also erst einmal erzählen, wie er sie sieht und dann alles
vergleichen.
Andere Regierungsarten
Platon sagt nämlich, dass es verschiedene Möglichkeiten geben kann, wie sein Staat fallen könnte, und damit würde sich dann auch die Regierungsart ändern. Er redet im Folgenden vor allem über drei Regierungszeiten: Die Oligarchie, Demokratie und Tyrannis. Ok, ganz kurz: An alle, die das Buch schon gelesen haben und der Vollständigkeit halber: Ja, er redet auch über die Timokratie. Aber die unterscheidet sich sehr wenig zur Aristokratie, also lasse ich die weg.
Oligarchie
Also,
wie kommt die Oligarchie zustande? Zu Deutsch ist das die Herrschaft der
Wenigen, im Falle von Platon die der Reichen. Sie kommt zustande, wenn das
Training der Wächter schon lange nicht mehr streng genug war. Mit einem weniger
moralischen Hintergrund merken die Wächter immer mehr, dass sie dem Volk
überlegen sind. Sie fangen an, im Luxus zu leben und verfallen dem Geld. Gier
greift um sich und schnell fangen die reichen Wächter an, über das arme Volk zu
herrschen. Da sie so überlegen sind, beuten sie das Volk aus, schrecken mit der
militärischen Macht ab und isolieren sich als Gruppe. Diese Regierungsart sieht
Platon als sehr problematisch an. Und das aus mehreren Gründen. Erstens werden
die Herrscher immer unfähiger. Gab es bei der Aristokratie noch ein gutes
Training und Moralität, geht jetzt alles nur noch nach dem Luxus und Prunk.
Damit besteigen nicht nur bereits unfähigere Herrscher den Thron, sondern sie
werden durch den Reichtum im Laufe der Zeit auch so korrumpiert, dass sie immer
fauler werden. Damit wird man als Staat sehr anfällig für angreifende Nachbarn.
Auch ist er innerlich gespalten: Da die Bevölkerung von den Oligarchen so sehr
ausgenommen wird, verfallen sie allesamt in Armut und entwickeln einen starken
Hass gegen ihre Regierung. Seht ihr, die Oligarchen können ihren Blick gar
nicht nach außen gegen mögliche Feinde richten, denn sie müssen sich ja innen
vor dem eigenen Volk verteidigen. Die Legitimation, die die früheren Wächter
hatten, ist auch dahin. Auch der Letzte hat inzwischen begriffen, dass nicht
die von Gaia gesandten goldenen Menschen auf dem Thron sitzen. Sondern einfach
nur irgendwelche reichen Leute, die Glück hatten. Der Staat verwildert ganz
einfach, wird nicht mehr ordentlich verwaltet und damit breitet sich auch
Kriminalität aus.
Demokratie
Nun und das bereitet
den Boden für die Demokratie, die Herrschaft des Volkes. Denn dieses lässt sich
das natürlich nicht lange gefallen. Nicht nur hassen sie die Regierung, sie
scheint ihnen auch nicht sonderlich fähig zu sein. Zwar haben sie
wahrscheinlich eine militärische Überlegenheit, sind aber recht isoliert und
eingesperrt in ihrer Gruppe. Von außen gibt es keine Unterstützung und innen
auch nicht. Und so brodelt die Revolution immer weiter hoch und wird in der
Faulheit der Oligarchen nicht verhindert. Schließlich werden sie gestürzt und
eine Demokratie wird errichtet. Das Volk, das so lange gelitten hat, will jetzt
die Zügel selbst in die Hand nehmen. Die Ämter werden an den verteilt, der sie
gerade ausführen will, denn keiner wird gezwungen. Platon beschreibt die
Demokratie tatsächlich als die schönste und bunteste Regierungsform. Das ist
interessant, nicht wahr? Denn in diesem Werk argumentiert er ganz klar dagegen.
Doch wir behalten das einmal im Hinterkopf. Platon sieht die Demokratie nämlich
an ihrer Freiheit bereits scheitern. Dadurch, dass es so wenige Regularien
gibt, wird das Volk unwillig, sich Regeln zu beugen. Immer öfter nehmen sich
die Stärkeren in der Gesellschaft das, was sie wollen. Weil sie es eben können.
Und immer, wenn neue Gesetze erlassen werden sollen, will sich niemand dafür
aussprechen. Es herrscht ein absoluter Freiheitswille. Und dieser macht aus der
Demokratie immer mehr eine Anarchie. Darauf geht Platon nicht weiter ein, aber
das wäre die Herrschaftslosigkeit.
Tyrannis
Und damit kommen wir zu
der letzten Regierungsart, der Tyrannis. Platon räumt nämlich schon ein, dass
die Demokratie eine gewisse Regierung hat. Es ist nicht einfach eine Anarchie.
Nein, es gibt gewählte Politiker, die das Land regieren. Es sind hier also
sogar Züge unserer repräsentativen Demokratie im Spiel. Doch genau darin sieht
der Philosoph das Problem: Ein späterer Tyrann könnte den Wolf im Schafspelz
spielen. Es könnte jemanden geben, der immer mehr Beliebtheit im Volk gewinnt,
weil er verspricht, die schwierigen Zustände zu lösen. Er könnte behaupten,
seine politischen Gegner wären Anhänger der Oligarchie und so Hetze betreiben.
Er vergrößert seine Anhängerschaft damit so weit, bis er die Macht hat, selbst
über alles entscheiden zu können. Damit das dem Volk nicht gleich auffällt,
führt er Kriege, um einen Notstand zu haben. Doch natürlich sind die Leute
nicht dumm, und so wird der Tyrann mit der Zeit immer verhasster. Nur ist ihm
das egal, denn er verbannt die Kritik an ihm ganz einfach und bestraft alle
Gegner hart. Und damit wird alles Gute, was im Staat noch übrig war, gebannt.
Und so, wie in der Aristokratie nur das Gute existiert hat, gibt es in der
Tyrannis nur das Schlechte. Und so stellt sich Platon den ultimativen Fall
eines Staates vor.
Zwischenstand
Ich fasse also kurz zusammen, was Platon uns über diese 4 Regierungstypen sagt. Der einzig ideale Typ ist bei ihm die Aristokratie. Aristokratie ist übersetzt die Herrschaft der Besten und bedeutet in der Praxis, dass es eine adelige Klasse gibt, die die anderen beherrscht. Nach Platons Vorstellungen soll das durch eine Mischung aus Militär und Polizei geschehen. Die sogenannten Wächter. Diese werden speziell für diese Berufe trainiert und bekommen moralische Werte und Wissen vermittelt. Der weiseste, stärkste und moralisch beste von ihnen regiert dann den Staat. Es handelt sich um eine nach Platon faire Regierung, die keinen übermäßigen Luxus oder schlechte Tugenden zulässt, sondern alle Bürger zur Zufriedenheit erzieht. Doch mit der Oligarchie beginnt der Untergang dieser Utopie. In der Herrschaft der Wenigen ist es komplett egal geworden, wie edel die Herrscher sind oder welches Training sie bekommen. Alles, was zählt, ist der Reichtum. Die ehemaligen Wächter haben dabei ganz klar einen Vorteil gegenüber dem Volk, weil sie deutlich weiser, stärker und angesehener sind. Durch ihre Gier beuten sie also alle aus und leben im Luxus. Dadurch werden sie faul und blind gegenüber dem Geschehen im Volk. Denn dieses wütet. Es wird immerhin ausgebeutet und glaubt auch nicht mehr an die Legitimität der Herrscher. Kriminalität breitet sich aus, der Staat bleibt unverwaltet. Bis es dann in der Demokratie, der Volksherrschaft, alles hochkocht. Die unterdrückten Bürger stürzen die alten Herrscher und etablieren eine noch nie gekannte Freiheit im Staat. Es ist eine schöne Regierung, unter der niemand zu Ämtern gezwungen wird und äußern kann, was er oder sie will. Jedoch ist die Regierung schwach, die Menschen halten sich immer weniger an Gesetze und keiner kann sich durchsetzen. Es sind ja alle gleichberechtigt. Bis dann der Tyrann die Bühne betritt, sich durch demokratische Mittel die Gunst des Volkes erspielt und dann alle Hebel für seine Alleinherrschaft in die Hand nimmt. Er regiert mit eiserner Hand und entfernt alles Gute, was im Staat bis dahin noch übrig geblieben ist.
Eine dysfunktionale Utopie
Gut, was halten wir von
Platons Analyse? Nun denke ich, dass wir seine zwei dystopischen
Regierungsformen direkt abhandeln können. Ganz offensichtlich sind weder die
Oligarchie noch die Tyrannis die richtige Regierungsform. Wir haben bei beiden
Modellen Alleinherrscher, die gar keine besondere Befähigung zum Herrschen
haben. Sie sind auch nicht am Staat interessiert, sondern an sich selbst. Die
Leute leiden unter ihrer Regierung und sind weder frei noch sicher. Ich denke,
dass unter diesen Herrschern niemand glücklich ist. Nein, der wahre Gegensatz
entsteht hier zwischen der Aristokratie und der Demokratie. Und zwar so, wie
sie Platon dargestellt hat. Wie ich schon gesagt habe, haben wir bei ihm einen
Staat, in dem die Herrschenden weise sind und immer die richtigen
Entscheidungen treffen. Die Bürger werden bevormundet, erhalten keine Bildung,
aber sind in ihrem Rahmen zufrieden. Es gibt keinen Luxus und keine guten
Darstellungen schlechter Taten. Keine Komödien, könnte man fast sagen. Und
jetzt die Frage, die ich oben bereits aufgeschoben habe: Wäre das die richtige
Regierungsform? Das heißt, wäre die Bevölkerung in diesem Fall glücklich?
Nun, zwei Sachen dazu.
Erstens würde das Modell nicht aufgehen. Man kann nicht einen Standard
erzwingen, nach dem jeder glücklich sein soll und diesen dann durchsetzen.
Menschen können sich weder aussuchen noch steuern, was sie glücklich macht. Die
Idee, sie nur bestimmten Reizen auszusetzen, um sie zu konditionieren, ist
nett, aber wird nicht funktionieren. Wenn eine dieser Personen auch nur einmal
in ihrem Leben mit einem anderen Bild konfrontiert wird, sind die Zweifel
sofort da. Oder was ist mit der Welt außerhalb des Staates? Man kann Menschen
nicht ewig, normalerweise noch nicht einmal sonderlich lang von den Wahrheiten
der Welt fernhalten. Und wir wollen sie alle wissen, das liegt in unserem
Wesen. Und hier will ich zu der zweiten Sache kommen: Der Bevölkerung an
sich. Denn in diesem Staat ist niemand frei. Niemand darf sich die
eigenen Präferenzen aussuchen, denn sie werden vorgelegt. Und selbst wenn
wir einmal annehmen würden, dass das funktioniert: Dann wären diese Menschen
gar keine Menschen mehr.
Gut, wie meine ich das?
Ich möchte an die Folge zum freien Willen erinnern, falls ihr die kennt. In ihr
habe ich unter anderem Jean Paul-Sartre und Harry G. Frankfurt zitiert. Und
beide sagen, dass die Freiheit zur Wesensbestimmung des Menschen gehört. Nach
Sartre macht jeder Mensch Lebensentwürfe zu jeder Phase seines Lebens. Und die
sehen so aus, dass man sich seine Präferenzen anschaut, das, was man haben will
und die Wege, wie man sie erreichen kann. Und das müssen Wünsche sein, die auch
wirklich selbst gewollt werden. Sonst ist kaum Motivation da, dieses Ziel auch
zu erreichen. Oder schauen wir uns Frankfurt an. Er sagt, dass der Mensch im
Unterschied zum Tier nicht nur Handlungsfrei, sondern auch Willensfrei ist.
Handlungsfrei ist man, wenn man tun kann, was man gerade will. Zum Beispiel
könnte ein Tier Hunger haben, essen wollen und dann frei sein, das zu tun.
Wenn sie zum Beispiel ein Wolf gerade etwas erjagt hat. Und ein Mensch
kann das natürlich auch. Doch die Willensfreiheit geht noch einen Schritt
weiter. In ihr reflektiert man über die eigenen Wünsche. Man legt
wirklich fest, was einen glücklich machen würde und handelt dann danach. Nun und dieser Teil wird in Platons Staat vorgegeben. Und zwar
jedem: Noch nicht einmal die Elite ist frei. Alle wollen nur das,
was ihnen vorgesetzt wird. Und damit ist es dann wie ein Mechanismus, der
in sich funktioniert. Doch wer profitiert davon? Es gibt noch nicht
einmal einen Menschen an der Spitze, der sich daran freuen kann. Alle
arbeiten wie Maschine ohne Bediener vor sich hin. Und das ist ehrlich
gesagt ziemlich dystopisch.
Nun könnte man sich
fragen, ob ich hier gerade alle Aristokratien über einen Kamm schere. Die
Herrschaft der Besten kann ja auch bedeuten, dass die Weisesten die
Gesellschaft leiten und in Freiheit leben lassen. Doch das ist ein logischer
Fehler. Nehmen wir einmal an, diese Herrscher würden sich nicht selbst
bereichern, sondern wirklich nach dem Wohl des Volkes schauen, aber alles
wissen. Würden sie dann wirklich zulassen, dass der Bevölkerung irgendetwas
passiert, wenn sie sich für sie interessieren? Nein, sie würden sich, wenn sie
schlechte Menschen wären, an ihnen bereichern. Wie bei der Tyrannis und
Oligarchie. Und wenn sie gute Menschen wären, bemuttern sie sie. Genau wie bei
Platons Aristokratie.
Eine nicht-perfekte Utopie: Konklusion
Und damit kommen wir
zur Demokratie. Warum nun ist diese so toll? Denn Platon hat recht, wenn er
sagt, dass man die Bevölkerung hier weniger fest im Griff hat. Auch ist wahr,
dass Beschlüsse nur langsam durchkommen und die Gefahr besteht, dass jemand
Macht bekommt, der oder die sie nicht verdient hat. Doch lohnt es sich nicht,
diese Regierungsform dagegen zu reformieren? Denn die Aristokratie ist, genau
wie die Oligarchie und Tyrannis, ziemlich festgefahren. Weder das Optimum noch
das Minimum sind hier ideal. Doch wenn bereits die menschliche Freiheit gegeben
ist, warum nicht darauf aufbauen? Sogar Platon sagt doch, dass es eine so
schöne Regierungsform ist!
Kommen wir zu dem
Problem, das er vor allem sieht: dem Machtmissbrauch durch die Tyrannen. Warum
dagegen nicht eine Aufteilung der Macht auffahren? Und Kontrollinstanzen,
fähige Politiker? Durch Rechte, die niemand verletzen darf, egal zu welchem
Zeitpunkt. Was ist mit seinem Einwand, dass durch die Gleichberechtigung und
Freiheit niemand mehr die Gesetze beachten würde? Naja, nur weil alle Menschen
gleichberechtigt sind, heißt das nicht, dass es keine Gesetze geben muss. Oder
eine Exekutive. Auch Sartre sagt, dass der Mensch zwar von seinem Wesen her
frei ist, es aber keine komplette Freiheit geben kann. Gezwungenermaßen muss ja
die Freiheit jedes Menschen da halt machen, wo die des Nächsten beginnt, wenn
alle möglichst frei sein sollen.
Auch hat die
Aristokratie einen Logikfehler. Es ergibt gar keinen Sinn, einen Menschen höher
als einen anderen zu stellen. Noch nicht einmal Platon selbst sieht die Wächter
als von Grund auf bessere Menschen an. Das Narrativ der Edelmetalle ist nur
eine Lüge, das gibt er selbst zu. Ein weiterer Beweis, dass die Aristokratie
gezwungen, unnatürlich und falsch ist. Wenn also nun alle Menschen gleich sind,
gibt es keinen Grund, von einer kleinen Gruppe der Besten auszugehen. Warum
dann nicht annehmen, dass alle die Besten sein könnten? Warum nicht allen
Menschen eine ausgewogene Erziehung anbieten, sodass quasi jeder das Land
regieren könnte? Denn genau wie bei Platons Idealstaat könnten auch wir
theoretisch werden. Was wäre denn, wenn jeder Mensch in einem Staat weise,
stark, besonnen, aber auch noch frei wäre? Wäre das nicht eigentlich utopisch?
Dann hätten wir nämlich das Problem der falschen Meinungen beseitigt. Dann
würden die richtigen auch sehr viel schneller durchkommen. Aber kommen wir
zurück zur Realität: Denn trotz guter Bildung ist eben kein Mensch perfekt.
Aber in einer Demokratie zu leben heißt, zu wissen und damit zu leben, wer wir
sind. Wir sind Menschen, keine Maschinen. Und es bringt nichts, diesen Fakt zu
leugnen. Ja, wir haben unsere Fehler und keine Demokratie läuft wirklich
komplett rund. Menschen irren sich, sie streiten, sie beharren und sie sind
stur. Doch man sollte sie auch nicht unterschätzen. Schauen wir uns doch zum
Beispiel Deutschland an, das noch gar nicht so lange eine Demokratie ist. Also
im Vergleich. Wie viel wir doch erreicht haben, nicht wahr? Ich denke, dass das
oft in der Kritik verloren geht. Es lohnt sich nicht, einen Staat für Roboter
aufzubauen, wenn kein Einwohner einer ist.
So, und das war meine
Folge zu der richtigen Staatsform. Ich möchte kurz noch etwas zu Platon sagen,
bevor er hier in einem zu schlechten Licht dasteht. Platon ist ein ganz klarer
Gegner der Demokratie, das ist offensichtlich. Doch wir müssen das im zeitlichen
Kontext sehen. Athen hatte damals eine einzigartige Regierung mit ihrer
Demokratie. Doch sie war nicht wie die, die wir hier heute haben. Es gab ein
Wahlrecht, es gab Politiker und es gab gewisse gleiche Rechte, das stimmt. Doch
das System war weit von der Perfektion entfernt. Allem voran war es mit
korrupten, einflussreichen Leuten besetzt. Das ist einer der Gründe, weshalb
Sokrates sterben musste. Er war ein armer alter Mann, der sich den Tag über mit
Leuten unterhalten hatte. Doch er wurde hingerichtet, weil er gewisse Menschen
lächerlich gemacht hat. Das ist ein Erlebnis, das Platon tief geprägt hat. Und
daher muss man ihn wohl verstehen. Aber gut, genug davon. Ihr wisst ja selbst,
wie neu das Konzept der Demokratie damals war. Natürlich ist man da sehr
misstrauisch.
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Dann macht es gut und noch einen schönen Tag.
Quellen
,,Der Staat" - Platon
,,Das Sein und das Nichts" - Jean-Paul Sartre
,,Willensfreiheit und der Begriff der Person" - Harry G. Frankfurt
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