#04 Ist Veganismus gut?

Zusammenfassung

Kennt ihr eine:n Veganer:in in eurem Bekanntenkreis? Wahrscheinlich ja, oder? Zumindest Vegetarier:innen? Was ist das eigentlich für ein komischer Trend? Wieso sollte man so viel acht auf Tiere geben? In der Philosophie herrscht eine strikte Trennung zwischen Tier und Mensch. Und die meiste Moralphilosophie bezieht sich auf den Menschen. Wir haben ja auch schon über das Gute gesprochen. Doch was, wenn diese moralischen Werte universell lesbar sind? Der Mensch mag sich von den ganzen anderen Tieren zu unterscheiden, aber was genau bedeutet dieser Unterschied?                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                Hallo zusammen und herzlich willkommen zurück zu einer weiteren Folge von „Philosophie für zwischendurch“! 


Einleitung

Heute möchte ich einen kleinen Anhang zum Thema des guten Menschen liefern. Es ist nämlich wirklich viel Stoff, den man bereden kann und die letzte Folge war schon 35 Minuten lang! Da wir aber die ganze Zeit damit verbracht haben, über Menschen zu reden, möchte ich heute mit euch über Tiere reden.
Ihr habt den Titel dieser Folge ja bereits gesehen: „Ist Veganismus gut?“ Für alle, die es nicht wissen: Veganismus ist der Verzicht auf den Konsum tierischer Produkte, ganz grob gesagt. Vielleicht belasse ich es erstmal bei dem Konsum von Lebensmitteln, um es einfach zu machen. Aber der Veganismus erstreckt sich auch auf Dinge wie Kleidung aus tierischen Produkten. Doch zurück zur Ernährung. Sich vegan zu ernähren, heißt nicht nur, kein Fleisch zu essen, sondern auch kein Ei, keine Milch, keinen Käse und noch ein paar mehr. Eine vegetarische Ernährung wäre nur der Verzicht auf Fleisch, beziehungsweise auf Produkte, für die ein Tier direkt sterben müsste. Zu dieser Folge habe ich tatsächlich auch selbst eine Verbindung, denn ich ernähre mich seit inzwischen ungefähr einem Jahr vegan und werde das auch weiterhin tun. Doch warum sagen so viele Leute, es sei moralisch richtig, das zu tun? Macht da eine andere Ernährung so viel aus? Und wieso soll das so viel besser sein als der Vegetarismus? Darauf würde ich gerne mit euch eine Antwort finden.
Doch eine kurze Sache vorab: Es geht hier nicht darum, die Omnivoren unter euch als schlechte Menschen darzustellen. Eine omnivore Ernährung zu haben, heißt nämlich, dass man auch Fleisch und andere tierische Produkte isst. Bevor ich vegan geworden bin, habe ich das 19 Jahre meines Lebens auch getan. Deshalb weiß ich sehr wohl, dass man das nicht einfach so auf die Schnelle machen will und wie man sich als Omnivore:r fühlen kann, wenn man von einem:r Veganer:in belehrt wird. Ich möchte nicht der klischeehafte Veganer sein, der die Nase rümpft, wo immer jemand tierische Produkt isst, und jedem erzählt, wie unmoralisch er/sie sich verhält. Ich möchte euch nur einen kleinen Denkanstoß geben, falls ihr über die oder anderen Sachen noch nicht nachgedacht habt und erklären, warum ich vegan geblieben bin. Denn der ethische Grund ist bei mir der Ausschlaggebende. Es ist jedoch nicht wahr, dass man ein schlechter Mensch ist, wenn man das nicht tut. Ich werde hier nicht nur erzählen, dass es gut ist, sich vegan zu ernähren, sondern auch warum man nicht automatisch ein schlechter Mensch ist, wenn man Fleisch isst. Also fühlt euch bei dieser Auflistung bitte nicht angegriffen, liebe Omnivore. So, und damit möchte ich beginnen.


Ein Rückblick auf den guten Menschen

Zunächst möchte ich mit der Frage anfangen, ob der Vegetarismus gut ist, um bei einem simplen Fall zu bleiben. Dann wäre die Frage: „Ist es gut, auf Fleisch zu verzichten?“ In der letzten Folge haben wir bereits geklärt, dass es der Mensch ist, der sich moralisch gut oder schlecht verhalten kann und, dass gute Menschen gut handeln oder zumindest vorhaben, gut zu handeln. Man kann das also umformulieren zu: „Würde ein komplett guter Mensch Fleisch essen?“ Natürlich haben wir auch schon herausgefunden, dass wir alle keine perfekten Menschen sind, aber das ist ein ideal, das wir anstreben. Was ein solcher guter Mensch ist, haben wir auch schon in der letzten Folge geklärt, aber lasst es mich kurz noch einmal zusammenfassen.
Platon sagt, dass ein guter und gerechter Mensch niemandem schadet. Und ich möchte Platon hier nicht für meine Zwecke falsch auslegen, denn er meint sehr klar damit nur den Menschen. Man soll als guter Mensch seine Künste und Fähigkeiten nehmen und dazu benutzen, um anderen Menschen zu nützen, sofern man kann und darf nie jemandem schaden. Der Grund dafür ist, dass Schaden andere Menschen untüchtig und schlecht macht und damit etwas für die Ungerechten ist. Zwar erwähnt Platon das Pferd und den Hund als Wesen, die untüchtiger werden, wenn man ihnen schadet, doch die benutzt er nur als bloßes Beispiel und lässt den Schaden an ihnen moralisch unbewertet.
Ein Blick in unsere Realität verrät allerdings, dass das nicht praktikabel ist. Wir können nicht durch die Welt gehen, ohne jemals jemandem zu schaden, denn sonst wird uns geschadet. Denkt nur an unser Rechtssystem und was es mit Verbrechern macht. Je nach Schwere der Tat können sie eine Freiheitsstrafe erhalten, werden also weggesperrt und für einen gewissen Zeitraum nicht herausgelassen. Das ist unser Kompromiss zwischen Platon und der Realität: Wir wollen den Menschen so wenig schaden wie möglich, denn die Gefängnisse sind schon lange nicht mehr wie die Kerker im Mittelalter. Die Idee ist es vielmehr, dass die inhaftierte Person sich wieder in die Gesellschaft eingliedern kann, sobald sie entlassen wird, und die Chance hat, ein besserer Mensch zu werden. Trotzdem müssen wir bestrafen, damit die Person nicht mit ihren Verbrechen weitermacht und mehr Schaden anrichtet. Und hier haben wir den Grund dafür, dass wir Schaden anrichten: Es geht darum, dass wir Schaden an uns selbst vermeiden wollen. Da der gute Mensch unter allen Umständen nützen sollte, müsste das Anrichten von Schaden eine unbedingte Ausnahme sein. Es ließe sich vielleicht noch das Argument machen, dass wir auch Schaden anrichten, um schlechte Menschen zu guten Menschen zu machen, im Falle des Gefängnisses. Aber das entfällt eher, denn letzten Endes ist das nicht in unserer Gewalt. Ein guter Mensch muss ein guter Mensch sein wollen, ihr erinnert euch. Und das heißt, dass er vorhaben muss, gut zu handeln. Darauf, dass die Person gut denkt, hat niemand außer ihr selbst Zugriff. Man muss sich selbst darum kümmern, ein guter Mensch zu werden. Alles, was der Rest tun kann, ist eben zu verhindern, dass man jemandem bis dahin schadet. In jedem Fall ist es nach Platon nicht sonderlich weise zu schaden, weil man vom Geschädigten anders als beim Nutzen keinen Lohn bekommt und einem im schlimmsten Fall auch geschadet wird.
Also, diesen Punkt habe ich jetzt wirklich reingehämmert: Der einzige legitime Grund, zu schaden ist, Schaden an sich selbst oder anderen zu verhindern. Wenden wir uns dem Nutzen zu. Wie Platon uns lehrt, schadet ein guter Mensch nicht nur niemandem, sondern nützt auch. Er hat von Künsten geredet, die immer ihrem Gegenstand, also anderen Menschen nützen sollen. Dafür wird man dann auch belohnt. Ein ganz einfaches Berufsmodell. Und wie wir auch gesagt haben, lässt sich dieses Modell ins alltägliche Leben übertragen, in dem man zu anderen Menschen nett ist und im Gegenzug Freundlichkeiten erfährt. Aber ist das wirklich der einzige Grund, weshalb man nützt? Was ist mit Spenden oder selbstlosem Arbeiten? Sicher kann man sagen, dass man auch hier auf gesellschaftliches Ansehen setzt, doch dafür, dass das nicht garantiert ist, ist das viel Mühe, oder? Vielleicht mag das der Grund sein, weshalb man normalerweise nützt, aber wenn wir über den guten Menschen sprechen, muss er in jedem Fall ein guter Mensch zu sein wollen. Ein guter Mensch nützt also unter anderem anderen, um gut zu sein.


Platon in Bezug auf Tiere

So, jetzt habe ich euch wieder sehr viel über Menschen erzählt und ja ich weiß, es geht hier eigentlich um Tiere. Wir wollen herausfinden, ob Vegetarismus gut ist. Ob gewissermaßen ein perfekter Mensch Vegetarier:in wäre oder sogar sein müsste. Ich habe schon erzählt, wie es sich mit dem Schaden verhält: Eigentlich sollte man gar niemandem schaden, aber manchmal muss man es, wenn einem selbst Schaden droht. Nun, im Falle der Tiere ist das eine andere Geschichte, nicht wahr? Denn wenn wir vom Essen von Tieren reden, sind wir nicht in einer Situation, in der wir uns vor ihnen verteidigen. Es geht vielmehr um den Konsum zum Vergnügen. Gewissermaßen fügen wir zum Vergnügen Schaden zu und wie ihr euch sicherlich vorstellen könnt, ist das nicht ganz im Sinne des guten Menschen. Natürlich wird den Tieren beim Kauf kein direkter Schaden zugefügt, weil sie bis dahin schon tot sind, aber es wird befürwortet und unterstützt, dass sie weiterhin getötet werden. Jetzt könnte man vielleicht das Argument bringen, dass man durch den Nichtkauf von Fleisch der Industrie schaden würde. Doch erinnert euch, weswegen wir schaden: Es geht darum, den Schaden von uns oder von Anderen abzuwenden und das ist, was hier passiert. Auch ließe sich streiten, ob es wirklich ein aktives Zufügen von Schaden ist, wenn man etwas nicht kauft. Also fällt diese Grundlage weg.
Aber auch bei den Tieren gibt es Ausnahmen. Es gibt durchaus Fälle, in denen man Tieren leider schaden muss, um sie daran zu hindern, Schlimmeres zu tun. Denkt an Situationen, bei denen man in der Wildnis ist und sich verteidigen muss oder wenn man gewisse Allergien hat, sodass man nicht verzichten kann. Oder was ist, wenn man arm ist, sodass man Fleisch essen muss, um nicht selbst gesundheitliche Probleme zu bekommen? Sicher könnten wir auch Diskussionen führen, ob es legitim ist, Tieren zu schaden, um ein Heilmittel für Krankheiten zu finden. Und sicherlich: Auch hier greift die Regel, dass man nur so lange nicht schaden kann, wie einem selbst nicht geschadet wird. Wenn man Tieren schaden muss, muss man eben. Doch in den meisten Fällen ist das nicht der Grund, weshalb das passiert. Was gesundheitliche Aspekte angeht, kann ich leider auch nur sagen: das hier ist kein ernährungswissenschaftlicher Podcast, deshalb werde ich dieses Thema nicht vertiefen. Aber vielleicht so viel: man kann sehr gut mit einer fleischlosen Ernährung auskommen, sie ist teilweise sogar gesünder als die omnivore. Dieser Faktor fällt also quasi weg. Wir haben: Der Schaden, der Tieren zum alltäglichen Konsum zugefügt wird, entsteht normalerweise nicht zur Vermeidung von Schaden, sondern zum Vergnügen. Daher ist er nicht als gut anzusehen. Denn man sollte immer möglichst versuchen, den Schaden, den man anrichtet, zu reduzieren.
Doch wenn man ihnen nicht schaden soll, ist es dann moralisch gut, Tieren zu nützen, wie beim Menschen? Hier können wir Platon gut anwenden: Der Mensch wird also ungerecht und schlecht, wenn man ihm schadet und ist eher geneigt, einem selbst zu schaden. Ist das nicht beim Tier genauso? Man denke an diese Geschichten, in denen Hunde sich gegen einen aggressive:n Besitzer:in auflehnen. Auch der Aspekt des Lohns für Nutzen ist bei Tieren enthalten. Ein Hund, zu dem man gut ist, würde seine:n Besitzer:in eher verteidigen. Wobei zugegeben meist nur gegen friedliche Nachbar:innen, die am Grundstück vorbeigehen. Aber wir können sagen, dass es auch bei Tieren weise zu sein scheint, ihnen zu nützen. Und klar, manchmal bleibt der Lohn auch aus, wie bei Spenden an Menschen. Aber das heißt dann ja nicht, dass wir Menschen schaden sollen, von denen wir keine Gegenleistung bekommen. Warum sollte es dann bei Tieren so sein? Letzten Endes ist man bereits ein guter Mensch, wenn man nützt und der Gegennutzen ist eher ein netter Effekt davon. Ist es also gut, vegetarisch zu sein? Nun das kommt vielleicht unerwartet, aber nein. Nein, es ist auch nicht schlecht, vegetarisch zu sein, aber der Verzehr selbst ist es nicht, der moralisch gut oder schlecht ist. Es geht darum, den Schaden an Tieren selbst anzurichten oder wissentlich zu unterstützen und das geschieht bei den meisten Menschen schon im Laden. Ob man das Tier dann isst oder nicht, trägt dem nichts mehr bei. Doch natürlich kann man kein Fleisch essen, wenn man keines kauft, also führt Vegetarismus dazu oder hat die logische Folge, dass man in dieser Hinsicht ein besserer Mensch wird. Auch ist die Idee, kein Fleisch zu essen, meist natürlich mit der verbunden, den Tieren nicht zu schaden.


Ist Ethik auf Tiere anwendbar?

So und hier kommt jetzt ein sehr wichtiger Punkt und großer Einwand, der oft gebracht wird. Warum sollten Menschen und Tiere moralisch gleich behandelt werden, wenn sie nicht gleich sind? Und das ist wahr, Tiere und Menschen sind nicht gleich. Das wurde durch Sartre klar, das habe ich oft gesagt und auch Platon ist dieser Meinung. Dann lasst uns doch untersuchen, inwiefern sie unterschiedlich sind und ob das diese moralische Ungleichbehandlung rechtfertigt. Lasst uns mit dem größten Unterschied anfangen: Der Mensch hat einen Willen, er ist ein für-sich nach Sartre. Das heißt, dass er ein moralisches Wesen ist und überlegen kann, bevor er handelt. Mit einem Menschen kann man reden, man kann ihn verstehen und mit ihm arbeiten. Das ist ein Schlüssel zu unserer Gesellschaft. Natürlich haben Tiere auch Möglichkeiten, der Außenwelt Dinge mitzuteilen und jedes Tier hat zu jedem Zeitpunkt etwas, das es anstrebt. Mag das nun Nahrung oder Schlaf sein. Doch wir verstehen uns, eine Gesellschaft, in der Tiere genau wie Menschen eingesetzt werden, funktioniert nicht, denn ihre intellektuellen Fähigkeiten sind nicht so ausgeprägt wie die von uns. Die Frage ist, sind unterschiedlich ausgeprägte moralische und intellektuelle Fähigkeiten ein Anlass, Menschen und Tiere so unterschiedlich zu behandeln? Nun, macht es denn einen Unterschied, ob ich zu einem Wesen gut bin, das selbst nicht gut ist? Macht mich das weniger gut? Denn Platon lehrt, dass man zu möglichst jedem gut sein soll, ganz egal, wie die moralische Bewertung aussieht. Und wenn man schon zu schlechten Menschen gut sein soll, warum dann nicht zu amoralischen Wesen? Unser Ziel ist es schließlich nicht, unser Gegenüber gut zu machen, sondern selbst gut zu sein. Denn wie ich gesagt habe, haben wir sowieso keinen ausreichenden Einfluss darauf. Im Falle der Tiere können wir sie nun gar nicht gut oder schlecht machen, doch wir können es noch immer selbst sein. Was den Unterschied zwischen Tier und Mensch angeht, habe ich noch ein Beispiel für euch: Stellt euch jemanden mit einer schweren geistigen Behinderung vor. Jemanden, der eben genau diese menschliche Fähigkeit der moralischen Überlegung nicht hat. Der sich nicht den anderen Menschen verständlich mitteilen kann und auch sonst intellektuell wohl eher einem Tier als einem Menschen ähnelt. Würden wir nicht alles, was in unserer Macht steht tun, damit diese Person wie ein normaler Mensch behandelt werden kann, so sehr es geht? Auf jeden Fall! Und wäre das unmoralisch oder unnötig? Nein, nicht wahr? Und was ist mit Haustieren? Die werden auch wie Menschen behandelt, bekommen einen eigenen Platz im Haus, einen Namen, täglich etwas zu essen, es wird mit ihnen geredet und sie werden nach ihrem Tod oft beerdigt. Doch auch sie können nicht moralisch denken und wirklich verstehen tun sie einen auch nicht auf dieselbe Weise wie ein Mensch einen versteht. Wäre es jetzt moralisch richtig, sie zu töten und zu essen oder zumindest aus dem Haus zu werfen? Nicht so wirklich.
Dann gibt es das Argument, dass nur wilde Tiere anders behandelt werden können und nicht gezähmte Haustiere. Bei wilden Tieren gibt es keinen Anlass, gut zu ihnen zu sein, weil sie sich in der Natur auch gegenseitig töten. Vielleicht ist es schwer, Haustiere in eine menschliche Gesellschaft einzubinden, doch es ist möglich! Sie können in einer Familie leben. Aber wilde Tiere wie Wölfe würden sich damit eher schwertun, denn sie sind an die Wildnis, Wälder gewöhnt. Warum sollten wir etwas nicht töten, das sich gegenseitig tötet? Dieses Argument würde immerhin erklären, wieso einige Tiere gegessen, andere einfach nur getötet und andere bei sich zuhause gehalten werden. Nun, das gegenseitige Töten von Tieren ist kein moralischer Akt, denn wie wir gesagt haben, können sie nicht moralisch handeln. Daher ist es aber auch nicht an uns, das zu verhindern oder einzuschreiten oder in irgendeiner Form moralisch zu bewerten. Einige Tiere töten, weil sie es müssen und wenn es uns nicht schadet, ist das nicht unsere Sache, denn das ist nicht unsere Gesellschaft. Und auch hier könnten wir Beispiele für Menschen heranholen, die nicht in unsere Gesellschaft passen oder passen wollen. Sie werden auch nicht einfach getötet! Auch ist das Essen der Tiere keine Reaktion auf ihr Verhalten in der Wildnis, denn viele von ihnen waren nie woanders als unter menschlicher Obhut. Es gibt außerdem Tiere, die im Haus und in der Wildnis vorkommen. Was ist mit Fischen, die man sich in einem Aquarium hält in Relation zu denen, die man isst? Ihr könnt mir nicht erzählen, dass die Fische in den Aquarien die „besseren“ Fische wären! Dann gibt es Menschen, die sagen, dass sie nur Tiere essen, die sie nicht süß oder schön finden. Auch das ist nicht hinreichend, denn hier sind es wieder moralische Ungleichbehandlungen zwischen Mensch und Tier. Es gibt auch viele Menschen, die wir nicht schön finden, doch wir lassen sie nicht deshalb umbringen und essen sie! Es kann also, um das alles zusammenzufassen, überhaupt an keinem prinzipiellen Unterschied zwischen dem Menschen und dem Tier liegen, wie anders die Wesen behandelt werden. In moralischer Hinsicht zumindest. Natürlich ist mir klar, dass bestimmte Arten gegessen werden, weil sie nahrhafter sind als andere, aber warum wird ein moralischer Unterschied zwischen ihrer Tötung und menschlicher Tötung oder auch der Tötung anderer Tierarten gemacht?


Tiere als Gegenstände

Es ist scheinbar so, dass Tiere, die gegessen werden, wie Gegenstände behandelt werden und nicht wie Tiere. Denn Haustiere werden auch nicht ganz genau behandelt wie Menschen, das wäre unmöglich. Wie ich schon gesagt habe, kann man Tiere nicht genau so wie Menschen in eine Gesellschaft integrieren, am wenigsten die genannten Wildtiere. Es wäre also unisinnig, sie genau wie Menschen zu behandeln. Vielmehr sollte man Tiere wie Tiere behandeln. Aber stattdessen findet eine Verhalten wie mit einem Gegenstand statt und das ist problematisch. Nun wieso sage ich, dass man Tiere wie Gegenstände behandelt werden? Ich habe ja lang und breit ausgeführt, dass es schlecht ist, jemandem zu schaden, aber diese Frage habe ich noch nicht geklärt: Warum eigentlich? Warum ist es so, dass Schaden schlecht ist? Wieso ist es das Werkzeug für die Ungerechten und wieso werden Menschen dadurch schlecht und entwickeln Trotz? Eine ganz simple Antwort: Es tut weh. Schaden ist eine Art von Schmerz, die bei jemandem verursacht wird und sich auf das auswirken kann, was man tut. Aber auch schon ohne das ist es der Schaden selbst, unter dem die Person leidet und die ihn schlecht macht. Woran das wiederum liegt, ist eine Reihe an Rezeptoren und Verbindungen, die wir das Nervensystem nennen. Und dieses haben Tiere auch. Klar, intellektueller Schmerz kann bei ihnen eher nicht verursacht werden, weil ihr Gehirn nicht so komplex ist wie unseres, aber sie merken den körperlichen Schmerz auf jeden Fall auch. Und bei höher entwickelten Arten ist auch seelischer Schmerz möglich, wie ihr sicher wisst. Aber warum, glaubt ihr, dass es keine:n Philosoph:in gibt, der dafür plädiert, den Gegenständen nicht mehr zu schaden? Warum ist es nicht moralisch verwerflich, auf einen Tisch zu schlagen? Ha, da ist er wieder, der Tisch. Weil er eben keinen Schmerz spürt und kein Nervensystem hat. Es ergibt eben keinen Sinn, Tiere und Tische gleichzusetzen. Merkt ihr was? Genau diesen Fehler habe ich in der zweiten Folge gemacht, als ich Menschen und Tische gleichgesetzt habe und dieser Fehler wird mit Tieren und Tischen wohl auch von vielen anderen Menschen gemacht.


Zwischenstand

So, eine kurze Pause hier. Was haben wir bis jetzt? Es ist scheinbar in den meisten Fällen unmoralisch, Tiere zu essen, da man nur schaden soll, wenn es unbedingt nötig ist. Dieser spezielle Schaden erfolgt aber normalerweise durch Vergnügen. Auch soll man als guter Mensch eigentlich nützen, und zwar nicht nur aus dem Verlangen einer Gegenleistung heraus, sondern weil man es will. Das scheint zwar alles nur für Menschen zu zählen, doch es gibt eigentlich keinen Grund, Tiere nicht mit einzubeziehen. Der größte und eigentlich einzig wichtige Unterschied zwischen Menschen und Tieren schafft es nicht, diese unterschiedliche Behandlung zu rechtfertigen. Es werden nämlich trotz dieser Unterschiede einige Tiere wie Menschen behandelt und Menschen mit wenig entwickelten menschlichen Fähigkeiten ebenfalls. Und diese Andersbehandlungen sind auf jeden Fall moralisch, darüber muss nicht gestritten werden. Zwar kann man Tiere nicht komplett wie Menschen behandeln, da man diese menschlichen Fähigkeiten in einigen Fällen braucht, aber das heißt nicht, dass man Tieren einfach Schaden zufügen kann. Auch wenn sie Beleidigungen nicht verstehen würden, haben sie ein Nervensystem wie wir, sodass physischer Schmerz sehr wohl Schaden anrichtet. Es ist sogar möglich, höher entwickelten Tieren seelischen Schmerz zuzufügen. Und dass Schaden Schmerz verursacht, ist der einzige Grund, weshalb Schaden überhaupt schlecht ist und schlechte Auswirkungen haben kann. Nur Schaden gegenüber Gegenständen ist nicht moralisch schlecht, weil diese ihn nicht spüren und keinen Schmerz empfinden.


Tierrechte und Menschenrechte

Man könnte jetzt die Diskussion führen, ob es dann in Ordnung wäre, ein Tier auf einer großen Weide aufzuziehen, auf der es glücklich wäre, und es dann schmerzlos und unerkannt zu töten, um es zu essen. Nun dieses Gedankenspiel kann man mit einem Menschen genauso durchführen, wäre das dann moralisch gut oder schlecht? Ich sage, dass es auf jeden Fall moralisch schlecht wäre und glaube, dass ich damit nicht allein bin. Und warum? Weil man das Wesen zwar schmerzlos tötet, ihm aber durch die Tötung das Leben nimmt, also wieder schadet. Es ist quasi die Wegnahme von Gutem, was passieren könnte. Und wie beim Menschen ist es auch beim Tier nicht an uns zu bestimmen, ob das weitere Leben gut oder schlecht sein wird und danach zu urteilen. Allein der Akt des Einsperrens wäre doch auch schon ein Schaden, nicht wahr? Wäre das nicht eine Art der Freiheitsberaubung? Es gibt viele Argumente, die hierauf folgen könnten, aber wenn man den Menschen mit dem Tier in dieser Hinsicht gleichsetzt, merkt man, wie tief die Irrtümer teilweise liegen.
Lasst mich eine Analogie machen, die vielleicht etwas gewagt ist. Ich möchte nicht, dass sich jemand angegriffen fühlt, doch lasst mich erklären. Meine Analogie reicht in eine Zeit zurück, in der Menschen auch wie Gegenstände behandelt wurden. Nein, nicht alle. Nur einige. Ich rede von der Sklavenzeit. Auch da wurde gesagt, dass man dazu berechtigt wäre, die Sklav:innen so zu behandeln, wie man sie behandelt, weil sie als amoralisch, nicht wie Menschen oder gefühlslos galten. Letzten Endes hat man eben seinen eigenen Vorteil und Vergnügen gesehen, sie zu halten. Und auch damals gab es sicher Menschen, die sich geweigert haben, etwas auf dem Sklavenmarkt zu kaufen, es gab welche, die ihre Sklaven behandelt haben wie einen Teil der Familie und solche wurden vielleicht lange verlacht. Bis die Sklavengesetze kamen, da man gemerkt hat, dass die Sklaven wie andere Menschen sehr stark leiden und Schmerz verspüren und wie unmoralisch ihre Behandlung ist. Natürlich ist das kein komplett passender Vergleich. Mir ist schon bewusst, dass sich bei dunkelhäutigen Menschen später herausgestellt hat, dass sie sehr wohl zu moralischen Überlegungen in der Lage sind. Doch wie wir bereits geklärt haben, ist das kein Grund, den einen zu schaden und den anderen nicht. Der Punkt dieses Vergleichs ist es, zu zeigen, wie gewisse Wesen wie Gegenstände behandelt wurden und wie normal wir das damals und wie furchtbar heute finden. Aber klar, heutzutage ist es etwas anders, weil die meisten Menschen keine direkte Berührung mit dem Tier auf ihrem Teller haben und auch dann nicht so gewalttätig wären, wie es bei Sklaven teilweise geschehen ist. Doch macht es das dann nicht sehr viel ironischer? Dass viele Menschen Tiere nicht wie Gegenstände behandeln würden, aber es andere machen lassen? Man weiß also offenbar bereits, dass das ein moralisches Problem darstellt.


Sind Omnivore schlecht?

Doch nun gut, warum tun das so Viele? Warum werden Tiere wie Gegenstände behandelt? Leben wir nur einfach in einer Gesellschaft aus schlechten Menschen? Sind Menschen mit omnivorer Ernährung schlechte Menschen? Hier mache ich wieder den Bogen zurück zum Anfang: Nein, sind sie nicht. Doch wieso werden Tiere dann wie Gegenstände behandelt, ist man sich nur nicht der Unterschiede bewusst? Ja und nein.
Erinnert ihr euch an Nietzsche und den Relativismus? Er sagt, dass Menschen in jeder Kultur unterschiedliche Vorstellungen von Moral haben und sie in einem Kampf an sich reißen, um sie zu ihrem Vorteil zu verwenden. Als Tier kann man wenig gegen die Menschheit ausrichten. Wir sind stärker, schlauer und immer mehrere Schritte voraus. Und selbst wenn wir es gut meinen, können uns Tiere nicht einfach mitteilen, dass sie anders behandelt werden möchten. Einige könnten sogar Verhaltensweisen an den Tag legen, die wir bei einem Menschen als undankbar bezeichnen würden. Deshalb hat es sich schnell entwickelt, dass Tiere auf einer Stufe mit Gegenständen gelandet sind und das ist kulturell so tief integriert, dass sich die Dinge nur sehr langsam verändern. Immerhin bin ich selbst 19 Jahre lang omnivor gewesen. Deshalb kann man diese Menschen nicht als schlecht bezeichnen, denn es wurde nie wirklich vermittelt, dass Fleischkonsum schlecht sein soll. Klar, jetzt habe ich es gesagt, doch so eine kulturelle  Prägung ist nicht leicht, hinter sich zu lassen. Diese Menschen denken also nicht schlecht, weil sie eigentlich nicht vorhaben, zu schaden. Sie gehen dem sogar so weit wie möglich aus dem Weg, denken nicht daran oder sehen Tiere als Gegenstände an. Obwohl das ein Irrtum ist, kann man also Omnivore nicht ohne Weiteres als schlechte Menschen darstellen. Doch selbst wenn nicht, lässt sich sicher sagen, dass es moralisch besser wäre, auf Fleisch zu verzichten. Um meine Frage vom Eingang zu beantworten: Ein perfekter Mensch dürfte tatsächlich kein Fleisch essen, weil er dafür Schaden verursachen müsste. Die Ausnahme wäre hier wohl, wenn das Tier schon durch andere Faktoren gestorben wäre und sein Verzehr nicht zur Folge hätte, dass weitere sterben. Wenn es zum Beispiel an Altersschwäche gestorben ist oder weggeworfen worden wäre. Doch so viel erstmal dazu, ihr versteht meinen Punkt ja.


Veganismus

Nun, das ist erst einmal mein Ergebnis, doch ich möchte einen kleinen Nachtrag liefern. Ich habe jetzt sehr lange über den Fleischkonsum geredet, doch was ist eigentlich mit den anderen tierischen Produkten? Ich bin ja Veganer, nicht Vegetarier, und dessen moralische Seite wollte ich ja erklären. Als Kind fand ich Veganer:innen albern, weil ich nicht verstanden habe, was so schlimm sein soll, einer Henne ihr unbefruchtetes Ei zu nehmen. Klar, es ist einfach zu verstehen, dass man sie töten muss, um sie zu essen, doch nicht für das Ei. Und es ist ja nicht so, dass eine sie damit selbst etwas anfangen könnte: Es ist ein Abfallprodukt, wie bei Menschen auch so. Wenn man über den Fakt hinweg ist, dass man die Periode einer Henne isst, gibt es dann ja kein Problem. Doch leider gibt es das schon. Seht ihr, das Problem ist nicht, dass den Tieren ihre Produkte weggenommen werden. Ganz abgesehen davon, dass das pro Tier ein unterschiedlich schwieriger Prozess ist und teilweise mit Mutationen verbunden ist, um die Effizienz zu erhöhen. Aber nein, das Hauptproblem ist, was den Tieren dafür angetan wird, damit sie möglichst viel davon hergeben. Sie werden in kleine Behältnisse gesperrt, damit möglichst viele von ihnen gleichzeitig gelagert werden und produzieren können. Dann bekommen sie verschiedene Mittel, damit es schneller geht und sobald sie zu schwach werden, werden sie aussortiert und vernichtet. Und jetzt überlegt euch: Wie vergleicht man zwischen der Tötung von Tieren und Folter? Denn das ist es im Grunde: die Tiere müssen arbeiten, bis sie nicht mehr können und werden dann getötet. Ist es so abwegig, den Konsum von Fleisch moralisch mit dem von Eiern gleichzusetzen? Je nach Situation für die Tiere ist es vielleicht sogar besser, wenn man sie früher tötet als später. Ich möchte nicht generalisieren, denn es gibt sicher Firmen, die das nicht alles machen, aber allein einer dieser Faktoren würde schon reichen! Und klar gibt es Einrichtungen, die Tiere besser behandeln, die Hennen zum Beispiel Eier legen lassen, wann sie es eben tun und ansonsten gut behandeln. Und ich finde das auf jeden Fall besser, versteht mich nicht falsch. Aber woher weiß ich, was genau mit diesen Tieren passiert, wenn ich etwas kaufe? Und selbst wenn ja, ist das wirklich ideal? Letzten Endes sind sie noch immer eingesperrt und ihrer Freiheit beraubt. Wir werden nie wissen, wie sie ihre Situation beschreiben würden, wenn sie reden könnten. Wie großzügig von uns, ihnen per Gesetz noch ein paar weitere Quadratmeter in unseren Käfigen zu gestatten, nicht wahr? Letzten Endes weiß man nicht, ob Tiere einen Freiheitswillen haben, sicherlich aber natürlich nicht wie beim Menschen. Doch ich möchte hervorheben, dass das auch noch nicht ganz geklärt ist. Klar gibt es auch hier wieder Fälle, bei denen es anders ist: es gibt schließlich auch Haustiere, die nicht gefragt werden können, ob sie wirklich mit der Familie sein wollen. Keine Sorge, dagegen möchte ich mich gar nicht aussprechen. Hier muss man wohl aber auch einräumen, dass unverkennbar ist, wie sehr einige Tiere zu ihrer Familie gehören wollen. Nur scheint es so, dass man sehr vorsichtig sein muss, wenn man Tiere in menschliche Hände gibt und daher habe ich mich entschieden, gar keine tierischen Produkte mehr zu konsumieren. Und was den gesundheitlichen Aspekt angeht, muss ich wohl auch wieder an die Ernährungswissenschaftler verweisen. Lasst es mich euch so sagen: wenn es nicht möglich wäre, lange durchgehend vegan zu leben, ohne erhebliche gesundheitliche Schäden davonzutragen, wäre es wohl auch nicht richtig. Doch ich versichere euch, dass es gut möglich ist und auch nicht allzu anstrengend. Ich selbst tue es ja immerhin schon ein Jahr. Ansonsten lassen sich wohl die Argumente für Vegetarier:innen auf den Veganer:innen übertragen, denn sie achten sogar noch strenger darauf, dass Tieren nicht geschadet wird, ohne dabei selbst Schaden erleiden zu müssen. Und auch hier ist es so, dass die vegane Ernährung allein natürlich nicht gut oder schlecht ist. Es hilft keinem Tier, ein Ei wegzuwerfen, statt es zu essen. Aber dadurch, dass diese Produkte nicht gekauft werden, entsteht der gewünschte Effekt.


Konklusion

Nun, ich denke es ist Zeit für eine kleine Konklusion. Ich habe gesagt, dass Vegetarier:innen moralisch besser handeln als Omnivore, weil sie Tieren nicht schaden. Jedoch kann es beim Verzehr und Kauf von tierischen Produkten doch sein, dass man mehr Schaden anrichtet, als man denkt. Schließlich müssen die auch irgendwo herkommen. Also würde ein perfekter Mensch nur dann tierische Produkte konsumieren, wenn er genau weiß, dass es den Tieren gut geht und ihnen nicht geschadet wird. Aber da man noch nicht einmal weiß, ob sie überhaupt auf einem begrenzten Raum gehalten werden wollen, ist das ein schwieriger Fall.  Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass ich an diesem Punkt auch keine endgültige Antwort habe. Deshalb gehe ich lieber auf Nummer sicher und lasse komplett die Finger davon, denn so habe ich die Garantie, keinem Tier zu schaden. Das ist also mein Grund, weiterhin vegan zu leben. Im Idealfall wird ein Tier vom Menschen nur so weit in seinem Willen, sofern man es so bezeichnen kann, eingeschränkt, wie es nicht anderen Menschen schadet. Erinnert euch das an etwas? Genau, das ist nämlich die Weise, wie wir moralisch mit anderen Menschen umgehen. Was die Welt der Tiere angeht, lässt sich nicht leugnen, dass es viele Tötungen gibt, doch das ist ein Bereich, der nicht unserer ist. Und dieser Fakt gibt uns weder das Recht, Moral in ihn einzuspeisen und aktiv zu werden, noch Tiere deswegen schlecht zu behandeln, was sie in ihrer Welt tun oder tun würden, so lange es uns nicht schadet. Und selbst dann sollte man gut abwägen, wie viel man ihnen schadet und sie uns. Schließlich schauen wir bei Menschen auch immer ganz genau darauf. Und der Schaden, der dadurch entstehen kann, weil man in seiner Ernährung einige Dinge weglässt, kann leicht behoben werden, sodass es an dieser Stelle in den meisten Fällen nicht ausreicht, um diesen immensen Schaden an den Tieren zu rechtfertigen. Vielleicht ließe sich bei einer deutlich besseren Behandlung von Tieren in Abwägung mit den Mühen des Veganismus darüber nachdenken. Doch ein perfekter Mensch wäre sicherlich jemand, der diese Mühen auf sich nehmen würde.

Das war also die Folge dazu, ob und warum Veganismus gut ist. Ich hoffe, dass kein Omnivorer sich durch mich angegriffen fühlt. Nur weil man vegan ist, ist man nicht gleich ein perfekter Mensch, keineswegs! Das Verhalten gegenüber Tieren ist ja bei weitem nicht der einzige Indikator, ob man ein guter Mensch ist. Und ich habe sicherlich auch an anderen Stellen meine Probleme mit dem Guten, wie jeder Mensch eben. Es ist nicht einfach, gewisse Dinge zu ändern, inklusive natürlich dem Wechsel zum Veganismus, der auf jeden Fall eine Umstellung für mich war. Ich kam ja aus jahrelangem Fleischkonsum und ich muss ehrlich zugeben, dass ich mir auch lange nichts aus Tieren gemacht habe. Ich bin in einer Großstadt, Berlin, großgezogen worden und habe auch mein restliches Leben bis zum Studium in großen Städten gelebt. Haustiere hatte ich auch nie welche, also war mein größter Berührpunkt mit Tieren beim Mittagessen. In dieser Situation erscheint einem der Gedanke fremd, kein Fleisch mehr zu essen, geschweige denn Eier und Milch! Aber ich habe mir eben gedacht, dass nur weil ich keine Verbindung zu einem Wesen habe, es nicht gleich für mich töten lassen muss. Etwas extrem, nicht wahr? Nun, Fleisch habe ich abgeschworen, aber ich bin auch nicht perfekt, was den Veganismus angeht. Klar, ich tue mein Bestes und esse in den allermeisten Fällen keine tierischen Produkte, aber wenn ich wirklich halb am Verhungern wäre, würde ich schon alles essen, was da ist. Wenn es einmal wirklich sonst nichts gibt, wird eine Mahlzeit wohl nur vegetarisch. Auch wenn das wirklich kaum vorkommt und ich streng bin, ist einmal immer noch einmal, nicht wahr? Vielleicht könnte man das mit dem Schaden, der mir passiert, rechtfertigen, vielleicht nicht. Letzten Endes ist noch keiner daran gestorben, einen Abend nichts gegessen zu haben. Es ist wie bei allem, was uns zu einem guten Menschen macht: Es ist Arbeit, bis man wirklich gut ist und vielleicht erreicht man nie den perfekten Stand. Doch mit dieser Folge möchte ich euch ermutigen, einen weiteren Schritt zu gehen und vielleicht auf das ein oder andere Mal Fleisch, das ein oder andere tierische Produkt zu verzichten. Oder immerhin auf die Herkunft zu achten. Es gibt schließlich noch weitere Vorteile des Veganismus für die Gesundheit und Umwelt, doch die sind zu fachfremd für diesen Podcast. Das soll hier aber alles nicht zu normativ werden, ich will euch wirklich nicht vorschreiben, was ihr zu tun habt. Ich bin mir sicher, dass ihr alle euer Bestes gebt, um zu dem Ideal des komplett guten Menschen zu gelangen.

Lasst gern einen Kommentar da, was ihr denkt! Wenn ihr übrigens gerne die Blogbeiträge in Audioform hören, mich erreichen oder mir vielleicht sogar eine kleine Spende dalassen wollt, findet ihr alle Links dazu in meinem Linktree.

 Also, das wars für heute, schönen Tag noch. 


Quellen

,,Der Staat" - Platon

,,Jenseits von Gut und Böse" - Friedrich Nietzsche

,,Zur Genealogie der Moral" - Friedrich Nietzsche

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