#11 Sind die Jedi gut und die Sith böse?
Zusammenfassung
Für diese Folge hoffe ich einmal, dass ihr Star Wars schon einmal gesehen habt. Aber selbst wenn nicht, klingt die Handlung eigentlich recht simpel: Die guten Jedi kämpfen gegen die bösen Sith. Aber ihr kennt ja die Philosophie: Es ist eigentlich nie so einfach. Und so habe ich mich gefragt: Sind die Jedi tatsächlich gut und die Sith böse? Wenn man nach den ersten drei Teilen geht, ist das nicht so offensichtlich, wie man denken könnte. Vor allem die Jedi machen sehr viel mehr falsch, als man denken könnte. Mithilfe der Philosophie der Emotionen und Moral mache ich hier einen kleinen Versuch, die Fronten zu klären. Hallo zusammen und herzlich willkommen zurück zu einer weiteren Folge von „Philosophie für zwischendurch“.
Einleitung
Heute wird eine etwas ungewöhnliche Folge, denn es wird um
einen Film gehen. Eher noch eine Filmreihe, oder fast schon ein komplettes
fiktives Universum aus Comics, Filmen und Serien. Ich rede von der Star Wars
Reihe. Ich bin kein kompletter Star Wars-Fanatiker, aber war schon immer ein
großer Fan. Doch in letzter Zeit habe ich länger über die Filme nachgedacht,
die ich vor so vielen Jahren zum ersten Mal gesehen habe und habe gemerkt,
dass ich einige Dinge inzwischen anders wahrnehme. In der Handlung steckt
deutlich mehr Philosophie, als man denken würde.
Seht ihr, früher fand ich
die Handlung der Filme sehr simpel, wenn auch spannend natürlich. Die guten
Jedi bekämpfen die bösen Sith, verlieren erst gegen sie und gewinnen dann
wieder, verlieren und gewinnen. Aber für mich gab es nie einen Zweifel daran,
wer auf welcher Seite stand. Es gab die helle und die dunkle Seite, die Guten
und die Schlechten. Und die Filme tun auch nicht sonderlich viel, um diese
Zweiteilung infrage zu stellen. Doch jetzt tue ich das. Und daher möchte ich
fragen: „Sind die Jedi gut und die Sith böse“? Nun, wenn ihr die Filme nicht
mögt oder langweilig findet, ist das natürlich ok, ich mag auch nicht alle. Aber vielleicht könnt ihr mit meinem Ansatz trotzdem etwas anfangen. Und
wenn ihr die Handlung nicht sonderlich gut oder gar nicht kennt, keine Sorge.
Ich werde die wesentlichen Teile für diese Folge zusammenfassen. Damit es hier
nicht zu ausschweifend wird, werde ich mich nur auf die ersten drei Filme
beziehen. Die Serie „Clone Wars“ wird auch eine Rolle spielen. Es gibt zu Star
Wars nämlich ansonsten so unglaublich viele Geschichten und Material, dass man
Ewigkeiten reden könnte. Also, Spoilerwarnungen für die ersten 3 ,,Star Wars"- Filme und die Serie ,,Star Wars The Clone Wars".
Star Wars
Nun gut, ich möchte ganz
von vorne anfangen. Wenn wir über Star Wars reden, wo befinden wir uns? Stellt
euch eine riesige Galaxis aus unzähligen Planeten vor, auf denen die
vielfältigsten Wesen leben. Menschen gibt es natürlich auch, ansonsten
menschenähnliche Wesen, oder auch welche, die ganz anders sind. Doch sie alle
leben in dieser Galaxie und sind miteinander verbunden. Es gibt Handel,
Diplomatie und natürlich auch Streit, ähnlich wie auf unserer Erde. Und wie das
eben so ist, wenn man eine so große Galaxie verwalten will, gibt es eine
Regierung. Im ersten Teil fangen wir mit einer Republik an, einem galaktischen
Senat, in dem fast jede Spezies vertreten ist. Ich sage „fast“, weil einige
Lebewesen aus verschiedenen Gründen außen vor sind, aber das tut nicht viel
zur Sache. Im Großen und Ganzen scheint es eine wirklich fortschrittliche
Demokratie zu sein: Es gibt eine:n Kanzler:in, der/die die Verhandlungen leitet und die
Senator:innen, die immer ihren eigenen Planeten vertreten. Doch wie ihr euch sicher
vorstellen könnt, ist so eine Demokratie kaum möglich ohne Schutz. Die ganzen
unterschiedlichen Aliens unterscheiden sich in ihrem Wesen nicht sonderlich
stark von uns Menschen: Die Meisten wollen natürlich vor allem für ihren eigenen Planeten das beste herausholen und würden wohl einfach übereinander herfallen.
Die Jedi
Und hier kommen der
sogenannte Jedi-Orden ins Spiel. Nun, wer sind diese Jedi? Im Grunde
sind sie eine Art Religion. Sie glauben an die „Macht“, zu der wir gleich noch
kommen. Wichtig ist, dass sie als die Guten in der Geschichte dargestellt
werden. Es heißt, sie würden der „hellen“ Seite der Macht folgen, und von
ihrem Willen geleitet werden. Ihr kennt ja sicher den Ausspruch „Möge die Macht
mit dir sein“. Das sagen die Jedi genau aus diesem Grund zueinander. Doch
was ist diese „Macht“ jetzt eigentlich? Nun, man kann sie ein bisschen als den
Gott dieser Religion sehen. Die Macht ist etwas, das die Geschicke der gesamten
Galaxis leitet und in jedem Lebewesen steckt. Man kann sie ein bisschen
wie das intentionale Schicksal sehen, über das ich in der letzten Folge
gesprochen habe. Sie redet nicht und kommuniziert nicht direkt, aber man kann
eine Verbindung zu ihr herstellen. Und genau das machen die Jedi. Sie meditieren und
versuchen, den Willen der Macht herauszufinden, wie Mönche quasi. Ein wichtiger
Unterschied zu konventionellen Religionen ist aber, dass die Macht an sich
bewiesen ist. Im Film gibt es gewisse Mikroorganismen, die in jedem Lebewesen
stecken. Sie nennen sich „Midi-Chlorianer“ und sind mal mehr, mal weniger stark
ausgeprägt. Und je mehr man davon hat, desto mehr ist man mit der Macht
verbunden. Logischerweise besteht daher der Jedi-Orden aus Menschen mit einem
besonders hohen Midi-Chlorian-Wert und sucht auch danach seine Mitglieder aus.
Nun gut, wir haben also
eine demokratisch organisierte Galaxis und ein paar Mönche, die über das
Schicksal nachdenken. Ihr Glaubensgegenstand ist die Macht als ursprüngliche
Ursache der Galaxis, die auch als solche bewiesen scheint. Doch warum genau
sind sie so wichtig? Nun, diese Mönche sind neben ihrem Glauben auch Kämpfer.
Ihre Verbindung zur Macht erlaubt ihnen nicht nur einen engeren Glauben,
sondern auch schnellere Reflexe, wahrsagerische Fähigkeiten, große körperliche Fertigkeiten und die Möglichkeit, Gegenstände zu
bewegen, ohne sie zu berühren. Dazu kommt noch ein ganzer Katalog an Fähigkeiten, aber ihr versteht den Punkt. Es ist im Grunde so, dass sie einen kleinen Teil
der Möglichkeiten dieser großen Allmacht in sich tragen, je näher sie ihr
kommen und das macht sie zu starken Kämpfern. Zusätzlich haben die Jedi einen
großen Schatz an Wissen in ihrem Tempel angesammelt und Waffen, zu denen
niemand außer ihnen Zugriff hat. Ich rede von den berühmten „Lichtschwertern“
oder „Laserschwertern“, die durch fast alles schneiden können. Die Jedi werden
ihr ganzes Leben darauf trainiert, mit ihnen zu kämpfen und mit ihren Macht-Fähigkeiten
kombiniert macht sie das zu wirklich sehr starken Kämpfern. Wie wir in den
Filmen und Serien sehen, gibt es kaum eine:n Gegner:in, der/die nicht die Macht nutzen
kann, und ihnen wirklich gewachsen ist.
Man könnte die Jedi also
als Kriegermönche bezeichnen. Doch wofür trainieren sie eigentlich?
Nun, es
gibt eine feindliche Religion, der sie entgegengesetzt sind: Die
sogenannten Sith. Das Interessante ist, dass die Sith auch an die Macht
glauben und meditieren. Auch sie haben ein großes Wissen darüber,
welches sie nicht preisgeben und Laserschwerter, auf die niemand Zugriff hat.
Auch in ihnen befindet sich eine hohe Anzahl an Midi-Chlorianern, die ihre
Verbindung mit der Macht stärken. Doch die Sith glauben nicht, dass man dem
Willen der Macht folgen soll. Ihrer Meinung nach sollte man die Macht benutzen,
um selbst große Sachen vollbringen zu können. Wie die Jedi haben sie schnelle Reflexe, können in die Zukunft sehen und Dinge bewegen. Doch darüber hinaus können sie aber auch Blitze
aus ihren Fingern schießen, Gegner würgen und sogar, wie wir erfahren, Tote
auferwecken. Auch sie können darüber hinaus natürlich Vieles mehr. Es heißt, sie würden dafür die Macht biegen und dazu bringen,
dass sie ihren Willen vollbringt. Nun, aber nicht so vorschnell mit den
Urteilen aufgrund der Worte „biegen“ und „zwingen“. Denn das ist auch das, was
die Macht selbst tut. Noch wissen wir nicht, ob es besser ist, sie über sich zu dulden oder die eigene Autonomie zurück zu erkämpfen.
Die Republik
Kommen wir also zu den
Filmen. Welche Rolle spielen diese Religionen? Nun, die Jedi treten als die
Verteidiger der Republik auf, sie sind wie eine kleine Privatarmee aus hoch trainierten Elitekämpfern. Und sie haben scheinbar Erfolg: Wie wir
im ersten Teil erfahren, sind die Sith vor tausend Jahren besiegt worden, was
genau die Zeit ist, seit der es die Republik gibt.
Die Jedi sind also wohl
Pro-Demokratie und die Sith für eine andere Regierungsform, zumindest, so weit wir wissen. Und die Jedi vertreten infolgedessen auch einige demokratische
Werte. Sie ehren das Leben und finden, jedes Wesen sollte gleichbehandelt
werden. Jede:r soll eine Stimme bekommen und für sich einstehen dürfen. Doch das
werden wir noch sehen. Im Gegensatz dazu teilen die Sith diesen Glauben nicht
und sind der Meinung, dass nur die Stärksten, Schlausten und Besten diese
Verantwortung haben sollten.
Ich möchte so oder so aber zunächst einmal direkt
notieren, dass die Jedi eigentlich als gefährlich gesehen werden könnten.
Stellt euch vor, es gibt zum Schutz eures Staates eine Gruppe an Krieger:innen, die
alles können. Sie haben Reflexe, eine Beweglichkeit und eine Kampffertigkeit,
die es sonst nirgends in der Galaxie gibt. Sie verstecken ihre Waffen und ihr
Wissen vor der ganzen restlichen Galaxis, aber versprechen, die Republik zu
verteidigen. Sie sind keine Exekutive, denn sie sind nicht durch Gesetze
gebunden. Das sieht man vor allem in der Clone-Wars Serie: Wenn jemand aus dem Jedi Orden
ein Verbrechen begeht, ist er oder sie unantastbar, bevor sie die Person
herausgeben. Innerhalb des Tempels hat man komplette Freiheit vom Gesetz und
das in den Händen der mächtigsten Krieger:innen der Galaxis.
Doch gut, es passiert
nichts. Die Jedi versprechen, die Republik zu schützen, und das tun sie auch
schon tausend Jahre lang erfolgreich. Doch diese Demokratie ist keinesfalls
perfekt. Die Korruption breitet sich immer mehr aus und nimmt gewaltige
Ausmaße an. Die Jedi tun aber nichts dagegen, weil sie weitestgehend
unentdeckt bleibt. Auch ruft sie natürlich keine:r zur Hilfe, wer auch? Die Kanzler
selbst sind korrupt. Und selbst wenn, gibt keine Manifestation der
Korruption. Kein militarisierter Planet oder konkrete Macht gegen die Republik.
Außerdem sind die Jedi eigentlich eher auf die Sith konzentriert. Sie sind es,
die die Republik stürzen wollen und jetzt da sie so lange weg sind, gibt es
keinen Grund zur Sorge. Ohne die Sith wiegen sich die Jedi in kompletter
Sicherheit. So sehr, dass sie gar nicht merken, dass sich eine Gefahr von
innerhalb der Republik zusammenbraut.
Die sogenannte Handelsföderation, die
ihre Befugnisse erweitern will, startet eine Invasion auf einen Planeten, der
im Senat vertreten ist. Die Handelsföderation ist im Grunde das, was ihr Name sagt:
Ein Handelsbund aus einigen Vertretern des galaktischen Senats. Und hier sieht
man, wie korrupt die Republik geworden ist, denn niemand tut etwas. Die
Föderation behauptet, es gäbe keine Invasion, als die Vertreterin des
betroffenen Planeten vorsprechen will und keiner sagt etwas dagegen. Der
damalige Kanzler selbst scheint machtlos und handelt nicht.
Und so bricht Panik auf
dem betroffenen Planeten aus. Hektisch wird nach einer Lösung gesucht, die Invasion
aufzuhalten, und sie wird in den Jedi gefunden. Doch auch innerhalb der
Republik soll ein neuer Kanzler gefunden werden, der der Korruption
entgegensteuert. Und diese Person wird in dem späteren Kanzler Palpatine
gefunden. Eine lange Wahlperiode gibt es nicht: In einem Misstrauensvotum gegen
den alten Kanzler wird dieser abgesetzt und Palpatine gewählt. Er verspricht,
die Invasion zu beenden und gegen die Korruption anzukämpfen. Der müden
Republik scheint das auch schon zu langen, denn er wird sofort gewählt und hält auch Wort. Ohne lange
Debatten werden die Jedi mit der Unterstützung eines anderen Stammes und
einiger Streitkräfte des Planeten geschickt und beenden die Invasion. Alles
scheint wieder in Ordnung zu sein.
Zumindest für die nächsten ungefähr zehn Jahre. Dann, im zweiten Teil, passiert plötzlich alles sehr schnell. Die Republik
findet durch die Jedi heraus, dass die Handelsföderation ein riesiges Heer aus Droiden zusammenstellt. Eine unzählbare Anzahl von ihnen, bewaffnet mit
„Laserpistolen“ oder „Blastern“, wie sie in den Filmen genannt werden. Es sind
so viele, dass die Jedi selbst mit ihrer Kampffertigkeit und ihrem riesigen
Orden kaum eine Chance zu haben scheinen. Inzwischen nennt sich der Gegner auch
nicht mehr „Handelsföderation“, sondern sind die „Separatisten“. Ein
ehemaliger Teil der Republik, der sich abspalten will.
Doch ungefähr
gleichzeitig und wie durch Zufall entdecken die Jedi, dass die Republik bereits
eine ebenfalls gigantische Armee zu besitzen scheint. Auf einem abgelegenen
Planeten wurde scheinbar auf Bestellung eines Jedi in diesen letzten zehn Jahren
ein Heer aus Klonsoldaten aufgestellt. Sie sind wohl intelligenter als die Droiden
und ihnen auch sonst gewachsen. Doch niemand von den Jedi oder in der gesamten Republik weiß, woher
diese Bestellung kam, denn sie wurde nie genehmigt. Auch der DNA-Spender der
Armee, ein Kopfgeldjäger, ist ihnen unbekannt und scheint sogar mit den
Separatisten zusammenzuarbeiten. Obwohl Kopfgeldjäger typischerweise immer die
Seite von denen annehmen, die am besten zahlen, ist das alles sehr komisch.
Aber
für lange Debatten bleibt keine Zeit, denn die Bedrohung der Droidenarmee ist
jetzt da. Jedes Mitglied der Republik hat Angst, dass der eigene Planet fällt, die Zeichen stehen nach Krieg. Doch das sehen nicht alle so. Ein Krieg ist
nichts, was man leichtfertig beginnen sollte, deshalb sind einige Senator:innen
dagegen. Es läuft die Gefahr, dass die Entscheidung unter vielen Debatten
untergeht. Daher fällt der neue Kanzler Palpatine eine Entscheidung. Er
erbittet vom Senat eine Notstandsvollmacht, um allein über die Geschicke der
Republik entscheiden zu können. Man müsse jetzt handeln. Und ohne viel zu
überlegen, bekommt er diese auch. Die Angst greift so stark um sich, dass
niemand wirklich gegen ihn steht, auch nicht die Jedi. Überlegt euch,
diese Kriegermönche verteidigen die Republik seit tausend Jahren und schauen
gerade einfach nur zu, wie sie zu einer Diktatur wird. Nicht nur das, sie
nehmen sogar teil.
Die Klonkriege
In Einstimmigkeit mit dem Senat schickt der Kanzler die Klone in den Kampf gegen die Droiden und erbittet die Jedi als Generäle. Und so beginnen die sogenannten „Klonkriege“, von denen auch die entsprechende Serie handelt. Und sie geben uns wirklich starke Einblicke, was aus den Jedi geworden ist. Erinnert euch, die Jedi wollten die Republik verteidigen. Aber mit diesem Krieg stimmen sie nicht nur
ohne Widerstand diesem Notstand zu, sondern kämpfen auch mit den Klonen.
Und
wer sind diese Klone eigentlich? Sie kommen von jemandem, der für die
Separatisten arbeitet und einem Jedi, von dessen Handeln niemand wusste.
Und selbst, wenn diese Krieger unbedenklich wären, was sind das für Leute? Man
ist leicht verleitet zu denken, dass sie so wären wie die Droiden. Alles nur
Kopien eines einzelnen Mannes, die technisch gesehen keine eigenen Lebewesen
sind. Doch ist das wirklich so? Die Serie „Clone Wars“ lehrt uns, dass diese
Krieger Gefühle zu haben scheinen. Viele Jedi freunden sich sogar mit ihren Untergebenen an und kämpfen Seite an Seite mit ihnen. Doch ist das ethisch
wirklich vertretbar? Den Klonen wurde schon immer das Narrativ eingespeist,
dass sie für den Krieg geboren wären und deshalb von ihrem Wesen heraus kämpfen
müssten. Und klar, sie wurden wohl dafür geschaffen. Es ist daher auf
Todes- oder zumindest Freiheitsstrafe illegal, zu desertieren. Wie wir sehen,
gibt es aber Klone, die nicht kämpfen wollen. Es gibt welche, die das einfach
Leben außerhalb dieses Konfliktes dem Kampf vorziehen. Verständlich, denn die
Klonkriege sind sehr grausam. Doch die Jedi und die Republik können sich
diesen Wunsch nicht leisten, denn die Produktion kostet den Senat schon zu
Beginn ein Vermögen. Und so ist es ganz klar zu sehen: Die Klonarmee ist
eigentlich eine Sklavenarmee. Den Soldaten wird gesagt, sie wären für den Kampf
geboren und müssten kämpfen oder würden bestraft werden.
Komisch für einen
Orden, der das Leben so sehr wertschätzt, nicht wahr? Und was ist eigentlich
mit der Macht? Nie scheint sie irgendetwas darüber zu sagen zu haben und die
Frage, ob sie damit einverstanden wäre, wird nie aufgeworfen. Die Jedi sind wie
eine freiwillige Exekutive der Republik geworden, die gewissenhaft dem Willen
ihres Oberhauptes folgen. Nun ich sage nicht, dass sie sich mit Gewalt gegen
den Willen des Senats durchsetzen sollte. Letzten Endes waren die
Notstandsvollmachten eine demokratisch legitime Entscheidung. Doch die Jedi
scheinen sich nicht sonderlich dafür zu interessieren, was mit dem Senat
passiert. Sie appelieren auch während des Krieges nie an den Frieden. Es ist
nämlich schon merkwürdig: Die Separatisten scheinen ja ganz offenbar unzufrieden
mit der Republik zu sein und Forderungen zu haben. Doch wir kennen sie nicht,
weil die Jedi nie versuchen, Frieden zu schließen. Für sie greifen diese
Separatisten ihre Werte der Republik an und müssen daher vernichtet
werden, ohne Kompromiss. Dabei haben die Separatisten auch eine Art von Senat,
treffen auch demokratische Entscheidungen. Zumindest sind sie der Republik
nicht so unähnlich, wie es scheint. Doch die Jedi interessieren sich nicht für
einen solchen Frieden. Für sie muss die Gegenseite fallen. Und währenddessen
leidet die ganze Galaxis. Gegen Ende des Krieges ist die Republik fast komplett
pleite, will nicht mehr weiterkämpfen und hat das Vertrauen in die Jedi
verloren. Auch der/die Letzte hat begriffen, dass sie den Krieg so lange weiterführen
werden, bis der/die letzte Separatist:in bekehrt, eingesperrt oder tot ist. So
passiert es dem Separatistenführer Count Dooku, der von einem Jedi umgebracht
wird. Ohne Konsequenzen, sollte man hinzufügen. Nicht aus dem Senat
und nicht aus seinem Orden.
Der Wandel zur Diktatur
Der zweite Wendepunkt der
Klonkriege ist ganz am Ende. Man kann nicht wirklich sagen, dass es geschafft
ist, denn die Separatisten haben auch ohne ihren Anführer noch gewaltige
Streitkräfte. Die Jedi scheinen dennoch mit ihren Klonen so langsam die Oberhand zu gewinnen und töten auch den nachfolgenden Separatistenführer. Doch die Droiden bleiben noch aktiv und
kämpfen stoisch weiter. Was den Krieg beendet, ist nicht die Überlegenheit der
Klone über die Droiden. Es ist der Kanzler der Republik selbst, denn er hat
seine Notstandsmächte nie abgegeben. Nicht nach dem Fall des ersten, nicht nach
dem zweiten Separatistenführer. Und die Jedi werden immer misstrauischer, was
er denn vorhat.
Dann schließlich erfahren sie, dass er die ganze Zeit ein Sithlord war. Und
damit verlieren sie komplett den Kopf. Der Kanzler hat beide Seiten von Anfang
an gelenkt, das finden sie auch heraus. Als Darth Sidious hat er die
Separatisten finanziert und gegen die Republik geführt, während er als
Oberhaupt der Republik gegen die Separatisten gekämpft hat. Und warum? Um die
Republik zu destabilisieren und selbst die Macht zu ergreifen. Erinnert euch,
die Sith wollten schon immer die Jedi vernichten, die Republik ergreifen und
umgestalten. Doch als die Jedi den Kanzler stoppen wollen, ist es schon zu spät. Als
Oberhaupt der Republik befiehlt er den Klonen, die Jedi aufgrund von Verrat
auszulöschen, was diese auch tun. Dann befiehlt er den Separatisten, ihre
Droiden zu deaktivieren.
Als Kanzler Palpatine kehrt er zum kriegsmüden Senat
zurück und verspricht allen Sicherheit, Stabilität und Frieden unter seiner
Leitung. Der Senat jubelt. Sie haben endlich ihren Frieden und es können die Kriegsreparaturen beginnen. Keiner denkt mehr an die Jedi, als
die Diktatur des galaktischen Imperiums unter dem Imperator Palpatine beginnt.
So,
und das ist das Ende der Jedi. Vorerst natürlich nur, aber das geht über die
drei ersten Teile hinaus. Die Religion ist zunächst einmal zerschlagen. Letzten Endes kann
man noch immer seine Zweifel an ihrer Legitimität haben. Denn sie hätten
Palpatine töten wollen, ohne ihn vor ein Gericht zu bringen. Nun, er
kontrolliert sie auch, das ist wahr. Aber man sieht schon, wie wenig zutrauen
sie noch zur Republik hatten. Sie hatten auch geplant, seinen Platz im Senat einzunehmen,
bis der Krieg vorbei ist und das gegen den Willen der Leute, die die Jedi nicht als
Herrscher gewollt hätten. Und wie lange hätte der Krieg dann gedauert? Hätten die Jedi ihre Macht jemals abgegeben? Hätten sie nicht zu viel Angst vor
eine:m weiteren Sith gehabt? Letzten Endes hatte die Galaxis nur noch die Wahl
zwischen einer Jedi- oder einer Sith-Diktatur gehabt. Zwei Religionen,
die in ihrem riesigen Kampf ein weiteres Mal die Galaxis erschüttert haben.
Anakin Skywalker
Doch wen macht das jetzt
gut und wen schlecht? Sind die Jedi schlecht, weil sie aus Panik gehandelt
haben? Ist Palpatine schlecht, weil er nun einmal zum Kanzler und Imperator
gewählt wurde? Letzten Endes hat er den Krieg und die Korruption beendet. Die Jedi wussten gar nicht mehr, wofür sie eigentlich gekämpft haben. Für eine
schwache, müde und zerbrochene Republik? Sie wäre sicher wie ein Stück Glas
zersplittert, sobald der Krieg sie nicht mehr zusammengehalten hätte. Welche
Reformen hätten die Jedi gebracht? Hätten sie das alles wieder retten können? Natürlich hat Palpatine auch den
Krieg überhaupt erst verursacht, oder ihm zumindest den richtigen Schubs
gegeben, doch Korruption gab es schon. Wieso haben die Jedi nicht mehr
versucht? Warum waren sie so machtlos? Und was wollten sie eigentlich?
Ich
denke, die Jedi kann man am besten verstehen, wenn man sich einen Mann
anschaut, der sowohl bei ihnen als auch bei den Sith gelandet ist. Ich rede von
der eigentlichen Hauptperson der ersten Filme: Anakin Skywalker, später Darth
Vader. Anakin Skywalker wurde als 9-jähriger Junge während der ersten Invasion
der Handelsföderation von den Jedi entdeckt. Er lebte auf einem Wüstenplaneten
als Sklave mit seiner Mutter. Auf diesem Planeten hatten die
Anti-Sklavengesetze der Republik keinen Fuß, sondern ein krimineller Clan hatte
das Sagen. Ein weiteres Zeichen für die Korruption im Senat. Als der Jedi, der
ihn entdeckt hatte, bei ihm einen Midi-Chlorianer Test machte, fand er heraus,
dass dessen Wert höher war als bei jedem anderen Jedi bisher. Er musste
unbedingt zum Orden gebracht werden. Kurz entschlossen tat das der Jedi auch
und ließ Anakins Mutter nach einer gescheiterten Verhandlung mit dem Besitzer
ganz einfach zurück. Auch interessant, nicht wahr? Die Jedi sollten den Frieden
in der Galaxis verteidigen und die Werte der Republik. Doch bis zu ihrem Fall
schaut nie wieder jemand auf diesem Planeten vorbei oder tut etwas.
Anakin wird
dann jedenfalls dem Orden vorgestellt und alle sehen sein starkes Potential.
Doch er wird zunächst abgelehnt. Und warum? Man sagt ihm, er wäre zu alt. Er
hätte bereits eine Bindung zu seiner Mutter aufgebaut, die gefährlich werden würde.
Denn wie Yoda, der Großmeister des Ordens sagt: ,,Furcht führt zu Wut, Wut zu
Hass und Hass zu Leid." Eine komische Sicht auf die Welt. Natürlich hat Anakin Angst
um seine Mutter, sie wurde einfach versklavt auf diesem Gangster-Planeten
gelassen! Und jetzt darf sie wahrscheinlich die Konsequenzen ausbaden, dass ihr
Sohn fehlt. Auch ist sie sicher einsam. Doch die Jedi bilden von jeher lieber
jüngere ungebundene Wesen aus, Säuglinge zum Beispiel. Und diesen bringen sie
dann bei, keine Emotionen zu empfinden, weil diese sie nur fesseln würden. Gefühle
könnten manipuliert werden und man würde durch sie die Kontrolle verlieren. Und
das ist übrigens auch ein sehr zweifelhafter Punkt an dieser Religion. Sie
zwingen ihre Wege unschuldigen Kindern auf und machen sie quasi zu gefühlslosen
Soldaten.
Warum tut das der Jedi
Orden? Wo ist ihre Doktrin dahinter? Nun, die Antworten darauf gibt uns ihr
Kodex, den ich auf der Website „Jedipedia“ gefunden habe. Er geht so: „Es gibt
keine Gefühle – nur Frieden. Es gibt keine Ungewissheit – nur Wissen. Es gibt
keine Leidenschaft – nur Gelassenheit. Es gibt kein Chaos – nur Harmonie.“ Und
so sehen wir, wie die Jedi arbeiten. Sie bekämpfen nicht das Böse oder das
Gefährliche, sondern negieren es. Wenn es keine Gefühle gibt, kann man sich
auch nicht schlecht fühlen und ist damit mit sich im Reinen.
Diese Doktrin
bekommt Anakin mit der vollen Breitseite zu spüren: Während seiner gesamten Ausbildung
darf er nie seine Mutter sehen oder über sie reden. Auch verliebt er sich in
eine Senatorin, heiratet sie und bekommt mit ihr Kinder, darf aber auch diese
Liebe nicht ausleben. Er hält seine Gefühle daher vor dem Orden geheim und
setzt sich nie mit ihnen auseinander. So frisst er alles in sich hinein und
redet mit niemandem. Auch mögen ihn die Jedi nicht besonders, denn er ist eben
anders. Er ist mächtiger als sonst jemand und erkämpft sich während der
Klonkriege quasi den Status eines Kriegshelden. Er ist anders, weil er
Passion für die Republik zeigt, Leidenschaft im Kampf und ein genuines
Interesse für die Wesen um ihn herum. Dafür wird er als „ungewöhnlicher“ Jedi
bezeichnet und ist immer etwas außen vor.
Palpatine
Doch es gibt eine einzige Person, die
ihm zuhört und das ist der Kanzler. Zumindest, wenn man sehr streng ist. Palpatine zeigt seit Anakins auftreten
Interesse an dem Jungen und ermutigt ihn. Immer wieder sagt er ihm, er müsse
stolz auf sich sein und sich nicht von den Jedi niedermachen lassen. Sie wären
nur neidisch auf ihn und würden seine Fähigkeiten fürchten. Er sagt, sie würden
ihn kontrollieren wollen und fürchten, dass sie das nicht könnten. Auch wieder
interessant: Die Jedi werden wohl von Furcht gesteuert, obwohl sie sich von
Gefühlen befreien wollen. Auch von der Liebesbeziehung zu der Senatorin und der Angst um seine Mutter weiß Palpatine. Und er versteht ihn, natürlich tut er das! Anakin reist eines Tages aus einem Gefühl heraus zu seinem Heimatplaneten, um
nach seiner Mutter zu schauen und findet sie in einem Camp von Banditen in
einem Zelt gewaltsam zugerichtet. Als sie dort in seinen Armen stirbt, richtet er vor Zorn ein Massaker in diesem Camp an. Es wird nicht genau
gezeigt, was Palpatine dazu sagt, aber auch hier beruhigt er ihn. Sicher sagt
er ihm nicht, das Massaker wäre eine gute Idee gewesen, aber er bezeichnet den
Wunsch auf Rache als natürlich. Das sieht man bei der Szene, in der Anakin
Dooku ermordet. Denn er selbst ist der Jedi, der ihn exekutiert. Und als er
sich Vorwürfe macht, weil das nicht dem Weg der Jedi entspricht, springt
Palpatine ein. Er sagt ihm, es wäre eine natürlich Reaktion, für die man sich
nicht Schämen soll.
Doch auch Palpatine ist
kein Engel. Vielmehr ist er ein Sith-Lord, wie wir nun wissen. Und als solcher
versucht er, Anakin für sich zu gewinnen, da er ja so mächtig ist. Und so
spielt er, wie er es beim Senat getan hat, mit Anakins Ängsten. Er erzählt ihm,
die Jedi würden ihn vernichten wollen und hassen. Auch meint er, Anakins
Beziehung wäre in Gefahr, denn dieser hat Träume von dem Tod seiner Frau und weiß in jedem Fall, dass die Jedi ihm nicht helfen würden. Der Sithlord aber sagt,
dass Anakin die Macht hätte, das zu verhindern. Er müsste nur dem Weg der Sith
folgen, die Macht zu seinem Willen zu beugen. Und dann könnte er dem Schicksal
entkommen und sein Leben selbst in die Hand nehmen. Und so passiert es: aus einem letzten Pflichtgefühl heraus erzählt Anakin dem Jedi-Orden zwar, dass Palpatine ein Sith-Lord ist, entscheidet sich aber doch anders, als er merkt, dass sein Freund umgebracht werden soll. In dessen Arbeitszimmer schlägt er die Jedi zurück und unterwirft sich den Lehren von Darth Sidious als Darth Vader. Doch es läuft nicht gut für ihn. Die
Jedi umzubringen, ist zwar wie ein Segen für ihn, da es Peiniger der ersten
Stunde waren, gegen die er sich endlich wehren darf. Doch er scheint nicht mehr er selbst zu sein und wird durch seinen Hass zerfressen. Schließlich verliert Anakin auch noch seine Frau, die er doch eigentlich retten wollte. Durch seine Macht und Angst vor den verbleibenden Jedi ist er
paranoid geworden. Und als seine Liebhaberin zu ihm reist, um ihn zu
besänftigen, beschuldigt er sie, mit den ihn zusammenzuarbeiten. Als
dann tatsächlich sein alter Meister erscheint, um ihn zu töten, würgt Anakin seine
Frau und greift den Jedi an. Doch Anakin verliert den Kampf und wird so
schwer verwundet, dass er fortan einen Anzug zum Überleben braucht. Seine Frau stirbt
an den Folgen seines Zorns und ohne Jediorden bleibt ihm nur noch der Weg
mit Palpatine und dessen Imperium als rechte Hand.
Emotionen
Was ist hier mit Anakin
passiert? Hatte Yoda Recht mit seinem Rat? Denn letzten Endes waren es Anakins
Emotionen, die ihn dahingebracht haben. Wut auf die Jedi, Wut auf
seine Frau, Wut auf die ganze restliche Galaxie. Und Angst. Aber es gibt viele andere
Menschen auf der Welt, die Gefühle empfinden und niemanden deswegen umbringen. Das
Problem ist, dass Anakin nie gelernt hat, mit ihnen umzugehen. Die
Jedi lehren nichts über Gefühlskontrolle und auch nicht über die dunkle Seite
der Macht. Wenn man Gefühle empfindet, ist man gefährlich und muss aus dem
Orden ausgeschlossen werden. Offenbar wissen die Jedi nämlich selbst nicht, wie
man damit umzugehen hat. Wenn man der dunklen Seite der Macht verfällt,
heißt das, dass man seine Gefühle nicht mehr unter Kontrolle hat und ihrer Kontrolle erliegt. Ich möchte hervorheben, dass Anakins Meister
geschickt wurde, um ihn zu töten, nicht, um ihn zu bekehren. Genau wie beim
Kanzler.
Doch schauen wir uns einmal den Kodex der Sith an, denn einen solchen
haben sie auch. Er geht so: „Frieden ist eine Lüge. Es gibt nur Leidenschaft. Durch Leidenschaft erlange ich Kraft. Durch Kraft erlange ich Macht. Durch Macht
erlange ich den Sieg. Der Sieg zerbricht meine Ketten.“ Man sieht hier also,
dass die Leidenschaft für die Sith eine große Rolle spielt. Gefühle sind für
sie eine Art, die komplette Autonomie und Macht zu erreichen. Deshalb
haben sie nichts gegen persönliche Beziehungen, auch wenn diese zumeist trotzdem aufgegeben werden oder wie bei Anakin enden, weil die Sith nur auf sich selbst
schauen. Man wird nicht von der Macht geleitet, sondern dem eigenen Verlangen
nach Macht, reinen Emotionen. Und sie werden hier auch nicht bearbeitet, sondern
ihnen wird freie Hand gelassen. Was mit Anakin passiert, ist eigentlich auch
genau das, was mit den Jedi passiert. Durch ihre Angst vor dem Krieg und dem
Zerfall der Republik gehen sie unvorbereitet in einen Krieg, zwingen Soldaten
dazu, in ihm zu kämpfen und wollen am Ende den Kanzler umbringen, um selbst zu regieren.
Man könnte fast sagen, dass im dritten Teil die Jedi allesamt der dunklen Seite
verfallen.
Philosophie der Emotionen
Wir sehen also ganz
deutlich, dass weder die Jedi noch die Sith einen gesunden Umgang mit Gefühlen
pflegen. Doch was sind eigentlich Emotionen? Und was soll man dann mit ihnen
machen? Nun, in der Philosophie gibt es eine recht moderne Ausrichtung, die
sich mit Emotionen beschäftigt. Eine bekannte Philosophin in diesem Gebiet
ist Martha Nussbaum. Die US-Amerikanerin hat dazu ein Werk verfasst: „Emotionen
als Urteil über Wert und Wichtigkeit“ oder eben „Emotions as Judgements of
Value and Importance“.
Darin sieht sie Emotionen als unsere ursprünglichen
Werturteile. Sie sind, was uns eigentlich menschlich macht, denn sie geben uns
Motivation. Durch diese Motivation unterscheiden wir uns zum Beispiel von
Maschinen, die bereits unser rationales Denken imitieren. Klar, man sollte
nicht nur mittels der Gefühle urteilen, aber sie sind wichtig dafür. Denken wir
zum Beispiel an Angst. Ihr seht ein wildes Tier vor euch und fühlt Angst. Das
heißt, dass euer Körper und Gehirn dem Lebewesen vor euch zuschreiben, dass es
euch gefährlich werden kann, daher gibt es diese Emotion. Jetzt
ist es aber sehr wichtig, dass ihr auch untersucht, ob die Angst dem Gegenstand
angemessen ist. Ist das Tier zum Beispiel in einem Zoo, in einem Gehege oder auf freier Wildbahn? Hat es überhaupt vor, euch anzugreifen? Das sind alles Dinge,
die ihr mit eurer Angst nicht herausfinden könnt, denn sie kann höchst
irrational sein. Deshalb braucht man das rationale Denken, um sie zu
überprüfen. Wie sollt ihr sonst verhindern, ein unschuldiges Tier zu
töten?
Man könnte jetzt meinen, dass es dafür doch gar nicht die Angst braucht,
aber ist das wirklich wahr? Denn klar, ihr könnt auch so ermitteln, ob etwas
gefährlich ist oder nicht. Aber ohne Angst braucht ihr das doch gar nicht zu tun,
oder? Ihr würdet wahrscheinlich gar nicht darüber nachdenken. Oder ein besseres
Beispiel: Man sagt ja immer, die Politik würde zu sehr von Emotionen geleitet
werden und das sei ein Problem. Unreflektierte Emotionen sollten auf jeden
Fall nicht wichtigen Entscheidungen für uns treffen, das ist richtig. In Star Wars hätte man vermutlich auch nicht einfach aus der Angst vor einer Invasion heraus einen Krieg starten sollen. Doch wollt ihr nicht auch engagierte Politiker:innen für unser Land? Solche, die sich
wirklich für die Bevölkerung interessieren? Die Angst um uns haben, wenn
schlechte Zeiten herrschen, aber hoffnungsvoll sind, dass es besser wird! Solche, die
sich mit Elan reinhängen.
Und ganz genau deshalb brauchen wir Gefühle. Es lohnt
sich nicht, etwas richtig zu machen, wenn sich keine:r darüber freuen kann. Was
ist bei den Jedi der Wert des Friedens, wenn es keine Gefühle gibt? Und wieso
setzen die Sith die Leidenschaft dem Frieden entgegen? Beides ist
interessanterweise genau derselbe Gedanke, nur anders ausgedrückt. Aber sie
liegen beide falsch.
Wenn man eine Emotion gar nicht zulässt wie die Jedi, wird
das eigene Urteilsvermögen getrübt. Man sieht Gefahren nicht als solche an und
weiß nicht mehr, wofür man kämpft.
Wenn man sich wie die Sith nur von Gefühlen
leiten lässt, urteilt man auch nicht mehr richtig. Man muss den ganzen Weg gehen, wenn man Emotionen richtig bearbeiten will. Einen
Gegenstand erkennen und das Gefühl zulassen. Dann über das Gefühl nachdenken
und sich fragen, warum der Gegenstand es hervorruft. Dann überlegen, ob es dem
Gegenstand gegenüber angemessen ist. Und dann weiß man auch, was man tun
sollte.
Letzten Endes sind die
Jedi allesamt Opfer ihrer unreflektierten Angst geworden, so wie Anakin das
Opfer seines unreflektierten Hasses. Bei der Folge über den guten Menschen habe
ich bereits geklärt, wie ein perfekter Mensch aussieht. Er soll niemandem
schaden, aber existiert auch nicht in der Form. Wir können diesem Ideal
also nur möglichst nahe kommen. Über die Sith müssen wir nicht sonderlich viel
sprechen. Darth Sidious hat den ganzen Krieg orchestriert und beide Seiten sich
gegenseitig zerstören lassen. Dann hat er den ganzen Jediorden umbringen lassen
und die Republik umgestaltet. Wobei man auch sagen muss, dass aus der Republik
nicht mehr viel herauszuholen war. Doch er hat zum Zweck der eigenen Macht
unzählige Leben geopfert, was ihn zu einem ziemlich schlechten
Menschen macht. Doch Anakin ist auch ein Sith und seine Aktionen scheinen uns
weniger schlimm zu sein. Er konnte nichts für den Krieg und war Opfer von
Unterdrückung, Manipulation und seinen eigenen Gefühlen. Es gibt also wohl
nicht viel Raum für Generalisierung. Auch die Jedi sind nicht alle gleich
gewesen. Man muss ihnen ankreiden, eine Sklavenarmee geleitet zu haben.
Nie haben sie nach einer friedlichen Lösung gesucht. Sie wollten den Lord der
Sith nach Entdeckung direkt ohne Gerichtsprozess töten, das gewählte Oberhaupt
ihrer demokratischen Republik! Und dann wollten sie ebenfalls eine Diktatur auf
die Beine stellen. Keiner kommt hier sonderlich gut davon. Man kann ihnen
vielleicht noch zugutehalten, dass sie von äußeren Faktoren kontrolliert
wurden. Sie hatten Angst, die sie nie zu bearbeiten gelernt haben. Es gab einen
Krieg, der einfach plötzlich losgebrochen ist und einen Kanzler, dem sie
untergeben waren, der aber alle Macht an sich reißen wollte.
Konklusion
Wir verbleiben also bei
der Frage: „Sind die Jedi gut und die Sith böse?“ Nun, keine von beiden sind
das Extrem, aber trotzdem ist keine Seite sonderlich gut. Das liegt einfach
daran, dass die beiden Kodexe nicht das Erstreben des Guten zulassen. Die Jedi
untersagen Gefühle komplett, womit sich noch nicht einmal feststellen lässt,
was das Gute überhaupt ist. Und wenn man dann doch von Gefühlen getroffen wird,
kann man mit ihnen nicht umgehen und folgt dem Weg der Sith. Diese nämlich
lassen sich komplett von ihren unreflektierten Gefühlen leiten, sodass man gar
nicht weiß, wo man am Ende hinkommt. Interessanterweise gibt es die Sith offenbar
nur durch die Jedi. Denn wie man bei Anakin sieht, ist die Unterdrückung von
Emotionen der direkte Weg dahin, dass sie einen kontrollieren. Die
unreflektierte Angst vor der dunklen Seite führt sie also in einer
Self-fulfilling-prophecy herbei. Es bräuchte eine Religion, die beide Seiten
miteinander vereint.
Denn nach Martha Nussbaum muss man unbedingt die drei
Schritte der Bearbeitung einer Emotion durchgehen. Die Erkennung eines
Gegenstandes, die Bildung einer Emotion und die Bildung eines Urteils darüber.
Und wie Platon auch schon in seinem ,,Der Staat" zum guten Menschen sagt: Je
mächtiger man ist und je mehr man kann, desto besser und schlechter kann man sein.
Obwohl die Jedi also nicht gut und die Sith nicht schlecht sind, wäre es wohl
am besten, man würde keinem Macht geben, denn sie können nicht damit umgehen.
Am Ende würden sie die Galaxie nur in ihren endlosen Strudel des Kampfes
reißen.
Interessant ist auch die Frage danach, was man mit der Macht machen
soll. Letzten Endes ist sie ja wirklich scheinbar so wie das Schicksal, das
alles lenkt.
Ich finde, dass die
Jedi und die Sith beide einen Punkt haben. Man sollte nicht zu sehr gegen die
ganze Welt und das Schicksal ankämpfen, denn sonst tut man sich wahrscheinlich
nur sich selbst weh. Uns fehlt die Weisheit, zu wissen, welche Folgen unsere
Handlungen im Großen und Ganzen haben können. Daher ist es vielleicht besser,
teilweise die Verantwortung einer höheren Macht zu überlassen.
Aber wir müssen
uns auch nicht alles gefallen lassen. Wir sind keine festgeketteten Wesen,
sondern autonom. Der Wert der Freiheit ist ein hoher, den wir uns von
niemandem abnehmen lassen sollten. Deswegen haben die Sith recht, wenn sie
sagen, dass man nicht immer nur das tun sollte, was die Macht oder ein Orden
einem sagt. Manchmal ist es auch einmal gut, auf sich selbst zu hören. Sie sind
letzten Endes zwei Seiten einer Münze. Die Person, die sich
komplett der oberen Macht hingibt und nichts weiter verlangt und die leidenschaftliche, die frei sein will, anfängt, Gott zu spielen und
sich in den eigenen Wünschen verliert. Daher sind weder die Jedi noch die Sith
als politische Institution eine gute Idee. In einer Demokratie kann es keine
Gruppe an Einzelkämpfer:innen geben, die privat agieren, bis an die Zähne bewaffnet
sind und versprechen, die Demokratie zu beschützen. Es kann auch nicht sein,
dass diese dann auch noch über dem Gesetz stehen. Es gibt einen Grund, weshalb so
etwas verboten wäre.
So, das war meine kleine Folge zu Star Wars. Es gäbe noch vieles dazuzusagen, aber ich will den Rahmen nicht sprengen. Ich dachte, ich probiere mich mit der Filmanalyse einmal etwas aus. Ich hoffe, dass man die Folge auch als jemand nachvollziehen konnte, der oder die die Filme nicht sonderlich gut kennt. Wenn ihr mehr Vorschläge für Folgenthemen habt, lasst es mich gern wissen. Oder wenn ihr wollt, dass ich so etwas öfter mache, sagt mir das auch gern. Dann auch gerne weitere Filmvorschläge.
Lasst gern einen Kommentar da, was ihr denkt! Wenn ihr übrigens gerne die Blogbeiträge in Audioform hören, mich erreichen oder mir vielleicht sogar eine kleine Spende dalassen wollt, findet ihr alle Links dazu in meinem Linktree.
Aber gut, das
ist erstmal alles. Habt noch eine schöne Woche und bis dann!
Quellen
,,Star Wars I: Die dunkle Bedrohung" - George Lucas
,,Star Wars II: Angriff der Klonkrieger" - George Lucas
,,Star Wars III: Die Rache der Sith" - George Lucas
,,Star Wars: The Clone Wars" - George Lucas
,,Jedipedia"
,,Emotionen als Urteil über Wert und Wichtigkeit" - Martha Nussbaum
,,Der Staat" - Platon
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